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Bankrotte Krypto-Börse : Ungemach für Ex-FTX-Chef: Engste Kollegen bekennen sich schuldig

  • Aktualisiert am

FTX-Gründer Sam Bankman-Fried verlässt das Gerichtsgebäude in Nassau (Bahamas). Bild: AP

Sam Bankman-Fried ist in die USA ausgeliefert worden. Er muss sich vor dem Bundesgericht in Manhattan verantworten, das in acht Punkten Anklage erhoben hat.

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          Der Gründer der zusammengebrochenen Krypto-Börse FTX, Sam Bankman-Fried, ist am Mittwochabend in den Vereinigten Staaten gelandet, um sich einem Strafprozess mit einer Reihe von Anklagepunkten zu stellen. Zwei seiner ranghöchsten langjährigen Mitarbeiter, Caroline Ellison und Gary Wang, haben sich indessen des Betrugs schuldig bekannt und erklärt, mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren.

          Für Bankman-Fried verheißt die Nachricht nichts Gutes. Voraussichtlich wird der 30-jährige am Donnerstag erstmals vor dem Bundesgericht in Manhattan erscheinen, das in acht Punkten Anklage erhoben hat. Seine Anwälte dürften versuchen, eine Haftentlassung gegen Kaution zu erwirken.

          Umfassende Ermittlungen

          Der spektakuläre Zusammenbruch der Kryptobörse FTX und der eng mit ihr verbundenen Handelsfirma Alameda Research hat umfassende Ermittlungen der US-Behörden ausgelöst. Das Schuldeingeständnis von Elllison und Wang erhöht den Druck auf Bankman-Fried und andere Topmanager des Marktplatzes, der im Segment zu den größten der Welt gehörte.

          „Lassen Sie mich den Aufruf wiederholen, den ich letzte Woche gemacht habe“, sagte Damian Williams, US-Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York. „Wenn Sie an einem Fehlverhalten bei FTX oder Alameda beteiligt waren, ist es jetzt an der Zeit, die Sache aufzuklären. Wir handeln schnell und unsere Geduld ist nicht ewig.”

          Ein Vertreter von Bankman-Fried wollte sich zum Thema nicht äußern. Ellisons Anwalt reagierte nicht sofort auf Bitten um Stellungnahme. Wangs Anwalt Ilan Graff sagte, dass sein Mandant „die Verantwortung für seine Handlungen übernommen hat und seine Verpflichtungen als kooperierender Zeuge ernst nimmt“.

          Gegen Kaution auf freiem Fuß

          Ellison, die 28 Jahre alte Tochter eines Professors, hat sich in sieben Fällen schuldig bekannt. Wang, der erst kürzlich in die Forbes-Milliardärsliste aufgenommen worden war, bekannte sich laut Staatsanwaltschaft in vier Fällen schuldig. Beide sind gegen Kaution auf freiem Fuß.

          Der ehemalige Bundesstaatsanwalt Paul Pelletier sieht in den Schuldbekenntnissen eine schlechte Nachricht für Bankman-Fried. Die Verteidiger wüssten, dass Angestellte, die frühzeitig kooperieren, von der Staatsanwaltschaft die besten Deals erhalten. „Wenn Staatsanwälte der Öffentlichkeit glaubhaft mitteilen, dass sie kooperative Mitarbeiter belohnen und die Betrüger verfolgen werden, dann werden die Führungskräfte der Unternehmen aufmerksam”, so Pelletier.

          Bankman-Fried verkörperte FTX und sein weit verzweigtes Netz von Unternehmen in der Öffentlichkeit. Er trat in aller Welt auf, flankiert von Politikern, Prominenten und Sportlern, und warb für FTX und für Krypto im Allgemeinen. Die SEC wirft Ellison und Wang vor, über Jahre hinweg am Betrug von FTX-Investoren beteiligt gewesen zu sein. Zwischen 2019 und 2022 habe Ellison — auf Anweisung von Bankman-Fried — den Preis des FTX-Tokens FTT manipuliert.

          Die ehemalige Chefin von Alameda, Wang und dessen Kollege Nishad Singh waren der Kern des inneren Zirkels von Bankman-Fried. Singh wurde von den US-Behörden kein Fehlverhalten vorgeworfen. Wang gründete FTX zusammen mit Bankman-Fried.

          Wang hatte Bankman-Fried im Mathe-Camp kennengelernt, als die beiden in der High School waren, und war später sein Mitbewohner am Massachusetts Institute of Technology. Ellison, die Bankman-Fried aus ihrer gemeinsamen Zeit im quantitativen Handelsgeschäft der Investmentbank Jane Street kannte und eine Beziehung mit ihm führte, stieß bereits in der Anfangszeit zu Alameda.

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