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WTI und Brent : Kritische Situation am Ölmarkt nicht ausgestanden

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Ölraffinerie in Kalifornien Bild: dpa

Die Ölpreise fangen sich nach dem historischen Einbruch. Doch die Unsicherheit am Ölmarkt bleibt hoch. Der Rohstoffriese Russland reagiert sogar mit einer Leitzinssenkung.

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          Die Ölpreise haben sich am Ende einer für den Rohölmarkt historischen Woche stabilisiert. Trotz leichter Verluste war am Markt von einer Beruhigung der Lage die Rede. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 21,30 Dollar. Das waren 33 Cent weniger als am Vortag. Die amerikanische Sorte WTI wurde je Barrel zu 16,14 Dollar gehandelt. Sie kostete damit 53 Cent weniger als am Donnerstag.

          Der offizielle Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist entsprechend deutlich gestiegen. Wie das Opec-Sekretariat am Freitag in Wien mitteilte, betrug der Korbpreis am Donnerstag 15,23 Dollar je Barrel (159 Liter). Das waren 3,01 Dollar mehr als am Mittwoch. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der wichtigsten Sorten des Kartells.

          Zu Wochenbeginn hatte sich am Ölmarkt einmaliges zugetragen. Erstmals war der Preis für einen Terminkontrakt auf Erdöl in den negativen Bereich gefallen. Das Ereignis ist Folge eines beispiellosen Nachfrageeinbruchs wegen der Corona-Krise und eines viel zu hohen Rohölangebots bei fehlender Lagerkapazität.

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          An dieser Lage hat sich bis zuletzt nichts geändert. Dass die Ölpreise seit Wochenmitte wieder etwas gestiegen sind, ist auf politische Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zurückzuführen. Hintergrund ist ein Zwischenfall auf offener See, der Donald Trump zu militärischen Drohungen veranlasste. Iran reagierte ähnlich.

          Noch nicht ausgestanden

          „Die kritische Situation am Ölmarkt ist nicht ausgestanden“, kommentierte Rohstofffachmann Eugen Weinberg von der Commerzbank. Es bestünden zahlreiche Risiken auf der Nachfrageseite sowie bei den verfügbaren Lagerkapazitäten. Allerdings könne man Hoffnung haben, dass die jüngsten Turbulenzen zu einem Umdenken bei Händlern, Produzenten und Finanzanlegern führten und für einen stabileren Preisverlauf sorgten.

          BRENT

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          Die russische Notenbank hat wegen der gefallenen Rohölpreise sogar den Leitzins gesenkt. Der Leitzins werde um 0,5 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent reduziert, teilte die Notenbank am Freitag in Moskau mit. Dies war von Ökonomen erwartet worden. Die Notenbank stellte zudem weitere Zinssenkungen auf den nächsten Sitzungen in Aussicht.

          Die russische Notenbank folgt mit der Zinssenkung dem internationalen Trend in der Corona-Krise. Bisher hatte sie auf die Zuspitzung der Krise nicht reagiert. Zuletzt hatte sie Anfang Februar die Zinsen gesenkt.

          Die Notenbank erwartet ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von vier bis sechs Prozent in diesem Jahr. Die russische Wirtschaft, die stark von Energieexporten abhängig ist, leidet in der Corona-Krise auch unter einem dramatischen Verfall der Ölpreise. Die Notenbank hat ihre Prognose für den Preis für ein Barrel (159 Liter) der russischen Ölsorte Ural im Jahresdurchschnitt von bisher 55 Dollar auf nur noch 27 Dollar halbiert. Russland ist ein wichtiges Ölförderland.

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