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Kritische Perspektive : Hoffnung auf mehr Wachstum

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Die Zentrale von Goldman Sachs in New York: Hier sieht man die Lage in Italien kritisch. Bild: AP

Noch immer lastet die Wachstumsschwäche Europas auf der Stimmung der Investoren. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

          Die ärgsten kurzfristigen Risiken seien überwunden, so beginnt das Kommuniqué des jüngsten Treffens des Internationalen Währungsfonds. Doch mehr als ein Stoßseufzer ist das nicht. Denn im weiteren werden all die langfristigen Risiken aufgezählt. Allen voran: Es komme zwar eine ungleich verteilte wirtschaftliche Erholung, aber Wachstum und Arbeitsplatzaufbau seien zu schwach. Diese Sorge um die Wachstumsaussichten wird zunehmend zum Thema für die Investoren.

          Kritisch werden die Perspektiven in Europa bewertet, besonders die in Italien. Gerade hat die amerikanische Bank Goldman Sachs in einer Studie auf Italiens Schwäche hingewiesen und dabei die politische Instabilität außen vor gelassen. Italiens Wirtschaft habe sich von der Rezession nie richtig erholt und liege - anders als Spanien - um 8 Prozent unter dem Niveau, das vor der Finanzkrise erreicht worden war. Zudem habe es anders als in Spanien seit der Euro-Einführung nie einen Boom gegeben.

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          Augenfällig sei die traditionelle Exportschwäche Italiens. Die Ausfuhren seien inflationsbereinigt von 1995 bis 2008 um etwa 50 Prozent gewachsen. In Frankreich jedoch sei der Export um 80, in Spanien um 120 und in Deutschland um 170 Prozent gewachsen. Während sich der Handel mit China für die deutsche Wirtschaft binnen zehn Jahren verzehnfacht hat, hielten selbst die Vorzeigeregionen Italiens wie die Lombardei oder Venetien nicht mit. Als Ursachen nannte Goldman die geringe Unternehmensgröße in Italien, die Konzentration auf Geschäftsfelder, die wenig von Hochtechnik bestimmt sind, sowie die ungünstige Entwicklung der Lohnstückkosten.

          Wachstum von 3 Prozent keine Überraschung

          Auch andere Banken äußern sich skeptisch über die Wachstumsaussichten in Europa. Die Société Générale hat gerade die Defizitpläne der französischen Regierung in Frage gestellt. Der Sparwille sei zwar ausgeprägt, aber für das Erreichen des Defizitziels von weniger als 3 Prozent der Wirtschaftsleistung 2014 sei ein Wachstum von gut einem Prozent zugrundegelegt. Das sei zu optimistisch, warnen die Analysten der Bank.

          Ihr falle bei der Diskussion um die Wachstumsperspektiven immer die kulinarische Grundregel ihre Großmutter ein, sagte kürzlich IWF-Chefin Christine Lagarde: „Alles schmeckt besser mit Butter.“ So ähnlich sei es auch mit dem Wachstum, sagte Lagarde. Und so warten viele Investoren mit Spannung auf die Veröffentlichung der neuesten Stimmungsindikatoren aus dem Euroraum. Am Dienstag stehen die Werte für die Umfragen unter den Einkaufsmanagern auf dem Programm.

          Christine Lagarde

          Im vergangenen Monat waren diese unerwartet schwach ausgefallen. Sollte es wieder eine negative Überraschung geben, dann hätten die PMI-Indizes wieder ein Niveau erreicht, das zu einer fortgesetzten Rezession passen würde, warnt die Commerzbank. Eine Stabilisierung und eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte setze aber die Europäische Zentralbank bisher voraus und mit ihr viele Investoren. Schwache Werte könnten also am Dienstag die Marktstimmung trüben und die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinssenkung der EZB im Mai oder Juni erhöhen.

          Geringere Auswirkungen auf die Marktstimmung dürfte am Donnerstag die Veröffentlichung der amerikanischen Wachstumsdaten für das erste Quartal haben. Das kräftige Wachstum von - auf das Jahr hochgerechnet - voraussichtlich gut 3 Prozent gilt nicht als Überraschung. Nur bei einem deutlich geringeren Wert dürften Kursreaktionen folgen.

          Warburg-Analyse sieht Estland und Ägypten positiv

          Aufmerksamkeit werden viele Anleger auch auf den Goldmarkt richten, selbst wenn sie nicht investiert sind. Zu spektakulär waren die hohen Preisrückgänge in den vergangenen Tagen. Allein am vergangenen Montag sank der Goldpreis um 9 Prozent. Das war der höchste Tagesverlust seit Jahrzehnten. Gold kostet derzeit gut 25 Prozent weniger als beim Rekordhoch vor zwei Jahren. Zudem fielen in den vergangenen Tagen auch die Preise für wichtige Rohstoffe, zum Beispiel für Rohöl und Kupfer.

          Die Aktienmärkte bewegen sich dagegen - zumindest in Amerika - in der Nähe ihrer Höchstwerte. Könnte das eine Übertreibung sein, fragten die Analysten von M.M. Warburg. In einer Studie zeigt die Bank die Bewertungskennzahlen für die wichtigsten Aktienmärkte. Verwendet werden dafür Kennzahlen wie das Verhältnis von Kurs und erwartetem Unternehmensgewinn (KGV), das Verhältnis von Kurs und Buchwert, Mittelzufluss und Umsatz sowie die Dividendenrendite.

          Für deutsche Aktien zahlen die Anleger derzeit das gut Elffache des erhofften Jahresgewinns der Unternehmen, das 1,4 fache des bilanzierten Buchwertes und erwarten eine Dividendenrendite von 3,3 Prozent. Bei der Kombination aller sechs Werte ergebe sich eine insgesamt günstige Bewertung, heißt es in der Warburg-Analyse. Sehr günstig seien demnach die Bewertungen in Estland und Ägypten. Gleiches gelte - Wachstumsschwäche hin oder her - für die Aktienmärkte der Eurosorgenländer Portugal, Spanien, Slowenien und Italien.

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