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Ungarn : Zentralbank versucht den Forint zu stabilisieren

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Bild: FAZ.NET

Mit einem stabil hohen Leitzins und sensiblen Äußerungen versucht Ungarns Zentralbank den Forint stark zu reden. Sie möchte offenbar eine Abwertung der Währung vermeiden. Die leichte Entspannung in Lettland hilft die Stimmung zu heben.

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          Der ungarische Forint scheint sich zunehmend zu stabilisieren, nachdem er in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres im Rahmen der durch die Kreditkrise ausgelösten Währungskrise in Osteuropa kräftig unter die Räder gekommen war und von 228 auf bis zu 316 Forint je Euro abgewertet hatte.

          Inzwischen hat sich die Lage aber unter anderem aufgrund der Stabilisierungsversuche der Zentralbanken etwas entspannt. Am Dienstag sind noch 279,94 Forint notwendig, um einen Euro erwerben zu können. Die ungarische Währung verbucht im Vergleich zum Vortag ein Plus von zwei Prozent. Gegen den Dollar legt sich sogar 2,75 Prozent auf 200,1 Forint je amerikanischer Währungseinheit zu.

          Ungarns Zentralbank versucht den Forint stark zu reden

          Der Grund liegt einerseits im Risikoappetit der internationalen Anleger, die zunehmend auf eine Korrektur der exzessiven Kursbewegungen der vergangenen Monate setzen. Zum anderen hat die ungarische Zentralbank den Leitzins am Dienstag unverändert bei 9,5 Prozent belassen. Das macht die Währung im internationalen Vergleich aufgrund des großen Zinsvorteils zumindest für spekulative Anleger mit starkem Risikoappetit vergleichsweise interessant.

          Das Interesse mag durch Äußerungen des Vizepräsidenten der ungarischen Zentralbank, Ferenc Karvalits, zusätzlich gesteigert worden seine. Er erklärte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, die Notenbank werde bei der Zinssetzung auf die Stimmung der Anleger achten müssen, sie dürfe sie nicht beeinträchtigen. Marktteilnehmer schließen daraus, dass Ungarns Zentralbank eine Abwertung der Währung trotz der schwachen Wirtschaft unbedingt vermeiden möchte, um die Fremdwährungskredite nicht zu gefährden, die viele Unternehmen und Privatpersonen des Landes in den vergangenen Jahren abgeschlossen haben.

          Wegen der hohen Zinsen im Binnenmarkt haben sich viele in Euro, Schweizer Franken und Yen verschuldet. Wertet der Forint jedoch ab, so nimmt die finanzielle Belastung zu, da die für Zinsen und mögliche Tilgung zu zahlenden Beträge immer größer werden. Das schränkt nicht nur die Kaufkraft im ungarischen Binnenmarkt ein, sondern beeinträchtigt auch die Bilanzen der Kreditgeber in der Schweiz oder in Österreich. Das dürfte auch einer der Gründe sein, wieso die Schweizer Zentralbank eine Aufwertung der eigenen Währung unbedingt vermeiden möchte.

          Leichte Entspannung in Lettland hilft die Stimmung zu heben

          Auch die leichte Entspannung in Lettland dürfte zur Erleichterung beitragen. Nachdem in den vergangenen Wochen ein großes Risiko bestanden hatte, dass der lettische Lats deutlich abgewertet werden könnte, scheinen sich Regierung und Zentralbank des kleinen, wirtschaftlich stark angeschlagenen Landes vorerst dagegen entschieden zu haben. Präsident Valdis Zatlers hatte am Montag angekündigt, das Budget stark beschneiden und 500 Millionen Lat sparen zu wollen, um ausstehende Kredite ordentlich bedienen zu können.

          Das führte inzwischen dazu, dass sich die lettische Währung auf 0,6995 Lats je Euro erholen konnte, nachdem sie in den vergangenen Tagen Spitzenkurse von bis zu knapp 71 Lats und damit die gesetzte Obergrenze erreicht hatte. Die Währung wird bisher in einem Band von plus-minus einem Prozent um den aktuellen Zielwert von 0,7028 Lats je Euro gehalten, um den Eurobeitritt des Landes einzuleiten. Wegen der Wirtschaftsschwäche - die lettische Wirtschaft schrumpfte um 18 Prozent im ersten Quartal des laufenden Jahres - und der hohen Defizite wurde dieser Mechanismus gefährdet: Entweder musste abgewertet oder die Wettbewerbsfähigkeit über reale Kostensenkungen verbessert werden. Lettland scheint sich nun für den zweiten Weg entschieden zu haben.

          Allerdings dürfte die Volatilität in Osteuropa groß bleiben. Denn noch lange ist nicht sicher, ob sich solche Pläne politisch auch durchsetzen lassen. Das gilt nicht nur für Lettland, sondern auch für andere Staaten der Region - unter anderem auch für Ungarn selbst.

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