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Ukraine : Hohe Renditen nicht von ungefähr

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Trostlos: Im ukrainischen Uschgorod durchsuchen Menschen die Müllhalde nach Brauchbarem Bild: AFP

Ukrainische Anleihen werden unter den osteuropäischen mit den mit Abstand höchsten Renditen gehandelt. Dies ist ein Spiegelbild der extremen Probleme, mit denen das Land zu kämpfen hat. Zinsjäger sollten die hohen Risiken unbedingt beachten.

          Die Nachrichten aus der Ukraine sind zumeist düster. Das zeigt schon eine einzige Zahl: Das Bruttoinlandsprodukt ist in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 20,3 Prozent gesunken. Das sagt eigentlich alles. Nur dank der Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF), der mit einem Kredit von 16,4 Milliarden Dollar eingesprungen ist, konnte die Zahlungsunfähigkeit verhindert werden.

          Das Land ist wie gelähmt

          Doch nicht nur die nackten Wirtschaftszahlen sind düster. Beobachter vor Ort berichten auch über ein trauriges Alltagsleben. Die Lage wird als völlig trostlos beschrieben. Wer noch Arbeit hat, bekommt demnach nur selten Lohn. Die politischen Entscheidungsträger sind untereinander so verfeindet, dass es kaum Hoffnung gibt, sie könnten demnächst doch noch gemeinsam an einem Strang ziehend, das Land aus dem Schlamassel befreien.

          Auch hinsichtlich des leidigen Themas Korruption bestehen unter diesen Voraussetzungen kaum Aussichten auf Besserung. Derzeit steht selbst in den Sternen, ob die gemeinsam mit Polen im Jahr 2012 geplante Fußball-Europameisterschaft über die Bühne gebracht werden kann.

          Kursgewinne nicht ausgeschlossen

          Angesichts dieser Tristesse überraschen die hohen Renditen kaum, mit denen ukrainische Staatsanleihen nach wie vor aufwarten. Verglichen mit dem Tief, als die Papiere Risikoaufschläge von mehr als 2500 Basispunkten aufwiesen, hat sich die Situation zwar verbessert. Doch noch immer wirft die einzige, zum 13. Oktober 2015 fällige Euro-Staatsanleihe (Isin XS0232329879, Kupon: 4,95 Prozent) unter den osteuropäischen Emittenten mit 14,1 Prozent die mit Abstand höchste Rendite ab. Die bis zum 11. Juni 2013 laufende Dollar-Anleihe (Isin XS0170177306, Kupon: 7,65 Prozent) wirft sogar 15,1 Prozent ab.

          Für Renditejäger mag dies verlockend klingen. Möglicherweise werden die Kurse auch bei einer allgemein weiter zunehmenden Risikoneigung und steigenden Rohstoffpreisen ihren jüngsten Aufschwung auch noch etwas weiter fortsetzen. Geeignet sind solche Investments aber nur für Anleger mit einem dicken Nervenkostüm und einer ausgeprägten Spekulationsneigung. Denn die Risiken sind nach wie vor groß, auch wenn sich die Inflation mit 15 Prozent im Mai und das Leistungsbilanzdefizit mit voraussichtlich weniger als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Gesamtjahr zuletzt zurückgingen.

          Wirklich nur etwas für Zocker

          Unter anderem drückt der Schuh nach wie vor im Energiesektor. Jeden Monat kommt es zur selben Zitterpartie, ob der staatlichen Gaskonzern Naftogaz seine Rechnungen beim russischen Lieferanten Gazprom begleichen kann. Wie ernst die Lage hier ist, zeigt sich auch daran, dass die Ukraine zur Bezahlung der Gaslieferungen aus Russland den IWF und die Förderbanken erneut um Finanzhilfe gebeten hat. Konkret hofft man auf zusätzliche 4 Milliarden Dollar. Im Gegenzug sollen die Gaspreise erhöht werden. Wie die ohnehin oft schon zu hoch in ausländischen Währungen verschuldeten Haushalte dies dann verkraften sollen, steht in den Sternen.

          Trotz eines bis Jahresende denkbaren Anstiegs der Staatsverschuldung auf mehr als 40 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt gestalten sich die Staatsfinanzen auf den ersten Blick nach relativ solide. Doch Sorge bereitet der starke Anstieg der Defizitquote. Von der Ratingagentur Standard & Poor´s (S&P) wird das Defizit in diesem Jahr auf 6 Prozent taxiert des Bruttoinlandsprodukts nach 1,2 Prozent im Vorjahr taxiert.

          Bei der Rating-Agentur Standrad & Poor's (S&P) kommt die Ukraine schlecht weg. S&P hat die Bonitätsnote in vier Schritten von „BB-“ auf „CCC+“ heruntergestuft. Auch die Anleihe-Experten der WGZ Bank sind zurückhaltend und raten zum Verkauf. Investieren sollte wirklich nur, wer fest daran glaubt, dass internationale Institutionen wie der IWF das Land nicht fallen lassen werden.

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