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Serbien : Harte Zeiten für die Börse

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Serbien bietet nur wenig Attraktives Bild: dpa

Der serbische Belex 15 Index ist in der Spitze 90 Prozent gefallen. Inzwischen hat er verglichen mit dem Tief zwar deutlich mehr als 50 Prozent zugelegt. Von früheren Rekordkursen notiert der Index aber noch immer meilenweit entfernt.

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          An den Aktienmärkten Südosteuropas haben die Bären noch stärker gewütet als an den anderen Börsen der Welt. Zu den am schlimmsten getroffenen Aktienmärkten gehört der serbische. Noch am 3. Mai 2007 markierte der die 15 größten Werte enthaltende Index Belex 15 ein Hoch von 3.335,20 Punkten.

          Danach setzte ein langer Abstieg ein, der ihn am 11. März auf ein im Tief von 347,46 Punkte zurückwarf. Das entspricht Kursverlusten von sage und schreibe 89,6 Prozent. Zudem verlor die Landeswährung Dinar von August bis Ende Januar gut 26 Prozent ihres Wertes.

          Verstärkte Illiquidität

          Verantwortlich für den Einbruch waren mehrere Faktoren. Zuerst musste der Markt einer Überhitzung Tribut zollen, nachdem die Kurse zuvor zu schnell und zu stark gestiegen waren, was die Bewertungen in unhaltbare Höhen getrieben hatte. Daher verloren die internationalen Investoren das Interesse, was durch die Kreditkrise und der damit verbundenen Risikoaversion auch gegenüber den Balkan-Börsen im allgemeinen verschärft wurde.

          In der Folge sind diese Märkte noch illiquider geworden als früher. In Belgrad werden täglich Aktien im Gegenwert von gerade einmal rund einer Million Euro gehandelt. Auch das ist ein Umstand, der potentielle Neuinteressenten abschreckt.

          Konjunkturell schwierige Lage

          Außerdem haben sich auch in dieser Region die konjunkturellen Rahmendaten deutlich eingetrübt. Wie viele andere Nachbarländer auch, drückt Serbien ein Defizit des Staatshaushalts und ein noch viel größeres Defizit der Leistungsbilanz. Nachdem die Wirtschaft im ersten Quartal um 5 bis 7 Prozent geschrumpft sein dürfte, rechnet Notenbankpräsident Radovan Jelasic für das Gesamtjahr mit einem Minus von 6 Prozent.

          Das Belgrader Institut für Marktforschung ist noch pessimistischer und sagt einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von mindestens 10 Prozent voraus. Wie ernst die Lage ist, zeigt sich auch daran, dass Serbien Ende März beim Internationalen Währungsfonds einen Kredit von 3 Milliarden Euro aufnehmen musste.

          Hoffen auf Fiskalprogramme

          Der IWF-Kredit half zunächst, die Lage zu stabilisieren. Die Notenbank sah sich dadurch sogar in der Lage, die Leitzinsen im April deutlich um 250 Basispunkte zu senken. Mit aktuell 14 Prozent ist der Zinssatz zwar noch immer relativ hoch, doch werden weitere Zinssenkungen erwartet. Zudem setzen die Marktteilnehmer darauf, dass die zahlreichen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft Früchte tragen werden.

          Ob und wie stark dies tatsächlich der Fall sein wird, bleibt zwar noch abzuwarten. Der Belex 15 Index hat sich in der Hoffnung auf positive Effekte zuletzt schon spürbar vom Tief abgesetzt. Das am 7. Mai markierte Zwischenhoch von 541,13 Punkten bedeutet ein Plus von fast 56 Prozent gemessen am Rekordtief.

          Trotz des starken Anstiegs gestaltet sich das Bewertungsniveau aber noch immer vorteilhaft, zumindest wenn man den auf den Internetseiten der Belgrader Börse gemachten Angaben Glauben schenkt. Dort wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis für die Belex-15-Vertreter auf durchschnittlich 6,3 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis auf durchschnittlich 0,56 beziffert. Das kann getrost als günstig bezeichnet werden.

          Index-Zertifikate

          Um das damit theoretisch verbundene Kurspotential erschließen zu können, wird die serbische Börse aber auf allgemein freundliche Weltbörsen angewiesen sein. Außerdem darf die Risikobereitschaft der Anleger nicht wieder in den Keller sacken. Wer in dieser Hinsicht zuversichtlich ist, dem steht das eine oder andere Index-Zertifikat zur Verfügung. So hat die Royal Bank of Scotland (ehemals ABN Amro) ein Serbien Belex 15 Index Open End Zertifikat (Isin DE000AA0SBS9, Geld-Briefkurse: 5,21 zu 5,37 Euro) im Bestand.

          Von der österreichischen Erste Bank gibt es ein Open-End Index-Zertifikat auf den S-Box-Serbien-Index (Isin AT0000A05QG7, Geld-Briefkurse: 1,45 zu 1,55 Euro, der von der Stuttgarter Börse berechnet wird. Wegen der oft volatilen Kursausschläge und des besonderen Risikoprofils des Marktes sind Wetten auf die serbische Börse aber, wenn überhaupt, nur für spekulativ ausgerichtete und erfahrene Anleger zu empfehlen.

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