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Rumänien : Zahlungshilfen beunruhigen Anleger nicht

Die Schlote der rumänischen Industrie rauchen weniger Bild: dpa

Auch Rumänien muss nun Zahlungshilfen in Anspruch nehmen. Doch an den Anleihemärkten bleibt es ruhig. Die EU spielt die Unterstützung herunter und zeigt sich auch für die Zukunft grundsätzlich hilfswillig.

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          Die Reaktion fiel gelassen aus. Obgleich nach Ungarn und Lettland mit Rumänien nun der dritte osteuropäische EU-Mitgliedstaat die Europäische Kommission in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist und um Hilfe gebeten hat, zeigen die Finanzmärkte nur verhaltene Reaktionen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Landeswährung Leu wertet zwar um 0,8 Prozent auf 4,3077 Leu je Euro ab, doch ist sie damit immer noch unter dem Tief von Anfang Februar bei 4,3614 Leu. Die Kurse der rumänischen Staatsanleihen gaben immerhin leicht nach.

          Hilfe aus Bordmitteln

          Die Reaktion kann aber nicht unbedingt überraschen, sprach das Land doch schon einige Zeit mit EU-Kommission und IWF über Finanzhilfen. Zudem haben die Anleger auf die internationale Hilfe vertrauen gelernt. EU-Währungskommissar Joaquín Almunia sagte auch am Montagabend nach einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel, die EU-Behörde werde in Kürze Verhandlungen über Zahlungsbilanzhilfen aufnehmen.

          Erst kürzlich hat die Kommission die Obergrenze für die Kreditaufnahme zur Gewährung von Hilfen an nicht dem Euro-Raum angehörenden Staaten, die in Zahlungsschwierigkeiten sind, von 12 auf 25 Milliarden Euro aufgestockt.

          Almunia sagte, er könne nicht abschätzen, wie viel Rumänien benötige. Die noch verfügbaren 15 Milliarden Euro aus dem Topf für Zahlungsbilanzhilfen seien aber mehr als ausreichend, um Rumänien zu stützen.

          Krisenszenario

          Nach Regierungsangaben benötigt Rumänien kurzfristig bis zu zehn Milliarden Euro. Das schwer von der Finanzkrise getroffene Land führt auch mit dem IWF
          Gespräche über ein Rettungspaket. Wegen seiner hohen Auslandsverschuldung und seines Außenhandelsdefizits gilt Rumänien in der Krise als eines der anfälligsten Länder in Osteuropa.

          Das Leistungsbilanzdefizit ist im Vorjahr auf 16,87 Milliarden Euro gestiegen und entspricht damit 12,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Budgetdefizit belief sich gleichzeitig auf 4,8 Prozent.

          Zwar will die Regierung im laufenden Jahr das Minus im Staatshaushalt auf 2,5 und das Minus in der Leistungsbilanz auf 9 Prozent senken. Diese Projektionen basieren aber auf der Annahme einer wachsenden Volkswirtschaft. Doch schon 2008 ist das Wachstum auf 2,9 Prozent gefallen, nachdem es zwischen Juli und September noch bei mehr als neun Prozent gelegen hatte. Viele Experten gehen davon aus, dass sie in diesem Jahr schrumpfen wird.

          Anleihenrenditen zeigen sich stabil

          Die Probleme des Landes sind also keineswegs neu, was sich auch daran zeigt, dass die Rendite der liquiden 2018 fälligen Anleihe mit einem Kupon von 6,5 Prozent (Isin XS0371163600) bereits im Oktober auf mehr als 12 Prozent stieg. Was damals allerdings mehr einer reflexartigen Risikoreduktion entsprach, ist seit Anfang Februar dadurch bestätigt worden, dass die Rendite, die sich bis auf 9,85 Prozent erholt hatte, nun wieder bei 11 Prozent liegt.

          Weniger deutlich ist die Reaktion der 2010 und 2012 fälligen Anleihen (Isin XS0171638330 bzw. XS0147466501), die pari oder knapp darunter notieren. Alles in allem ist das Vertrauen groß, allzumal die EU-Finanzminister Forderungen aus Österreich und von einigen mittel- und osteuropäischen Staaten ablehnten, den Finanzrahmen auszudehnen, weil diese ausreichend bemessen seien.

          Beruhigendes von der EU

          Glaubt man diesem Szenario, so bieten rumänische Staatsanleihen durchaus Renditechancen, zum Beispiel gegenüber dem von den Rating-Agenturen gleich bewerteten Kroatien. Immerhin ist Rumänien Vollmitglied der EU und hat damit im Zweifelsfall eher Zugang zu Zahlungshilfen. Und die langlaufende Anleihe rentiert höher als die vergleichbare Anleihe des EU-Mitglieds Lettland, obgleich diese von Moody's noch immer zwei Ratingstufen höher eingeordnet wird.

          Vorsichtiger sollte man indes sein, wenn man auf Österreichs Finanzminister Josef Pröll hört, der gefordert hatte, den Krisenfonds für den Fall aufzustocken, dass sich die Lage in Osteuropa so dramatisch verschlechtert, wie es viele Experten erwarten. „Wir werden hier schneller vor Realitäten stehen als manche glauben.“

          Indes stellte Almunia für den Fall der Fälle implizit bereits weitere Krisenhilfe in Aussicht. „Wenn es notwendig wäre, bin ich sicher, dass die Mitgliedstaaten einverstanden wären.“, sagte der Kommissar. Unter diesen Umständen lässt sich in hoch verzinsliche europäische Staatsanleihen fast schon beruhigt investieren.

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