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Litauen : Anleihenkurse widerstehen Hiobsbotschaften

  • Aktualisiert am

Die Zeit der Feuerwerke ist in Wilna vorerst vorbei Bild: dpa

Um mehr als 10 Prozent soll Litauens Wirtschaft 2009 schrumpfen, der Euro-Beitritt rückt in noch weitere Ferne und das Rating sinkt. Nur die Kurse der Staatsanleihen bleiben stabil - die Hoffnung auf Unterstützung im Ernstfall sorgt für Zuversicht.

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          Nachdem sich Rumänien und der Internationale Währungsfonds (IWF) am Donnerstag auf einen Rettungsplan mit umfassenden Auflagen geeinigte haben, können nun 20 Milliarden Euro an Hilfsgeldern fließen, damit das Land der massiven Kapitalabflüsse, der steigenden Arbeitslosigkeit und der drohenden Rezession Herr werden kann.

          Doch kaum sind diese Zahlungen unter Dach und Fach, steht schon der nächste Kandidat parat. Nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wird Litauen möglicherweise den Internationalen Währungsfonds und die EU um finanzielle Unterstützung bitten müssen.

          Weil das Haushaltsdefizit sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung reißen dürfte, werde das Land wohl frühestens 2012 reif für einen Beitritt zur Euro-Zone, erklärte S&P jüngst. Litauens Beitritt war 2006 knapp an der Inflationsentwicklung gescheitert.

          Der baltische Staat sei wegen seiner hohen Auslandsverschuldung und eines starren Wechselkurses schlecht für einen starken Rückgang der Investitionen aus dem Ausland gerüstet, befinden die Analysten, die das Bonitäts-Rating des Landes auf „BBB“ von zuvor „BBB+“ senkten. Litauen rangiert damit auf dem Niveau des Hilfeempfängers Ungarn und eine bzw. zwei Stufen vor Rumänien und Lettland.

          „Das niedrigere Rating spiegelt unsere Besorgnis über die Nachhaltigkeit von Litauens gegenwärtiger Mischung aus Fiskal- und Geldpolitik während der anhaltenden Rückgänge von Binnen- und Außennachfrage wider“, erklärte S&P-Analystin Eileen Zhang. Das Land besitze weder einen Überfluss an Währungsreserven, noch einen beträchtlichen Spielraum in der Fiskalpolitik, um sich gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise zu stemmen, und sei deshalb vom Markt abhängig, um sich zu finanzieren.

          Die Wirtschaftsprognosen könnten schlechter kaum sein und deswegen ist auch der weitere Ausblick negativ. Das litauische Finanzministerium erwartet in diesem Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von mehr als 10 Prozent, wie Regierungsmitarbeiter am Dienstag der Agentur Reuters berichteten. Ursprünglich war die Regierung von einem Minus von 4,8 Prozent ausgegangen. Eine neue offizielle Prognose soll am 4. April vorgelegt werden.

          Nach dem Zerfall der Sowjetunion war die Wirtschaftsleistung in dem Land zuletzt 1993 mit 16,2 Prozent noch stärker geschrumpft. Wie in den beiden anderen baltischen Republiken Lettland und Estland ist auch in Litauen der vor allem vom Konsum beflügelte stürmische Aufschwung im Zuge der Finanzkrise jäh zum Erliegen gekommen.

          Litauen hält eine Unterstützung aus dem Ausland derzeit noch nicht für nötig. Finanzminister Algirdas Semeta erklärte allerdings, die S&P-Herabstufung unterstreiche die Notwendigkeit weiterer Sparmaßnahmen, um wie geplant doch noch die EU-Defizitgrenzen einzuhalten.

          Die Anleger reagierten abermals gelassen, die Kurse der litauischen Staatsanleihen blieben weitgehend unverändert. Hintergrund dürfte das derzeit unerschütterliche Vertrauen auf die Unterstützung der Staaten durch den IWF und die EU sein, letztlich also auf die Garantie der Anleihen durch Staaten mit bessere Bonität.

          Eine etwas gewagte Spekulation sicherlich, aber keine abwegige, die zudem mit satten Renditeaufschlägen entlohnt wird, von rund zehn Prozentpunkten im mittleren Restlaufzeitenbereich.

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