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Kursverluste : Osteuropa-Börsen sind vom Hoffnungsträger zum Albtraum mutiert

  • Aktualisiert am

Die Börse in Budapest Bild: REUTERS

Jahrelang schienen die Aktienkurse in der einstigen Boomregion Osteuropa nur die Richtung nach oben zu kennen. Doch diese heile Welt existiert nicht mehr. Nun ziehen sich die internationalen Anleger zurück. Die Aussichten sind düster.

          7 Min.

          Über viele Jahre hinweg waren Anlagen an den Börsen in Osteuropa fast so etwas wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Ging es per saldo mit den Kursen doch stetig bergauf. So ist der CECE Overall Index, der sich aus Aktien aus Polen, Ungarn und Tschechien zusammensetzt, vom Tief des Jahres 2003 bis zum Hoch im Jahr 2007 auf Euro-Basis um mehr als 300 Prozent gestiegen. Und an etlichen Nebenbörsen fiel die Ausbeute sogar noch üppiger aus.

          Die Anlageidee, auf der diese Gewinne basierten, war denkbar einfach. Das Schlagwort, das die Anleger anzog, lautete Konvergenz. Gemeint ist die Angleichung der niedrigeren Lebensstandards im Osten an das höhere Niveau im Westen. Befeuert wurde diese Hoffnung im Zuge der EU-Annäherung durch tendenziell sinkende Zinsen und Risikoprämien, Transferzahlungen der EU und daraus resultierende überproportional hohe Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts und der Unternehmensgewinne.

          Von der einstigen Goldgräberstimmung ist nichts mehr übrig

          Doch diese heile Welt existiert nicht mehr. Beginnend seit Anfang 2008, zogen sich die Anleger aus der Region zurück. Ein Blick auf die seitdem erzielte Performance verrät, dass von der einstigen Goldgräberstimmung nichts, aber auch gar nichts mehr übriggeblieben ist. So hat der CECE Overall Index in weniger als 17 Monaten in der Spitze 72 Prozent verloren, und einige Exotenbörsen in dieser Region sind noch stärker unter die Räder gekommen.

          Die Kursverluste haben sicherlich auch damit zu tun, dass viele Börsen nach der vorherigen Kursexplosion völlig überbewertet waren. In dieser katastrophalen Bilanz kommt, aber auch zum Ausdruck, dass Osteuropa heute eher als Krisenregion wahrgenommen wird. Denn anders als zunächst von Volkswirten erhofft hat die Kreditkrise tiefe Spuren hinterlassen und schonungslos die Schwachstellen offengelegt. Zu den wunden Punkten zählen eine zu hohe Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten in ausländischen Währungen sowie zu hohe Defizite in den Leistungsbilanzen der Länder.

          Als wegen der deutlich gestiegenen Risikoaversion der Kapitalfluss aus dem Ausland versiegte, kamen die Währungen gehörig unter Druck, und wegen der eingebrochenen Exporte erlahmte die wirtschaftliche Dynamik. Inzwischen muss in diesem Jahr fast überall mit einem fallenden Bruttoinlandsprodukt gerechnet werden. Die Ratingagentur Fitch rechnet damit, dass die Volkswirtschaften im Durchschnitt um 3,1 Prozent schrumpfen werden, nachdem sie im Vorjahr noch um 4 Prozent gewachsen sind und in den fünf Jahren zuvor durchschnittlich um 6,8 Prozent pro Jahr. Wie ernst die Lage ist, lässt sich auch daran ablesen, dass mit Ungarn, Lettland, Rumänien, Serbien und der Ukraine bereits fünf Länder auf internationale Hilfsgelder angewiesen waren.

          Die Krise verschont auch Zentralosteuropa nicht

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