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Internationaler Finanzmarkt : Nur Lettland trübt die gute Stimmung

Freude in der Wall Street: Dem Dow Jones geht es derzeit gut Bild: AP

Die Aktienkurse haussieren, der Dow-Jones-Index hat seinen höchsten Schlussstand seit einem Jahr erreicht. Nur Lettland will nicht so recht in die gute Stimmung passen.

          Die Krise ist vorbei – fast überall auf der Welt, so scheint es. Ein kleines Land im Baltikum aber steckt noch mitten im Schlamassel. Lettland, dessen Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 18 Prozent unter dem des Vorjahresquartals lag, hat offensichtlich anders als zum Beispiel sein Nachbar Litauen nach wie vor keinen Zugang zum Kapitalmarkt. Während Litauen mit Anleihen 1,5 Milliarden Euro und damit dreimal mehr als geplant einsammelte, gab es in der abgelaufenen Woche bei einer Versteigerung in London so gut wie keine Nachfrage nach lettischen Anleihen. Das war schon beim letzten Versuch Lettlands im Juni ähnlich gewesen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seine Zahlungsfähigkeit hält Lettland nur noch aufrecht, weil der Internationale Währungsfonds (IWF), die Europäische Union und die nordischen Nachbarn im Dezember 7,5 Milliarden Euro Notkredit zur Verfügung stellten. Dieser Kredit scheint nun gefährdet. Obwohl die Regierung in Riga Sparmaßnahmen getroffen hat, wird Lettland in diesem Jahr neue Schulden von 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes machen und plant im kommenden Jahr mit einer Schuldenquote von 8,5 Prozent. Das ist zu viel, sagt der IWF. Auch in Schweden ist man ärgerlich, dass Lettland angeblich vereinbarte Sparpläne nicht einhält. Schwedische Banken, allen voran Swedbank und SEB, haben in Lettland 40 Milliarden Euro an Krediten im Feuer.

          In Lettland beträgt die Arbeitslosenquote 19 Prozent. Die Regierung in Riga sucht nach Wegen, die Bevölkerung zu entlasten. Ihr Plan, Hausbesitzer von der Rückzahlung ihrer Hypothekenkredite zu befreien, sobald die Kredite den Wert der Häuser übersteigen, kann den Banken nicht gefallen. Schließlich haben sich die Häuserpreise seit einem Jahr im Durchschnitt halbiert. Zudem ist zum Ärger der ausländischen Banken eine Abwertung der Landeswährung im Gespräch. Noch ist der lettische Lat mit einer Schwankungstoleranz von 2,5 Prozent um einen Mittelkurs an den Euro gebunden. Würde er freigegeben, fände der Lat erst nach einer Abwertung um 25 Prozent Halt, vermuten Analysten.

          Gold auf Rekordhoch

          Anderswo auf der Welt stehen die Zeichen dagegen auf mehr oder weniger kräftige Erholung der Wirtschaft. In Amerika kommt sogar die Entschuldung der Verbraucher in Gang. Das Volumen der Konsumentenkredite ging seit Januar um 102 Milliarden auf 2463 Milliarden Dollar zurück. Hinzu kommt aber ein Schuldenstand des Staates von 11 600 Milliarden Dollar. Angesichts dieser gewaltigen Lasten gibt es Stimmen, nach denen es nicht nur im Interesse Amerikas, sondern der gesamten Welt sei, wenn der Dollar und damit die amerikanischen Auslandsschulden zu den wichtigen Währungen weiter abwerteten.

          Gerade viele asiatische Länder, deren Wirtschaft derzeit stärker wächst als die Amerikas und deren Währungen daher Aufwertungskandidaten sind, sehen das anders. Vor allem Korea, Taiwan und Thailand kaufen am Devisenmarkt Dollar, um den Kurs ihrer Landeswährungen niedrig zu halten. Nach Berechnungen von BNP Paribas haben asiatische Notenbanken allein im September mehr als 100 Milliarden Dollar an Währungsreserven angehäuft. Dennoch fiel der handelsgewichtete Dollar-Index in der abgelaufenen Woche auf ein 14-Monats-Tief.

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