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Im Gespräch: Asoka Wöhrmann, DWS : „Wir kaufen griechische Staatsanleihen“

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Asoka Wöhrmann, Mitglied der Geschäftsführung der DWS Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Die große Verschuldung Griechenlands sorgt an den Finanzmärkten für Turbulenzen. Die DWS, Deutschlands größte Fondsgesellschaft und Tochter der Deutschen Bank, kauft mitten im Trubel griechische Anleihen. Asoka Wöhrmann, Leiter des Anleihegeschäfts, erklärt wieso.

          Die große Verschuldung Griechenlands und mögliche Finanzierungsnöte sorgen an den Finanzmärkten für Turbulenzen. Dabei steht Griechenland jedoch nicht allein, so Asoka Wöhrmann. Er leitet das Anleihegeschäft von Deutschlands führender Fondsgesellschaft DWS.

          Er spricht über die Folgen der Griechenland-Krise, die Gefahren für den Euro und warum die Lage in den Vereinigten Staaten viel schlimmer ist.

          Herr Wöhrmann, Griechenland ist klein und hoch verschuldet. Die Vereinigten Staaten sind groß - und ebenfalls hoch verschuldet. Richtet sich die Aufmerksamkeit auf das falsche Land?

          Nein. Beide Länder kämpfen grundsätzlich mit demselben Problem: Sie müssen runter von ihren hohen Schulden. Griechenland steckt dabei zwar in größeren Schwierigkeiten, das Land weist eine Schuldenquote von mehr als 120 Prozent seiner Wirtschaftskraft auf, während diejenige der Vereinigten Staaten unter 100 liegt. Dennoch ist gerade auch das amerikanische Schuldenverhalten gefährlich.

          Wieso?

          Erstens, wegen der Schuldendynamik. Zweitens, weil mit Ausnahme Japans alle Länder, die Amerika bisher finanziert haben, nicht mehr so wie bisher gewillt sein werden, amerikanische Staatsanleihen zu kaufen. Das würden sie höchstens dann tun, wenn die Vereinigten Staaten sie dafür künftig mit einer höheren Risikoprämie entlohnte...

          ... also mehr Zinsen an seine Kreditgeber zahlte?

          Genauso ist es.

          Müssen die Vereinigten Staaten in diesen sauren Apfel beißen?

          Sie könnten das vermeiden, werden es aber nicht tun. Denn der einzige Ausweg wäre eine drastische Verringerung der zu hohen Gesamtverschuldung, und dazu zählen die öffentliche Hand, die Unternehmen und die privaten Haushalte. Die Sparquote hat sich zwar in den vergangenen Monaten von 0 auf 5 Prozent erhöht. Das ist viel und außerdem die erste Erhöhung seit 30 Jahren. Die amerikanische Regierung wird angesichts der Folgen der Finanzkrise allerdings nicht zu einer größeren Budgetdisziplin zurückkehren.

          Was droht ihr? Ist das amerikanische Triple-A-Rating, also die ausgezeichnete Bonität des Landes, gefährdet?

          Nein, das sehe ich im Augenblick noch nicht. Aber die Vereinigten Staaten müssen eben künftig vielleicht, genauso wie Griechenland heute schon, eine Strafprämie zahlen.

          Würden Sie momentan irgendjemandem empfehlen, amerikanische Staatsanleihen zu kaufen?

          Aus europäischer Sicht auf jeden Fall nicht. Es gibt doch genügend gute Alternativen, zum Beispiel Unternehmensanleihen. Außerdem werden sich in den nächsten Jahren die großen Schwellenländer auf den Anleihemärkten noch stärker als bisher etablieren. Kein Investor sollte untrennbar mit irgendeiner Geldanlage verheiratet sein, auch dann nicht, wenn der amerikanische Staat sie emittiert.

          Schwellenländer halten Sie für interessant. Bedeutet das, dass Sie sich nicht generell von Staatsanleihen abwenden?

          So ist es. Allerdings hat sich durch diese Finanzkrise und ihre Folgen etwas Essentielles geändert: Früher konnten Sie Staatsanleihen aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Deutschland kaufen, halten und einigermaßen ruhig schlafen. Heute können Sie in keine Staatsanleihe mehr blind investieren, sondern müssen immer wieder in allen Fällen genau hinschauen. Wer momentan absolute Sicherheit will, muss nahezu komplett auf Zinsen verzichten.

          Kaufen Sie denn noch griechische Staatsanleihen?

          Aber sicher. Gerade vor drei Wochen haben wir zweijährige Staatsanleihen aus Griechenland gekauft und prächtig daran verdient: Ihr Kurs ist seitdem um 3 Prozent gestiegen.

          Sollte man in diese Titel immer noch einsteigen?

          Der schnelle Kursanstieg ist, denke ich, vorüber. Bezüglich Griechenlands geht es jetzt darum, die richtige Laufzeit in Abhängigkeit von dem Risiko, dass Sie eingehen wollen, zu finden.

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