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Im Gespräch: Andreas Männicke, East Stock : „In Moskau ergeben sich immer wieder Chancen auf Verzehnfachungen“

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Andreas Männicke, Herausgeber des Osteuropa-Börsenbriefs East Stock Trends Bild: Andreas Männicke

Börsen aus Osteuropa zieren oft die Tabellenspitze in der europäischen Performancebilanz. Das ist auch in diesem Jahr wieder so. Osteuropa-Experte Andreas Männicke verrät im Interview, wo weiterhin Chancen locken.

          Die osteuropäischen Volkswirtschaften kommen zumeist nur zögerlich aus der Krise. An einigen der dortigen Aktienmärkte konnten aber seit dem ersten Quartal 2009 schon wieder stolze Gewinne eingefahren werden. Allerdings läuft es längst nicht überall gleichermaßen rund. Es kommt somit entscheidend auf die Wahl des richtigen Anlageziels an.

          Wir sprachen mit Andreas Männicke, Geschäftsführer der ESI East Stock Informationsdienste GmbH und Herausgeber des East Stock Trends darüber, was die aussichtsreichsten Börsen sind und über die weiteren konjunkturellen Aussichten der Region.

          Herr Männicke, in Osteuropa ist im Zuge der Krise viel von dem konjunkturellen Schwung verloren gegangen. Ist der Konvergenzprozess, der früher das Geld verdienen in dieser Region relativ einfach machte, damit nicht fürs Erste passé?

          Es ist richtig, dass die treibende Kraft in Osteuropa nicht mehr der Konvergenzprozess ist. Durch die Wirtschaft- und Finanzkrise in den Jahren 2008/9 gerieten die osteuropäischen Länder auch in eine wirtschaftlich kritische Situation, die bei einigen Ländern wie Ungarn, Ukraine, Lettland und Weißrussland fast zum Staatsbankrott führte. Das hat alles andere überlagert und auch die vorher erkennbare Aufbruchsstimmung ging in diesen aufstrebenden Ländern verloren.

          Was in diesen Ländern aber bleibt ist, der wirtschaftliche Nachholprozess, der früher oder später auch wieder zu Wachstum in diesen südosteuropäischen Regionen führen wird. Hier kann man durch fast alle Branchen gehen, seien es Konsum-, Bank-, Versicherungs- oder Energieprodukte. Hier ist die Penetrationsrate im Vergleich zu Deutschland oder Westeuropa immer noch sehr gering, was im Laufen der Jahre durch den Aufholprozess per se zu mehr Wachstum sorgen wird, sobald sich die wirtschaftliche Situation - auch global - wieder stabilisiert. Zudem locken die geringen Lohnstückkosten auch wieder mehr westliche Firmen an.

          Ein anderes Fantasiemoment ist aber nicht der EU-Konvergenzprozesse, der mehr ein politischer Prozess im Zusammenhang mit dem „Abarbeiten“ von vorgegebenen EU-Kapiteln ist, sondern der EWU-Konvergenzprozess, was mehr ein wirtschaftlicher Disziplinierungsvorgang ist, denn hier sollen und müssen in der Tat die Inflationsraten und Zinsen auf westliches Niveau und es müssen vor allen die Haushalte nach den Maastricht-Kriterien konsolidiert werden. Die Maastricht-Kriterien werden zwar jetzt infolge der Mega-Konjunkturprogramme zur Bewältigung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise auch von westlichen Industrienationen nicht eingehalten, sie sind aber immer noch conditio sine qua non für neue EWU-Mitglieder, die der Währungsunion beitreten und damit dem Euroeinführung wollen. Da Estland trotz Wirtschaftskrise aufgrund eines rigorosen Sparprogramms die Maastricht-Kriterien alle erfüllt hat, dürfen wir Estland auch am 1. Januar 2011 in der Währungsunion willkommen heißen. Die Börse OMX Tallin hat das schon mit einen wahren Kursfeuerwerk um 50 Prozent zu Jahresbeginn im Voraus honoriert.

          Vor allem die Volkswirtschaften in Asien präsentieren sich wesentlich dynamischer und auch in Lateinamerika sind die Wachstumsraten oft höher. Besteht nicht die Gefahr, dass die Region im internationalen Wettstreit an Boden verlieren wird?

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