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Im Gespräch: Andreas Männicke, East Stock : „In Moskau ergeben sich immer wieder Chancen auf Verzehnfachungen“

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Die Kursentwicklung in Osteuropa wird allerdings primär vom Risikoappetit der ausländischen Großanleger abhängen und hier ist wiederum das Sentiment an den Weltbörsen zu beachten.

Die Aktien aus Südosteuropa werden wohl vorläufig relative Underperformer bleiben, sie gehören aber in 2011 wieder auf die Überwachungsliste, da ich dann auch mit einem Rebound der Börsen die „PIGS-Länder“ rechne. Oft sind die Verlierer des Vorjahres die Gewinner des folgenden Jahres in Schwellenländern und diesmal so auch in Osteuropa.

Wie lauten die drei aussichtsreichsten Favoriten auf Ebene der Einzelwerte?

Hier sollte man immer unterscheiden, ob es sich um liquide, marktschwere Standardwerte oder um illiquide Nebenwerte handelt. Zudem hat eine Beschränkung nur auf drei Einzeltitel immer größeres Risiko als ein breit gestreutes Portfolio. Unter den marktschweren und liquiden Blue Chips gefallen mir Gazprom und Lukoil immer noch sehr gut, wobei beide Aktien von zukünftigen Öl- und Gaspreis abhängen. In diesem Jahr tendierte der Kurs bisher nur seitwärts. Die Aktien sind mit einem KGV von 4 bis 5 immer noch sehr preiswert und im internationalen Peer Group-Vergleich deutlich unterbewertet. Beide Russland“-Red Chips“ sind sogar an der Frankfurter Börse recht liquide und eignen sich daher auch als Trading-Positionen. Die größten Umsätze von russischen Aktien werden ansonsten an der Londoner Börse getätigt, die ich bei illiquiden Titeln auch als Handelsplatz empfehle.

Unter den Mid Caps gefällt mir - auch unter spekulativen Gesichtspunkten - der russische Düngemittelproduzent Uralkali recht gut, der erst vor kurzem drei neue, sehr ambitionierte russische Großaktionäre bekommen hat, darunter den Oligarchen Suleiman Kerimov, der schon einen Anteil an dem russischen Düngemittelproduzenten Silvinit hält. Es gibt nun Gerüchte, das Kerimov anstrebt Uralkali mit Silvinit und Belaruskali aus Weißrussland im nächsten Jahr zum größten Düngemittelproduzenten der Welt avancieren zu lassen. Wenn dann noch die Düngemittelpreise steigen sollten und die Kapazitäten besser ausgelastet werden, was primär von der Asiennachfrage abhängen wird, hat die Russland-Story Charme.

Welche Anlagestrategie ist Privatanlegern anzuraten, die an den Ostbörsen mitmischen wollen (Vorgehensweise, Gewichtung, Produktauswahl), aber nicht die Möglichkeit haben, sich intensiv und ständig mit der Materie zu beschäftigen?

Es gibt schon eine Reihe von Osteuropafonds, die einem Anleger das Stock Picking abnehmen. Ich empfehle hier immer wieder gern den Deka Osteuropafonds oder den Raiffeisen Osteuropafonds, deren Kapitalgesellschaften auch jeweils Russlandfonds haben. Sie konnten in diesem und auch im letzten Jahr Fonds auf deutsche Werte und auch Europa-Werte zum Teil deutlich übertreffen. Diese Osteuropafonds setzten vorrangig auf Russland und die Türkei zu 70 Prozent.

Wer keinen aktiv gemanagten Fonds mit für den Anleger relativ hohen Kosten, sondern Gesamt-Osteuropa passiv im Portfolio haben will, der wählt einen Osteuropa-ETF (wie von Lyxor), wobei er hier anders als bei den oben erwähnten Osteuropa-Zertifikaten kein Emittentenrisiko hat. Die Osteuropa-ETFs sind zudem aufgrund der relativ geringen Transaktionskosten gut zum Traden geeignet.

Ich empfehle im Grundsatz immer bei erkennbaren Haussephasen an den Weltbörsen die Ostbörsen überzugewichten und bei Baissephasen unterzugewichten, aber dies erfordert zumindest ein aktives Portfolio-Management, ein Timing-Modell und eine der Situation angepasste Liquiditätsstrategie.

Die Gewichtung Osteuropaanteil zum Gesamt-Engagement in Aktien hängt von dem Risikoprofil des Anlegers ab. Risikogeneigte Anleger, die sich in Schwellenländern wohlfühlen, können 15 bis 25 Prozent in Osteuropa anlegen, weniger risikogeneigte Anleger kommen auch mit 5 bis 10 Prozent als Portfolio-Beimischung aus.

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