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Im Gespräch: Andreas Männicke, East Stock : „In Moskau ergeben sich immer wieder Chancen auf Verzehnfachungen“

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Nun ist es so, dass in vielen Ländern die jeweiligen Regierungen Bestandteil des korrupten Systems sind und dabei von bestimmten Genehmigungsverfahren nicht schlecht profitieren. So gibt es in Osteuropa sehr viele reiche Bürokraten und auch Gouverneure, die Ihr Geld im Ausland parken. Wenn ich es auch ablehne, dass Osteuropa mit den Emerging Markets aus Lateinamerika und Asien in einen Topf geschmissen werden, so gibt hier doch gewisse Gemeinsamkeiten, was die Korruption anbetrifft. Dieses Übel „Korruption“ ist also in vielen Emerging Markets anzutreffen, auch in Afrika, Asien (China oder Indonesien) und Lateinamerika.

Auch deutsche Unternehmen wie VW und Siemens wissen wohl ein Lied davon zu singen, was es heißt in diesen Ländern Aufträge zu beschaffen ohne in irgendeiner Form jemand zu begünstigen. Ich würde es aber begrüßen, wenn es gelänge, über geringere Subventionen einen Anti-Korruptions-Mechanismus in die Wege zu leiten.

Gut sind zuletzt vor allem Randmärkte wie die baltischen Börsen und die Ukraine gelaufen. Handelt es sich hierbei bereits um Übertreibungen oder gibt es noch weiteres Kurspotenzial?

Nun muss man ehrlich sein und dabei auch sagen, dass die Aktienmärkte in der Ukraine und im baltischen Raum im Jahr 2008 besonders stark eingebrochen waren. Da die Märkte zudem extrem markteng sind, kamen die Anleger in 2008 auch nicht zu vernünftigen Kurse (bzw. Spreads) wieder aus dem Markt heraus. So haben die Börsen aus Kiew und dem Baltikum noch lange nicht wieder ihre Allzeit-Hoch erreicht. Gemessen an den Allzeit-Hochs aus 2007/08 ist also noch viel Luft nach oben.

Entscheidend sind immer die Bewertungen für eine Überhitzung. Gemessen am Kurs/Buchwert und auch Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sind die Aktien aus der Ukraine und auch die aus dem Baltikum noch nicht überhitzt, sondern sogar relativ niedrig bewertet. So dürfte das KGV für die Ukraine trotz des rasanten Kursanstiegs um über 60 Prozent immer noch unter 10 liegen. Eine Bewertungsanalyse und Prognose für 20011/12 fällt aber aufgrund der Basiseffekte in 2009/10 schwer. So sind die KGV bei vielen Unternehmen jetzt noch sehr hoch, aber niedrig aufgrund der „Hochrechnungen“ bis 2012.

Im Baltikum ist nur der estländische Aktienmarkt einigermaßen liquide, Litauen ist noch entwicklungsfähig und Lettland spielt im Moment noch überhaupt keine Rolle bei nennenswerten Portfolio-Investitionen. Auch hier sind noch keine „Bubbles“ erkennbar, sondern nur erste Anzeichen auf dem steinigen Weg zur Normalisierung. In jedem Fall ist keine Euphorie erkennbar. Man ist schon froh, dass alles wieder in einigermaßen geordneten Bahnen verläuft.

Weitgehend ignoriert werden schon seit längerem die Börsen in Südosteuropa. Woran liegt das und wie sehen hier die Perspektiven aus für ein Ende der Baisse?

Die Börsen Südosteuropas standen und stehen unter dem unmittelbaren Einfluss der Negativereignisse bei den „PIGS“, also der Verschuldungssituation bei den Ländern Südeuropas. Insbesondere der „Beinahe-Staatsbankrott“ Griechenlands, der fast den Euro gesprengt hätte, hat sich auch auf die Börsen Südosteuropa negativ ausgewirkt. Zudem befinden sich die meisten südosteuropäischen Länder immer noch in einer Rezession.

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