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Im Gespräch: Andreas Männicke, East Stock : „In Moskau ergeben sich immer wieder Chancen auf Verzehnfachungen“

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Das Wohlstandsgefälle in Osteuropa ist auch nach 20 Jahren immer noch sehr groß; es reicht von relativ reichen Ländern wie Slowenien mit einem Bruttosozialprodukt pro Kopf von über 17.000 Euro bis zu den Armenregionen wie der Ukraine mit einem Bruttosozialprodukt von nicht einmal 2000 Euro pro Kopf. Dementsprechend gibt es auch immer noch ein enormes Lohnkostengefälle in Osteuropa von Durchschnittslöhnen von über 1000 Euro (wie in Zentralosteuropa) bis unter 200 Euro im Monat für einen Facharbeiter (wie in der Ukraine und vielen GUS-Republiken). Auch hier zieht die Karawane der westlichen Industrie weiter und sucht sich die Länder mit den geringsten Lohnstückkosten aus.

Nach der Öffnung 1989/90 und dem inhärenten Systemwandel, gab es zudem unterschiedliche Geschwindigkeiten bei den Transformationsprozessen. Später kamen dann in unterschiedlichen Zeiträumen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit die EU und EWO-Konvergenzprozesse für die zentral- und südosteuropäischen Länder als Multiplikator hinzu, so dass sich hier auch Entwicklungsunterschiede bei den Ländern offenbarten. Russland und auch Kasachstan waren von Vornherein in erster Linie „Rohstoffthemen“, wobei erst durch die Platzierung von ADR/GDR an der New Yorker und Londoner Börse die Aktien in westlichen Portfolios Beachtung fanden.

Ist in absehbarer Zeit mit der Aufnahme neuer Länder in die EU zu rechnen und wenn ja, wie würde sich das voraussichtlich auf die Kurse der betroffenen Länder auswirken?

Die nächsten EU-Länder werden die ex-jugoslawischen, südosteuropäischen Länder wie Kroatien, Serbien und Bosnien werden, wobei ein EU-Beitritt theoretisch schon ab 2012 möglich ist. Die EU-Kapital sind hier zum großen Teil schon abgearbeitet. Alle Länder leiden aber nach wie vor unter der globalen Wirtschaftskrise, obwohl sich erste Stabilisierungstendenzen jetzt ergeben. Allerdings ist die Arbeitslosenquote in dieser Region noch erschreckend hoch und auch ist die Korruption noch sehr verbreitet. Ich erwarte durch den EU-Beitritt einen positiven Effekt, der aber nicht so stark ausfallen wird wie in den Vorjahren.

Speziell in den Randregionen Osteuropas und in den GUS-Staaten trifft man noch immer auf viel Korruption und mafiose Strukturen. Sollte man als Privatinvestor in solchen Ländern überhaupt investieren, da vom Mittelzufluss doch zumeist die „dunklen Kanäle“ profitieren? Oder ist es nicht sinnvoller, etwa durch das Streichen von EU-Subventionen, Missstände aktiver zu bekämpfen?

Es stimmt, dass die Korruption nach wie vor wie ein Krebsgeschwür in Osteuropa wuchert und es ohne Korruption in Osteuropa vielfach nichts läuft. Das beginnt bei der Erteilung des Führerscheins und geht bis zur behördlichen Genehmigung von großen Industriekomplexen. Auch Gerichtsurteile sind oft von gewissen „Zuwendungen“ abhängig. Es stimmt auch, dass viele Gelder, sogar IWF-Gelder, zuweilen in „dunklen Kanälen“ verschwinden und hier sind sicherlich die Geldgeber berechtigt, entsprechende Nachweise und Kontrollverfahren zu verlangen.

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