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Im Gespräch: Andreas Männicke, East Stock : „In Moskau ergeben sich immer wieder Chancen auf Verzehnfachungen“

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Ich betone bei meinen Seminaren und Veröffentlichungen immer wieder, dass man die osteuropäischen Länder nicht mit den aufstrebenden Ländern in Lateinamerika oder Asien vergleichen kann, weil die Ausgangssituation eine ganz andere ist. . Die Länder Osteuropas sind mehr oder weniger große „ETs“ also „Economics in Transition“. Diese System-Transformation beinhaltet auch Privatisierungsprozesse in einem Umfang wie sie in anderen Ländern nicht stattfinden. das vorherige starke Wachstum resultiert auf Aufholprozessen, die zum Teil, falls es schon EU-Länder sind, durch hohe EU-Subventionen gefördert wird. In den Anfangsjahren mussten auch die Bildungssysteme völlig neu strukturiert werden und die Professoren mussten, was die GUS-Republiken betraf, auch erst einmal die eigene Landessprache anstelle von russischen lernen. Es war ein Neubeginn, dass alle Bereichen des Lebens umfasste.

Die Emerging Markets in Lateinamerika machen schon lange vor 1990 einen Entwicklungs- und Lernprozess durch. Asien hatte aus der Banken- und Finanzkrise aus dem Jahr 1998, das damals auch Osteuropa mit in den Abwärtssog zog, gelernt und sind jetzt global als solide finanzierte Wachstumsregion meines Erachtens am besten aufgestellt. Die Länder in Lateinamerika und Asien sind zudem wesentlich bevölkerungsreicher und sie haben auch nicht das demografische Zukunftsproblem, mit dem fast alle osteuropäischen Länder konfrontiert werden. Auf der anderen Seite sind die Fachkräfte in Osteuropa in vielen Bereichen sehr gut ausgebildet und es gibt, anders als in vielen Ländern Lateinamerikas, kein Analphabetentum. Leider wird Osteuropa trotz dieser großen Unterschiede immer in einen Topf mit den Emerging Markets sind Lateinamerika und Asien geschmissen.

Was das Wachstum angeht, so sind die süd- und zentralosteuropäischen Länder vor allem von dem Wachstum im EU-Raum abhängig, da die großen Unternehmen keine „Global Player“ sind und auch nicht werden können, sondern die Im- und Exporte sind zum großen Teil auf den europäischen Raum beschränkt. In normalen Zeiten, in den wir uns noch keinesfalls befinden, haben dann die Zentral- und osteuropäischen Länder ein wesentlich höheres Wachstum im Durchschnitt als die westeuropäischen Länder. Da aber das Wachstum in Europa nicht mehr als 2 Prozent ausmacht, erwarten ich auch bei den zentral- und südosteuropäischen Ländern kein so dynamisches Wachstum wie in Asien oder zum Teil auch in Lateinamerika.

Die wirtschaftliche Entwicklung fällt auch in der Region derzeit viel heterogener aus als früher. Worauf ist das zurückzuführen und wie beeinflusst das die Anlageentscheidungen?

Ebenso wie es ein Fehler ist, die Länder Osteuropas mit den Schwellenländern in Lateinamerika und Asien in einen Topf zu werfen, ist es ein Fehler Osteuropa als einheitliches, homogenes Gebilde zu sehen. Noch heute erlebe ich immer wieder in Interviews, dass der Begriff „Ostblock“ immer noch Verwendung findet, was Unfug ist. Schon zu Zeiten, wo der Begriff Ostblock aufgrund des Systemunterschied zum Westen oft auch aus Vereinfachungsgründe oft verwendet wurde, gab es große wirtschaftliche Entwicklungsunterschiede in Osteuropa, die nach der Öffnung des „eisernen Vorhangs“ noch offensichtlicher wurden.

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