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Devisenmarkt : Tschechische Krone findet langsam zu alter Stärke zurück

  • Aktualisiert am

Bild: TaiPan

Der Sturm an der osteuropäischen Währungsfront ist vorüber - zumindest vorerst. Angeführt wird die Erholung von der tschechischen Krone, die sich seit den im Frühjahr markierten Tiefs am stärksten erholt hat.

          Die durch die Kreditkrise verursachte Panik unter den Anlegern hat sich in den vergangenen Monaten etwas gelegt. Deutlich wird dies nicht nur an den wieder erholten Kursniveaus an den Börsen der Schwellenländer in Osteuropa sondern auch an den gestiegenen Notierungen der aus dieser Region stammenden Währungen.

          Praktisch alle Währungen aus Ost- und Zentralosteuropa haben sich wieder deutlich gelöst von den im Frühjahr markierten Tiefsständen. Angeführt wird die Erholungsbewegung dabei von der tschechischen Krone. Diese hat mit einer aktuellen Notiz von 25,86 Kronen gegenüber dem Euro seitdem um gut 12 Prozent zugelegt. Grob gesprochen die Hälfte der im Zeitraum von Juli 2008 bis Februar 2009 erlittenen Verluste sind damit wieder wettgemacht. Damals war die tschechische Landeswährung von 22,9680 Kronen bis auf 29,4805 Kronen abgesackt.

          Volkswirtschaftlicher Datenkranz relativ solide

          Beigetragen zu dieser Erholung haben die Stabilisierungstendenzen bei den weltweiten Konjunkturindikatoren sowie die wieder gesunkene Risikoaversion. Dies hat dabei geholfen, dass die Anleger die wirtschaftliche Ausgangslage Tschechiens wieder etwas realistischer beurteilen. Denn natürlich hat zwar auch die dortige Wirtschaft gelitten, zumal das Land stark abhängig ist von der weltweit angeschlagenen Automobilindustrie, aber unter dem Strich gestalten sich die Konjunkturzahlen immer noch robuster als in vielen anderen Staaten.

          So rechnet die Notenbank zwar mit einem Minus beim Bruttoinlandsprodukt von 2,4 Prozent, verglichen den Einbrüchen auch in vielen westeuropäischen Ländern ist das aber sogar noch solide. Und im kommenden Jahr wird aktuell sogar schon wieder mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent gerechnet. Die Verantwortlichen sind jedenfalls davon überzeugt, dass die konjunkturelle Talfahrt am Ende des laufenden Jahres auslaufen wird.

          Wie vergleichsweise solide man dasteht, zeigt sich auch daran, dass laut einem von der Notenbank durchgeführten Stresstest der tschechische Bankensektor selbst beim pessimistischsten Szenario einer breiten Palette von Risiken gewachsen und angemessen mit Eigenkapital ausgestattet ist. Im März lag die Eigenkapitalquote in der Branche bei 12,9 Prozent. Zudem konnten die Institute auch 2008 Gewinne vorweisen, sind nicht durch toxische Vermögenswerte belastet und leiden nicht unter einer Liquiditäts-Knappheit. Der tschechische Finanzsektor sei einer der widerstandsfähigsten in Europa. Er sei angesichts der umsichtigen Strategie in den vergangenen zehn Jahren gut gerüstet, mit potenziellen Risiken fertig zu werden, erklärte die Notenbank.

          Analysten erwarten Seitwärtstendenz - Charttechnischer Aufwärtstrend aber intakt

          Flankiert wird die vergleichsweise komfortable Ausgangslage von einem Leitzins, der im Mai auf ein Rekordtief von 1,5 Prozent gesenkt wurde. Und da sich die Inflationsrate zuletzt auf 1,3 Prozent ermäßigte, hat die Notenbank auch keine Veranlassung, kurzfristig die Zinsschraube wieder anzuziehen. Volkswirte können sich aktuell vielmehr noch einen weiteren kleinen Zinsschritt nach unten von 25 Basispunkten vorstellen, bevor der laufende Zinssenkungszyklus dann beendet wird.

          Das niedrige Zinsniveau stellt für die Krone derzeit auch deshalb kein Problem dar, weil die Euro-Leitzinsen mit einem Prozent sogar noch niedriger sind. Analysten sehen auch vor dem Zins-Hintergrund eine gewisse Pattsituation and rechnen in der Regel in den kommenden Monaten mit keinen großen Kurssprüngen bei der Währung. So sieht die österreichische Raiffeisen Zentralbank die Notiz gegenüber dem Euro Ende September bei 27 Krone und Ende Dezember bei 26 Kronen.

          Diese Prognose passt zu den jüngsten Kommentaren von Seiten der Notenbank. So hat deren Vertreterin Eva Zamrazilova erst jüngst gesagt, langfristig gesehen bewege sich die Krone ungefähr im Bereich der hausinternen Vorhersagen. Charttechnisch gesehen kann der tschechischen Landeswährung nach dem vorherigen Abwärtstrend aber derzeit ein intakter mittelfristiger Aufwärtstrend attestiert werden, was für eher noch etwas weiter steigende Notierungen spricht.

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