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Devisenmarkt : Tiefer Ölpreis - schwacher Rubel

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Bild: FAZ.NET

Der russische Rubel steht wieder unter Abwertungsdruck. Dafür ist der fallende Ölpreis ebenso verantwortlich wie die Zinssenkungen der Zentralbank. Angesichts der schwachen Wirtschaft habe Russland wenig Interesse an einer starken Währung, heißt es.

          Der russische Rubel zählt am Montag zu den schwächsten Währungen weltweit. Er verliert gegen den Yen 1,3 Prozent, gegen den Dollar 1,2 Prozent und gegen den Euro 1,1 Prozent. Er steht exemplarisch für einen Trend, der sich kurzfristig gegen die so genannten Rohstoffwährungen richtet: Am Devisenmarkt befinden sich am Montag auch die Kurse des südafrikanischen Rand, des Neuseeland-Dollars, sowie des australischen und des kanadischen Dollars ebenfalls in der Defensive.

          Mit dieser Beobachtung liegt die Vermutung auf der Hand, die Entwicklung der Wechselkurse dieser Staaten hänge mit der seit Tagen laufenden Korrektur an den Rohstoffmärkten zusammen. Tatsächlich liegt der Ölreis am Montag mit 59,40 Dollar je Fass der amerikanischen Sorte WTI mehr als 18 Prozent unter dem etwa vor vier Wochen markierten Zwischenhoch von 72,70 Dollar.

          Ölpreis hat Einfluss auf Russlands Wirtschaft und Finanzmärkte

          Der Vergleich der Entwicklung des Ölpreises mit dem Wechselkurs an sich legt einen Zusammenhang nahe. Das gilt zumindest für die Entwicklung des russischen Rubels im Vergleich mit dem amerikanischen Dollar. Immerhin geriet die Währung in den vergangenen Monaten genau in der Phase massiv unter Druck, in welcher die Kreditkrise ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte und in deren Rahmen die Rohstoffpreise nach dem vorhergehenden Höhenflug massiv korrigierten.

          Kurzfristig ist das wieder der Fall. Hatte sich der Rubel zwischenzeitlich aufgrund von Interventionen der Zentralbank stabilisieren und zusammen mit dem wieder nach oben laufenden Ölpreis sogar von seiner Schwäche erholen können, so steht er nun wieder unter Druck. Er ist neben anderen Rohstoffpreisen eine der wesentlichen Determinanten für die russische Wirtschaft, da sie wegen der schwachen industriellen Basis außerordentlich stark vom Rohstoffsektor abhängt.

          Die vergleichsweise tiefen Rohstoffpreise schwächen nun zusammen mit dem stark angeschlagenen russischen Finanzsektor - die Banken des Landes hatten sich in der Vergangenheit stark im Ausland refinanziert und spüren nun die Finanzkrise direkt und indirekt durch die schwache Binnenkonjunktur und durch fallende Immobilienpreise - die Wirtschaft des Landes. Die Regierung geht nach aktuellen Informationen davon aus, dass das Bruttoinlandsproduktes in der ersten Hälfte des laufenden Jahres um etwas zwölf Prozent schrumpfte. In der zweiten Jahreshälfte werde das Minus bei knapp sieben Prozent liegen, heißt es.

          Starke Währung nicht im Interesse des Landes

          Die Zentralbank des Landes hatte schon in der vergangenen Woche den Leitzins zum vierten Mal in vier Monaten um einen halben Prozentpunkt gesenkt auf zuletzt elf Prozent. Sie wolle die Wirtschaft des Landes durch günstige Kredite stimulieren, erklärte sie. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass weitere Zinssenkungen anstehen, sollte sich der Preisauftrieb im Lande weiter abschwächen. Im Juni war die Inflationsrate auf 11,9 Prozent gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten.

          Angesichts der schwachen konjunkturellen Entwicklung in Russland sei das Abwertungspotenzial der russischen Währung beachtlich, erklärt Natalia Orlova, die Chefökonomin der Alfa Bank. Nachdem die russische Zentralbank in den vergangenen Monaten mit Interventionen versucht hat, die Währung zu stabilisieren, liege eine starke Währung nun kaum im Interesse des Landes, erklärt sie. Die Interventionen haben die Währungsreserven des Russlands von knapp 600 auf bis zu 385 Milliarden Dollar schrumpfen lassen, bevor sie wieder leicht zulegten. Dieser Rückgang hatte zumindest vorübergehend zu Befürchtungen geführt, die Kreditwürdigkeit des Landes könnte herabgestuft werden.

          Insgesamt scheint das Abwertungspotenzial des Rubels im aktuellen Umfeld größer als das Erholungspotenzial zu sein.

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