https://www.faz.net/-gv6-112ap

Devisenmarkt : Schwaches Wachstum - schwacher Rubel

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Der russische Rubel steht wieder unter Abwertungsdruck. Dafür ist die schwache Wirtschaft ebenso verantwortlich wie es die Zinssenkungen der Zentralbank sind. Russland habe im aktuellen Umfeld wenig Interesse an einer starken Währung, heißt es.

          Der russische Rubel bleibt schwach. Konnte sich die russische Währung nach dem jüngsten Schwächeanfall vor einem Monat zwischenzeitlich etwas erholen, so befindet er sich am Dienstag wieder in der Defensive und verliert gegen den Dollar 1,15 Prozent auf 32,21 Rubel und gegen den Euro 1,25 Prozent auf 45,61 Rubel.

          Der Grund dafür lässt sich einfach ausmachen. Denn das Wirtschaftswachstum Russlands fiel im zweiten Quartal des laufenden Fiskaljahres nach vorläufigen Zahlen mit einem Minus von 10,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Vergleich mit dem Vorjahr noch schwächer aus als in den ersten drei Monaten. Von einer wirtschaftlichen Erholung kann in Russland nur bedingt die Rede sein, auch wenn das Wachstum im Vergleich mit dem ersten Quartal positiv war.

          Russland - weiterhin stark von Energie- und Rohstoffexporten abhängig

          Das stark von Energie- und Rohstoffexporten abhängige Land spürt weiterhin die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, die die Finanzierungsbedingungen für viele Unternehmen verschlechtert hat und die zusammen mit dem zwischenzeitlich stark gefallenen Ölpreis dazu geführt haben, dass der Exportwert des Landes von 47,3 Milliarden Dollar im Juli des vergangenen Jahres auf bis zu knapp 18 Milliarden Dollar im Januar des laufenden Jahres gefallen war.

          Zusammen mit dem inzwischen wieder anziehenden Ölpreis haben die Exporte von Öl, Gas und verschiedensten Rohstoffen bis Ende Juni zwar wieder zugenommen auf einen Wert von 24,5 Milliarden Dollar. Das ist allerdings nur die Hälfte des Niveaus des vergangenen Jahres. Die Industrieproduktion des Landes schrumpfte im Juni noch um 12,1 Prozent, während sie noch in der Vorperiode noch um etwas mehr als 17 Prozent nachgegeben hatte.

          Hatte der Energie- und Rohstoffboom der Vergangenheit zu einer vorteilhaften Finanzsituation, zu Auslandsinvestitionen, zu einem florierenden Binnenmarkt mit zunehmenden Arbeitsplätzen und steigenden Löhnen geführt, so hat sich diese positiv wirkende Spirale inzwischen ins negative Gegenteil verkehrt.

          Mit massiven Fiskalausgaben auf Pump - das Budgetdefizit im laufenden Jahr wird voraussichtlich bei mehr als neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen - im Wert von umgerechnet etwa 80 Milliarden Dollar sollen Autohersteller sowie Agrar- und Bauunternehmen ebenso gestützt werden wie Konsum und Investitionen durch Leitzinssenkungen. Die Zentralbank hat die Zinsen seit April schon um fünf Schritte nach unten gebracht auf zuletzt 10,75 Prozent und damit unter die Inflationsrate von zwölf Prozent.

          Wertet auch Russland kompetitiv ab?

          Allerdings sind die Banken angesichts der angeschlagenen Bilanzen und der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten nur bedingt in der Lage und willens, die Kreditvergabe zu dynamisieren. Der Internationale Währungsfonds befürchtet sogar, Arbeitslosigkeit und fallende Löhne würden zehn Prozent der bisherigen Mittelklasse oder etwas sechs Millionen Personen nach unten abrutschen lassen. Schon jetzt leben rund 25 Prozent der Bevölkerung auf einem Subsistenzniveau von umgerechnet 185 Dollar im Monat.

          Die Regierung nimmt wieder einmal wahr, wie stark die russische Wirtschaft auf den Energie- und Rohstoffbereich ausgerichtet ist und wie rasch der Binnenkonsum so gut wie weggebrochen ist. Sie rechnet damit, vier bis fünf Jahre zu benötigen, um das Wachstumsniveau des vergangenen Jahres wieder zu erreichen. Sie hat in der Vergangenheit zwar immer wieder darüber geredet, die Wirtschaftsstruktur des Landes in Richtung mehr Eigenständigkeit zu ändern. Dazu sollen solche Projekte wie die zusammen mit Magna geplante Operübernahme beitragen. Bisher ist man allerdings augenscheinlich noch nicht allzu weit gediehen.

          So ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, Russland käme eine schwäche Währung willkommen, um die Wirtschaft auch über diesen Wege zu stimulieren. Eine schwache Währung hilft der Exportindustrie und macht gleichzeitig Importe teurer. Allerdings wäre eine Politik dieser Art ein weiteres Indiz dafür, dass der Welthandel zunehmend unfairer wird. Zu viele Staaten weltweit versuchen, sich über schwache Währungen Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.