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Devisenmarkt : Baltikum-Krise bleibt eine Gefahr für die schwedische Krone

  • Aktualisiert am

Bild: Tai-Pan

Gemessen am Rekordtief vom März hat die Krone im Verhältnis zum Euro zwar zugelegt. Doch eine mögliche Abwertung im Baltikum lastet wegen der engen Verflechtungen wie ein Damoklesschwert über der schwedischen Währung.

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          Auf der Währungsseite dominierten in Osteuropa in den vergangenen Tagen Spekulationen um eine Abwertung des lettischen Lats das Geschehen. Aber auch in Skandinavien war dies zuletzt das beherrschende Thema.

          Ausführlich diskutiert wird diese Option vor allem in Schweden, ist das Land doch wirtschaftliche sehr stark in den drei baltischen Staaten engagiert. Über Jahre hinweg hatte sich das als Bonus erwiesen, doch nachdem Estland, Lettland und Litauen in eine schwere Depression abgerutscht sind, wird es mehr und mehr zu einem Bumerang.

          Das schnelle und auf Pump finanzierte Wirtschaftswachstum der drei jungen als „Tigerökonomien“ gefeierten Baltikum-Staaten hat sich in sein Gegenteil verkehrt: So erwartet Lettland für dieses Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaftskraft um 18 Prozent. Besonders heikel würde die Lage für Schweden dann, wenn im Zuge einer eventuellen Abwertung des Lats auch die estnische Krone und der litauische Litas abwerten sollten.

          Den Banken drohen erhebliche Kreditverluste

          Wie Ernst das Problem ist, zeigt sich daran, dass die Swedbank und die SEB Bank in der Region mehr als 366 Milliarden Kronen an Krediten vergeben haben. Eine Abwertung dürfte die Kreditverluste der Swedbank mit 16 Prozent ihrer Gesamtausleihen im Baltikum und der SEB mit 11 Prozent kräftig steigen lassen. Schließlich sind mehr als drei Viertel der Darlehen in Euro denominiert. Die schwedische Zentralbank schätzt die gesamten Kreditverluste bis 2011 im schlimmsten Fall einschließlich des Heimatmarktes auf maximal 350 Milliarden Kronen. Bleibt es dabei, würde Berechnungen zufolge die gesetzlich vorgeschriebene Kernkapitalquote von vier Prozent nicht unterschreiten werden. Allerdings gibt es auch Stimmen, die mit deutlichen höheren Kreditverlusten im Baltikum rechnen.

          Mit einem aktuellen Stand von 10,752 Kronen je Euro hat sich die schwedische Landeswährung gegenüber der europäischen Einheitswährung seit Anfang Juni zwar um rund 1,5 Prozent abgeschwächt. Aber gemessen an dem im März markierten Rekordtief von 11,73 Kronen je Euro hat der Kurs auch gestützt von einem weiterhin bestehenden Leistungsbilanzüberschuss sogar zugelegt. Angesichts der Gefahren zeigt sich die Notiz somit relativ stabil. Zumal die Krone auch noch verkraften muss, dass Notenbankvertreter in dieser Woche erneut Zinssenkungsspekulationen angefacht haben.

          Deflation schürt weitere Zinssenkungsphantasie

          Der Leitzins wurde am 21. April zwar bereits bis auf 0,5 Prozent zurückgeschleust, aber die Konsumentenpreise sind im Mai mit Minus 0,4 Prozent den zweiten Monat in Folge gefallen und lassen somit Spielraum nach unten. Zudem gilt es die schwache Wirtschaft (im ersten Quartal musste ein rekordhohes Minus von 6,5 Prozent hingenommen werden) wieder anzukurbeln. Aktuell befürchtet die Notenbank in diesem Jahr jedenfalls ein Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes um 4,5 Prozent. Gleichzeitig rechnet sie damit, dass die Preise im Schnitt um 0,3 Prozent fallen werden.

          Zahlen wie diese zeigen, dass es um die schwedische Wirtschaft derzeit nicht gut bestellt ist. Und wegen der Schwierigkeiten im Bankensektor ist bis auf Weiteres auch nur mit einer zögerlichen Neukreditvergabe zu rechnen. Ein schnelles und dynamisches Anspringen der Wirtschaft erscheint vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich. Und das wiederum dürfte auch das Erholungspotenzial der Krone begrenzen. Diese Einschätzung passt zur Prognose der Analysten von Goldman Sachs. Sie prognostizieren auf Sicht von drei Monaten einen Kurs von 10,80 Kronen, was praktisch dem aktuellen Niveau entsprechen würde.

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