https://www.faz.net/-gv6-140w2

Devisenmarkt : Abwertungsdruck auf lettischen Lat hält an

  • Aktualisiert am

Bild: HSBC Trinkaus

Um die im Zuge der Kreditkrise unter Druck geratenen Währungen in Osteuropa ist es wieder ruhiger geworden. Sorgen bereitet aber nach wie vor der Lat. Einige Experten sagen der lettischen Landeswährung eine Abwertung voraus.

          Als die Kreditkrise im Herbst 2008 bis März 2009 ihren Höhepunkt erreicht, übte die große Risikoaversion zusammen mit vielen volkswirtschaftlichen Schwachstellen auch großen Druck auf viele osteuropäische Währungen aus. Begleitet von der jüngsten Stabilisierung der Weltwirtschaft hat der Druck zuletzt aber nachgelassen. Viele Ostwährungen konnten sich dadurch zuletzt wieder etwas erholen.

          Alle Wackelkandidaten sind deswegen aber noch nicht endgültig aus dem Schneider. Kritisch gesehen wird vor allem der lettische Lat. Zurückzuführen ist das auf den schwachen volkswirtschaftlichen Datenkranz. Leidet das kleine baltische Land doch nicht nur unter der Kreditkrise, sondern es war schon zuvor wegen dem Platzen einer Kredit- und Immobilienblase unter Druck geraten. Wie schlimm es steht, zeigt sich alleine schon an dem Minus von 18,7 Prozent, um das das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal geschrumpft ist. Und für das Gesamtjahr sagt der Internationale Währungsfonds eine Schrumpfung von 17,4 Prozent voraus.

          Das Land steckt in einer Zwickmühle

          Wie wenig zutrauen die Marktakteure haben, lässt sich auch daran ablesen, dass jüngst für eine Auktion von Staatsanleihen über umgerechnet etwa 17 Millionen Dollar keine Gebote eingegangen sind. Fast zeitgleich hat die Europäische Union die Regierung erneut zu tiefen Kürzungen im Staatshaushalt gedrängt. Finanzminister Einars Repse warnte zudem, dass die Mittel bis Ende des Jahres versiegt seien, wenn Lettland seine Verpflichtungen zur Defizitkürzung nicht erfülle. Zur Erinnerung: Angesichts einer drohenden Zahlungsunfähigkeit hat Lettland Ende 2008 eine Kreditzusage der internationalen Geldgeber über 7,5 Milliarden Euro erhalten, die über drei Jahre hinweg ausgezahlt werden sollen. Bislang wurden 1,6 Milliarden überwiesen.

          Das Land steckt somit in einer Zwickmühle, aus der es nur schwer zu entrinnen ist. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich zuletzt vermehrt Experten zu Wort gemeldet haben, die eine Abwertung des fest an einen Währungskorb gekoppelten Lat vorhersagen. So rechnen die Analysten bei RBC Capital Markets und bei Barclays Capital mit einer Abwertung von mindestens 15 Prozent bis Ende 2010. Nur so sei es letztlich möglich, die Exporte anzukurbeln und die Lücke im Staatshaushalt, die sich in diesem Jahr auf 10 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt belaufen könnte, zu schließen. „Lettland könnte jederzeit die Währung abwerten, weil man sich einfach weitere Budgetkürzungen nicht mehr leisten kann“, meint Nigel Rendell von RBC. Er hält sogar eine Abwertung von 30 Prozent in den nächsten sechs Monaten für möglich. Auch der gefragte New York Professor Nouriel Roubini stuft das Risiko einer Abwertung im kommenden Jahr als hoch ein.

          Abwertung hat Vor- und Nachteile

          Allerdings hätte eine Abwertung auch etliche negative Folgen. Ein wichtiges Problem stellt insbesondere der mit 91 Prozent hohe Anteil an Krediten dar, die auf Euro lauten. Bei einer Abwertung des Lat dürfte deren Bedienung noch schwieriger werden und die Ausfallquote nach oben schnellen. Insbesondere im Unternehmenssektor würde laut Commerzbank eine Abwertung wohl unvermeidlich eine Welle von Insolvenzen auslösen. Noch schwieriger dürfte nach Einschätzung der Commerzbank bei einer Abwertung das Inflationsproblem werden. Die Preise dürften zunächst kräftig anziehen, da Importe teurer werden. Selbst wenn es sich um eine einmalige Neubewertung der Währung handelt, ist nicht auszuschließen, dass Sekundär- und Zweitrundeneffekte die Teuerung auch langfristig befeuern. Auf jeden Fall würden sich die durch die Abwertung erkämpften Wettbewerbsvorteile der lettischen Exporteure schnell wieder verflüchtigen. Die Entlastung wäre nur von kurzer Dauer. Rational wäre eine Aufhebung des Peg also immer noch nicht.

          Bei der Commerzbank kommt man deshalb zu dem Schluss, dass der vermeintlich härtere Weg einer Deflation und sinkender Löhne mittel- bis langfristig erfolgversprechender wäre. Gleichzeitig konstatieren aber auch die dortigen Experten deutlich gestiegene Abwertungsrisiken. Denn in dieser scharfen Krise sei für Politiker die Versuchung auf eine kurzfristige Entlastung durch einen Abwertungsschritt möglicherweise verlockend.

          Sollte es wirklich zu einer Abwertung kommen, bleibt abzuwarten, ob daraus dann Ansteckungseffekte auf andere osteuropäische Währungen resultieren. „Eine Abwertung in Lettland könnte vor allem das Vertrauen in andere Währungen mit einer Wechselkursbindung belasten“, befürchtet Roubini. Ländern wie Estland, Litauen und Bulgarien dürften deshalb am ängstlichen auf die Entwicklungen in Lettland schauen.

          Weitere Themen

          Fed am Wendepunkt

          Zinssenkung erwartet : Fed am Wendepunkt

          Alle rechnen heute Abend mit einer Zinssenkung der amerikanischen Notenbank. Mit Spannung erwarten sie die Lageeinschätzung des Präsidenten Jerome Powell. Der allerdings steht unter Druck – Trump wirft ihm Ahnungslosigkeit vor.

          Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.