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Branchen-Analyse : Osteuropäische Telekomaktien locken mit satter Rendite

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Bild: FAZ.NET

Auch mit den meisten Telekomaktien aus Osteuropa war in den vergangenen Jahren kein Staat zu machen. Für Dividendenjäger haben die Titel mit Dividendenrenditen von teilweise mehr als zehn Prozent aber nun einiges zu bieten.

          Wie die meisten gelisteten Branchenvertreter aus dem Westen haben auch die Aktien der osteuropäischen Telekomunternehmen ihren Aktionären in den vergangenen Jahren mehr Kummer als Freude bereitet. Denn in der Regel treten die Kurse im Zeitraum von drei Jahren entweder auf der Stelle oder sie sind sogar deutlich gefallen.

          Allerdings ist das wenig überraschend. Schließlich sind zum einen die meisten Aktienindizes in diesem Zeitraum ebenfalls gefallen. Zum anderen tun sich die Branchenvertreter schwer, kontinuierliches Wachstum zu generieren. Speziell im Festnetgeschäft sind die meisten Unternehmen im Osten zwar mit Abstand Marktführer und meistens halten sie auch beträchtliche Marktanteile im Mobilfunkgeschäft, aber die Margen stehen trotzdem unter Druck. Dieser Trend dürfte anhalten, da die Regulierer das Umfeld verschärfen.So werden die Mobilfunkbetreiber vermutlich bald eine Senkung der erhobenen Terminierungsentgelte für die Weiterleitung von Anrufen zwischen Mobilfunknetzen hinnehmen müssen.

          Kurs-Gewinn-Verhältnisse im Schnitt höher als im Westen

          Auch bewertungstechnisch spricht auf den ersten Blick nicht allzu viel für die osteuropäischen Telekomaktien. Denn basierend auf den Gewinnschätzungen der österreichischen Erste Bank weisen die hausintern beobachteten Werte wie die ungarische Magyar Telekom, die kroatische T-Hrvatski Telekom, die tschechische Telefónica O2 CR, die slowenische Telekom Slovenije und die polnische TPSA im Schnitt sogar höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse als ihre Pendants in Westeuropa auf. Optisch gesehen sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse für das Geschäftsjahr 2010 mit durchschnittlich 13 zwar nicht sehr hoch, aber die großen westeuropäischen Telekomkonzerne kommen eben auf ein noch tiefere Relationen von im Schnitt rund zehn.

          Allerdings wird das Ergebnis etwas verzerrt durch die Tatsache, dass die Telekom Slovenije mit 16 ein sehr hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweist. T-Hrvatski Telekom weiß dagegen in dieser Hinsicht zu überzeugen. Bringen die Kroaten doch nur ein sehr moderates Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund acht auf die Waagschale. Doch das ist noch nicht alles. Der Titel glänzt zudem mit einer hohen Dividendenrendite. Von den Analysten der Erste Bank wird diese zumindest auf etwa 12,5 Prozent taxiert. Schon wenn der Aktienkurs in den kommenden Jahren nur seitwärts laufen sollte (die Erste Bank beziffert den fairen Wert auf 30 Prozent über der aktuellen Notiz) und die Dividende konstant in dieser Höhe gezahlt würde, wäre das für viele Investoren sicherlich ein attraktives Endergebnis.

          Litauische TEO ist der Dividendenprimus

          Auf der Dividendenschiene wissen aber auch fast alle anderen osteuropäischen Telekomaktien (nur die Telekom Slovenije fällt auch bei diesem Vergleich mit einer Rendite von unter fünf Prozent wieder etwas ab) zu überzeugen. Zumindest veranschlagt die Erste Bank auch bei Telefónica O2 CR, TPSA und Magyar Telekom die Dividendenrenditen auf immerhin rund zehn Prozent oder sogar etwas mehr.

          Am allerbesten schneidet im Bewertungsvergleich allerdings mit der litauischen TEO (Isin US88074Q2075) eine Aktie ab, die von der Erste Bank nicht aktiv verfolgt wird. Dieser Wert hat, wie erst vor wenigen Tagen gemeldet, trotz der Krise im Baltikum seinen Nettogewinn bei einem weitgehend unveränderten Umsatz im zweiten Quartal von 44,1 auf 48,4 Millionen Litas gesteigert. Die Analysten bei der Swedbank schätzen das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2010 auf 6,3 und die Dividendenrendite sehen sie bei fast 17 Prozent, was sehr stattlich ist. Vermutlich auch wegen der Wirtschaftskrise im Baltikum hat dieser Titel seit Anfang 2007 dennoch einen kontinuierlichen Abstieg hingelegt. Doch dank der aufgezeigten Bewertungsvorzüge sollte der Ausverkauf nun wirklich langsam ausgestanden sein.

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