https://www.faz.net/-gv6-qbfa

Anleihemarkt : Ungarn plaziert neue Euro-Anleihe

  • Aktualisiert am

Bild: WGZ Bank

Erstmals seit der IWF-Nothilfe im Vorjahr hat Ungarn eine Fremdwährungsanleihe plaziert. Die fünfjährige Staatsanleihe im Volumen von einer Milliarde Euro war um das 2,9-fache überzeichnet.

          Erstmals seit der Nothilfe durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) im Vorjahr hat Ungarn eine Fremdwährungsanleihe plaziert. Nach Angaben von Laszlo Buzas, dem stellvertretenden Leiter der staatlichen Schuldenverwaltung in Budapest, war die fünfjährige Staatsanleihe (ISIN: XS0441511200, Prozent, Laufzeitende: 28.07.2014) im Volumen von einer Milliarde Euro um das 2,9-fache überzeichnet. Die Mittel sollen, wie es von offizieller Seite hieß, zur Deckung des generellen Finanzbedarfs verwendet werden.

          Die Emission ist erwähnenswert, weil Ungarn im Vorjahr das erste Land in der Europäischen Union war, dem der IWF zu Hilfe kam. Insgesamt erhielt Ungarn Gelder im Umfang von 20 Milliarden, um die Refinanzierung von Fremdwährungskrediten (deren Anteil war im Privatsektor bis Ende 2008 auf rund 70 Prozent gestiegen) angesichts der Kursverluste beim Forint zu gewährleisten. Im Gegenzug verpflichtete sich Premierminister Gordon Bajnai, die Staatsausgaben binnen zwei Jahren um 1,3 Billionen Forint (4,7 Milliarden Euro) zusammenzustreichen und die Steuern zu erhöhen.

          Volkswirtschaftliches Umfeld nach wie vor schwierig

          In den vergangenen Monaten hat sich der Forint zum Euro deutlich erholt: Nach einem Rekordtief bei 317,22 Forint je Euro notierte der Forint am Freitag bei 273,65 Forint je Euro. Auch die Absicherungskosten für Zahlungsausfälle auf ungarische Staatsanleihen haben sich seit März fast halbiert. Musste im März für entsprechende Kreditausfallswaps ein Aufschlag von 638 Basispunkten bezahlt werden, sank dieser Wert mit Stand vom Donnerstag auf 330 Basispunkte.

          Die Ratingagenturen versehen Ungarn-Bonds mit dem Gütesiegel Anlagequalität, sind allerdings vorsichtig: Standard & Poor's bewertet die Bonität Ungarns mit BBB-, die niedrigste Stufe für Bonds mit Anlagequalität und versieht Ungarn mit einem negativen Ausblick. Etwas besser ist die Einstufung bei den Konkurrenten Moody's Investors Service und Fitch: Beide klassifizieren Ungarn zwei Stufen über Anleihen mit Ramsch-Status.

          Neben der allgemein wieder gestiegenen Risikoneigung der Investoren sind die gesunkenen Risikoaufschläge auch auf den eingeleiteten Sparkurs zurückzuführen. Beschlossen wurden in dieser Hinsicht bisher eine Mehrwertsteuererhöhung (von 20 auf 25 Prozent, gültig ab Juli), wichtige Veränderungen beim Pensionssystem (Abschaffung der 13. Monatszahlung) und die Reduktion von Subventionen.

          Laut WGZ Bank darf aber dennoch nicht außer Acht gelassen werden, dass die bestehenden Herausforderungen weiterhin erheblich sind. So zeigt sich das makroökonomische Bild Ungarns sehr trübe: Die Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal dieses Jahres um 6,7 Prozent und auch für das Gesamtjahr wird ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,7 Prozent erwartet. Für das nächste Jahr ist demnach ebenfalls noch nicht mit einem Wachstum zu rechnen, die Prognosen liegen zwischen -0,5 bis -1 Prozent.

          WGZ Bank rät als Depotbeimischung zum Kauf

          Noch keine wirkliche Stütze im Kampf gegen die Rezession ist bisher die Geldpolitik. Seit Januar wurde der Leitzins von 9,5 Prozent, auch weil man es sich wegen der vielen Schwierigkeiten einfach nicht leisten konnte, nicht mehr gesenkt. Allerdings ist auch nach Einschätzung der WGZ Bank bei der am Ende des Monats anstehenden nächsten turnusmäßigen Sitzung der Zentralbank dank des gestiegenen Investorenvertrauens und des wieder etwas stärkeren und weniger volatilen Forints eine Zinssenkung um 50 Basispunkte denkbar. Auch die Inflationsrate, die vermutlich unter drei Prozent verharren dürfte, würde dem nicht entgegen stehen.

          Zu denken geben allerdings noch immer die Verschuldungskennzahlen. Die Staatsverschuldung ist auf mehr als 80 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt zu taxieren und die Auslandsverschuldung auf mehr als 120 Prozent. Das mag mit einer der Gründe sein, warum etwa die Analysten bei Capital Economics Ungarn noch immer als den kranken Mann Zentralosteuropas bezeichnen.

          Bei der WGZ Bank ist man sich der vielen Schwierigkeiten zwar ebenfalls bewusst, doch glauben die dortigen Analysten, dass die negativen Faktoren bereits eingepreist sein dürften. Wer dies ähnlich sieht, der sollte sich nach dem Rat der WGZ Bank primär die neue Anleihe ansehen. Denn bei der Emission lag der Spread bei 395 Basispunkten über dem Swapsatz. Damit liegt der Risikoaufschlag des neuen Papiers deutlich über dem der bestehenden Anleihen.

          Gleichzeitig wird aber warnend darauf hingewiesen, dass interessierte Anleger vorsichtig agieren sollen und nur kleine Volumina zur Depotbeimischung in Frage kommen. Auch ein Abrutschen der Kreditwürdigkeit in den Non Investment Grade Bereich könne nicht ausgeschlossen werden und sollte deshalb bei einer Anlageentscheidung beachtet werden. Kritisch wäre es zudem, wenn es zu vorgezogenen Neuwahlen käme, weil dann wieder Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Richtung der Haushaltspolitik aufkeimen könnten. Doch gerade dieses Thema ist laut WGZ Bank für das Investorenvertrauen entscheidend. Vor einer weiteren Belastungsrunde dürfte ungarische Anleihen auch im Falle einer Rückkehr der globalen Risikoaversion stehen.

          Weitere Themen

          Euroboden zum dritten

          Hochzinsanleihen : Euroboden zum dritten

          Der im gehobenen Wohnsegment aktive Projektentwickler und Bauträger Euroboden kommt am Montag mit einer neuen Anleihe auf den Markt. Allem Anschein nach ist die Nachfrage gut.

          Topmeldungen

          Die Talkrunde zum Thema Klimapolitik bei Frank Plasberg

          TV-Kritik: Hart aber fair : Die Realität der Zwickmühle

          Die Klimapolitik ist so verzwickt, dass es den üblichen Verdächtigen kaum noch gelingt, Einsicht in das Notwendige oder gar Verhaltensänderungen zu erreichen. Tatsächlich sehen einige das Format der Talkshow als Pranger für üble Phantasien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.