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Aktienmarkt Kroatien : Es fehlt an einem Kurskatalysator

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Bild: FAZ.NET

Eine hohe Risikoaversion der Anleger zusammen mit volkswirtschaftlichen Schwachstellen hat am Aktienmarkt in Zagreb einen Ausverkauf bewirkt. Die Hoffnungen ruhen auf Fortschritte beim EU-Beitritt, doch auch hier läuft nicht alles reibungslos.

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          Wie praktisch alle Börsen in Südosteuropa ist auch der kroatische Aktienmarkt massiv unter die Räder gekommen. Nach einer in den Jahren zuvor gesehenen Hausse musste der Crobex-Index 2008 einen Verlust von gut 67 Prozent hinnehmen. Und auch in diesem Jahr steht beim aktuellen Kursniveau von 1.678 Punkten ein kleines Minus zu Buche.

          Ablesen lässt sich die zuletzt schwache Entwicklung auch am S-BOX Kroatien Kursindex (Isin: DE000A0MEMQ6), der die Kursentwicklung der zehn größten kroatischen Unternehmen abbildet. Dieser hat seit der Auflage am 22. Februar 2007 mehr als 61 Prozent an Wert verloren.

          Die Börse in Zagreb leidet zum einen unter der Kreditkrise, die bekanntlich dazu geführt hat, dass sich die sehr risikoavers gewordenen Anleger aus kleinen Märkten zurückgezogen haben. Und als klein muss der lokale Aktienmarkt bei einer derzeitigen Marktkapitalisierung von weniger als 24 Milliarden Euro einfach eingestuft werden. Zum anderen waren die Kurse während der vorhergegangenen Hausse einfach über das fundamental vertretbare Maß hinaus gestiegen.

          Inzwischen hat sich das zwar deutlich relativiert, aber die im S-BOX Kroatien Kursindex enthaltenen Werte kommen auch jetzt noch immer auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von im Schnitt zwölf. Historisch gesehen ist das zwar niedrig, verglichen mit anderen Emerging-Markets, auch in der Region, ist das aber eher noch hoch.

          Volkswirtschaftliche Schwachstellen

          Volkswirtschaftlich gesehen ging der Crash des Vorjahres einher mit einer deutlichen Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik. Endgültige Zahlen für 2008 liegen zwar noch nicht vor, aber bereits im dritten Quartal hatte sich das Wirtschaftswachstum auf 1,6 Prozent von 3,4 Prozent im Vorquartal abgeschwächt.

          Die Notenbank hat im Dezember ihre Wachstumsprognose für 2009 von zwei auf ein Prozent halbiert. Doch selbst das könnte sich als noch zu optimistisch erweisen. Volkswirte befürchten im Schnitt jedenfalls eine Kontraktion um 0,5 Prozentpunkte und laut dem Economic Institute Zagreb befindet sich das Land erstmals seit zehn Jahren bereits jetzt in einer Rezession.

          Als Bürde erweist sich neben dem hohen Leistungsbilanzdefizit von im Vorjahr vermutlich mehr als zehn Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt auch die hohe Verschuldung im Ausland. Dieser Posten wird von Raiffeisen Research auf mehr als 36 Milliarden Euro beziffert, was rund 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Selbst der kroatische Präsident hat sich bereits offiziell die Frage gestellt, wie die in diesem Jahr fälligen Tilgungsverpflichtungen von elf Milliarden Euro gestemmt werden können. Auch vor diesem Hintergrund ist es nicht auszuschließen, dass Kroatien nicht doch noch auf Hilfe vom Internationalen Währungsfonds angewiesen sein wird.

          Hoffen auf Fortschritte bei EU-Beitritt

          Auf der Suche nach größerer Stabilität ruhen die Hoffnungen auf einem baldigen EU-Beitritt. Allerdings gibt es auch bei diesem Vorhaben derzeit noch Hürden zu überwinden. Die höchste davon ist neben den Themen Korruption und organisierte Kriminalität derzeit ein mit Slowenien ausgetragener Grenzstreit, bei dem es um kleine Teile der Landgrenzen und vor allem um den Verlauf der Seegrenze in der Bucht von Piran geht, und wegen dem der Nachbar Kroatien vor einer Totalblockade des angestrebten EU-Beitritts warnt. Wird hier keine Lösung gefunden, könnte der planmäßig für dieses Jahr erhoffte Abschluss der EU-Beitrittsverhandlungen gefährdet sein. Und in diesem Fall würde dann auch aus dem 2011 erhofften endgültigen EU-Beitritt nichts werden.

          Nur eine positive Entwicklung beim geplanten EU-Beitritt konnte so etwas wie ein Kurskatalysator werden, welcher der kroatischen Börse hilft, in diesem Jahr eine bessere Performance als die anderen Märkte in Südosteuropa einzufahren. Dann könnte der Crobex dank der damit verbundenen Konvergenzphantasie vielleicht sogar positiv überraschen.

          Fällt dieser Antriebsfaktor aber weg, dürfte sich der Crobex weitgehend im Gleichschritt mit den anderen lokalen Börsen entwickeln. Und ob deren Bilanz 2009 positiv oder negativ ausfallen wird, hängt primär nicht von internen sondern externen Faktoren wie der allgemeinen Risikobereitschaft der Investoren ab. Weil sich derzeit noch nicht absehbar ist, welcher neue Trend sich etablieren wird, scheint momentan nicht die richtige Zeit zu sein, mit einem der existierenden Zertifikate auf einen fallenden oder steigenden Crobex zu wetten.

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