https://www.faz.net/-gv6-13jcl

Aktienmarkt-Analyse : Der ungarische Bux-Index vollendet die Kursverdoppelung

  • Aktualisiert am

Die Hitzewelle ist nicht Ungarns einziges Problem Bild: dpa

Mit einem Kursfeuerwerk reagiert der ungarische Aktienmarkt am Montag auf eine weitere Zinssenkung. Insgesamt hat sich der Leitindex Bux damit seit dem Märztief mehr als verdoppelt.

          Ungarns Notenbank hat ihren Leitzins am Montag weiter gelockert. Der zweiwöchige Einlagensatz für Geschäftsbanken wurde um 50 Basispunkte auf 8 Prozent und damit den tiefsten Stand seit 17 Monaten verringert. An den Finanzmärkten war diese Entscheidung zwar allgemein erwartet worden. Dennoch fiel die Reaktion am Aktienmarkt auf diese Entscheidung regelrecht euphorisch aus.

          Der Leitindex legte gleich um 6,61 Prozent auf 19.416,66 Punkte zu und der Aktienkurs der Bank OTP, die als Profiteur fallender Zinsen gilt, kletterte sogar um fast 10 Prozent auf 4.999 Forint. Durch das fulminante Tagesplus hat sich der Bux nun gemessen an dem am 12. März markierten Tief von 9.461 Punkten inzwischen mehr als verdoppelt. Das ist eine beeindruckende Leistung, auch wenn natürlich nicht vergessen werden darf, dass der Bux im Juli 2000 beim damals markierten Rekordhoch noch bei 30.118 Punkten notierte, bevor er anschließend auch im Zuge der Kreditkrise abstürzte.

          Zinssenkungsprozess treibt die Kurse mit an

          Wenn man zudem noch bedenkt, dass Ungarn das erste Land der Europäischen Union war, das vergangenes Jahr im Ausland um Hilfe bitten und Kredite von 20 Milliarden Euro aufnehmen musste, da ihm die Zahlungsunfähigkeit drohte, dann ist das Ausmaß der eingetretenen Kurserholung umso erstaunlicher. Zumal die Regierung wegen der klammen Staatskasse sparen muss und nicht so stark wie in anderen Ländern in der Lage ist, die Wirtschaft anzukurbeln. Auch deshalb rechnet die Zentralbank damit, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 6,7 Prozent schrumpfen wird und auch im nächsten Jahr noch einem Rückgang von 0,9 Prozent hinnehmen muss.

          Die Kursverdoppelung am Aktienmarkt basiert folglich primär auf der Hoffnung, dass das Schlimmste ausgestanden ist und das in der vorangegangenen Baisse nach unten übertrieben wurde. Genährt wird diese Hoffnung durch den zum Wochenauftakt bestätigten Zinssenkungsprozess. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hatte die Notenbank am 23. Oktober 2008 den Leitzins in einer Notfalloperation noch um 300 Basispunkte auf 11,50 Prozent erhöht, um einen Absturz der Landeswährung zu verhindern. Doch anschließend wurde der Schlüsselzinssatz in mehreren Schritten wieder zurückgenommen, zuletzt im Juli 2009 um 100 Basispunkte. Und Volkswirte rechnen allgemein in den kommenden Monaten mit weiteren Zinssenkungen. Die Commerzbank etwa veranschlagt das Zinsniveau am Jahresende auf 6,5 bis 7,0 Prozent.

          Bewertungsniveau noch vertretbar

          Stimmt diese Prognose, wäre dies zusammen mit einer weiter steigenden Risikobereitschaft unter den Anlegern natürlich ein guter Nährboden für weitere Kursgewinne. Insbesondere dann, wenn sich die Landeswährung Forint trotz der Zinssenkungen ähnlich fest präsentieren sollte wie zuletzt. Zumal sich der Bux charttechnisch gesehen längst wieder in einem mittelfristigen Aufwärtstrend bewegt und auch die Bewertungen noch nicht übertrieben hoch erscheinen. Zumindest wenn es nach den Berechnungen der österreichischen Raiffeisen Zentralbank geht. Demnach ist das Markt-KGV für 2010 auf rund 11 zu beziffern, wobei nach einem in diesem Jahr erwarteten Gewinnrückgang von 40,7 Prozent für das kommende Jahr ein Gewinnplus von 22,4 Prozent unterstellt wird.

          Auch wenn sich die Lage am ungarischen Aktienmarkt derzeit positiv darstellt, sollten die Risiken trotzdem nicht vergessen werden. Die Staats- als auch die Auslandsverschuldung wirken, wie auch die Analysten der WGZ Bank zu bedenken geben, mit prognostizierten Werten von über 80 und 120 Prozent deutlich belastend und dürften das Land mittel- bis langfristig noch vor Probleme stellen. Diese Rahmendaten führen auch dazu, dass Ungarn sehr stark von der allgemeinen Stimmungslage unter den Investoren abhängig ist. Sollte das Sentiment demnächst zur Abwechslung wieder einmal nach unten drehen, dürfte bei ungarischen Assets auch schnell wieder auf den Exit-Kurs gedrückt werden. Anleger sollten diese Gefahr im Hinterkopf behalten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die saudische Ölraffinerie in Abqaiq nach dem Anschlag

          Attacken auf Ölanlagen : Der Krieg, in den Trump nicht ziehen will

          Der amerikanische Präsident bleibt nach den Attacken auf saudische Erdölanlagen zögerlich. Einen Schlag gegen Iran scheut Trump – und überlässt die Entscheidung über das weitere Vorgehen Riad.
          Oftmals dauert die Diagnostik im Krankenhaus im Falle einer Sepsis zu lange – was zum Tod des Patienten führen kann. (Symbolbild)

          Tödliche Infektion : Ein Kampf um jede Stunde

          An einer Sepsis sterben jedes Jahr zehntausende Menschen. Fachleute kritisieren, dass es in Deutschland noch keine nationale Strategie gibt, um mehr Menschen retten zu können.
          Bayern, nicht Boston: Der sogenannte Additive Campus von GE in Lichtenfels.

          Von Deutschland aus : General Electric macht im 3D-Druck Tempo

          Trotz Krise hält der Industriekonzern aus Amerika an der Zukunftstechnologie fest und eröffnet eine neue Fertigung – im bayerischen Lichtenfels. Dabei war die allgemeine Begeisterung schon größer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.