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Krise : Wer zahlt für Europas Schulden?

Einer muss die Last tragen. Im Bild sitzt eine Frauenfigur auf dem Brunnen am Frankfurter Willy-Brandt-Platz. Bild: Röth, Frank

Griechenland, Irland, Spanien: In der Schuldenkrise bekommen Staaten immer wieder neue Kredite. Jetzt wird diskutiert, ob die Europäische Zentralbank Kredit geben soll. Doch davon verschwinden die Schulden nicht. Letztlich wird jemand sie bezahlen. Wen könnte es treffen? Ein Überblick.

          Die entscheidende Frage ist, welchen Weg die Staaten aus den Schulden suchen. Die Varianten, die derzeit im Gespräch sind, würden vor allem die folgenden Gruppen treffen:

          Die deutschen Steuerzahler

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Sie sind vor allem betroffen, wenn die Schulden vergemeinschaftet werden - zum Beispiel über Eurobonds - oder wenn Deutschland zu viel Rettungsgeld in den EFSF und ESM pumpt. Das trifft den Staatshaushalt spätestens dann, wenn die Bundesregierung höhere Zinsen zahlen muss. Oder wenn ein verschuldeter Staat in die Insolvenz geht und Deutschland sein geliehenes Geld verliert. Heute schon sind die öffentlichen Hände der größte Gläubiger Griechenlands.

          Im Fall einer Pleite käme auf den deutschen Staat sogar ein Teil der Schulden zu, den eigentlich andere Leute tragen – zum Beispiel die Banken. Weil sie als „systemrelevant“ gelten, sind sie in der Vergangenheit häufig von den Staaten gerettet worden. Wenn sie nicht schon dem Staat gehören. Die Commerzbank, die wegen ihrer Griechenland-Anleihen etwa 2,2 Milliarden Euro abschreiben musste, ist noch zu 25 Prozent im Eigentum der Bundesrepublik. Auch die verstaatlichte Bad Bank der HRE hatte mit griechischen Staatsanleihen 2011 rund 8,9 Milliarden Euro verloren. Letztendlich kommen damit die Schulden wieder bei den Steuerzahlern an.

          Die reichen Deutschen

          Es ist nicht gesagt, dass die Belastungen im Staatshaushalt von allen Steuerzahlern getragen werden. Viele wollen, dass in diesem Fall die Reichen mehr bezahlen sollen. Doch häufig gelten dabei viele Leute als „reich“, die das von sich selbst gar nicht denken. Ein möglicher Weg wäre eine Zwangsanleihe, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kürzlich gefordert hat. Hierbei sollen Bürger mit einem Vermögen von über 250.000 Euro dazu verpflichtet werden, deutsche Staatsanleihen zu kaufen. Etwa 230 Milliarden Euro könnte sich Deutschland von seinen unfreiwilligen Gläubigern auf diese Weise leihen, haben Experten errechnet.

          Übrigens: Wer sein Vermögen hauptsächlich in Immobilien und Aktien hat, kommt bei einer Inflation trotzdem nicht zwangsläufig davon. Historisch stand am Ende einer großen Inflationsphase oft ein so genannter „Lastenausgleich“, bei dem die weniger betroffenen Besitzer von Realwerten hoch besteuert wurden.

          Die reichen Spanier und Italiener

          Anstatt spanische oder italienische Schulden durch deutsche Zwangsanleihen subventionieren zu lassen, könnten Spanien und Italien auch in die Taschen ihrer eigenen reichen Staatsbürger greifen. Denn deren Vermögen ist recht groß. Einerseits hat der italienische Staat momentan Schulden von 1960 Milliarden Euro, andererseits verfügen die Italiener über ein Privatvermögen von 3737 Milliarden Euro – der ein oder andere Euro ließe sich also abzwacken. Ähnlich sieht es in Spanien aus: Hier steht einem Schuldenberg von 775 Milliarden Euro ein privates Vermögen von 1857 Milliarden Euro gegenüber.

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