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Sparkassen wappnen sich : Krise der Nord LB spitzt sich zu

Die Zentrale der Nord LB in Hannover Bild: dpa

Die Sparkassen sind nervös: Während sich die Gespräche mit drei Finanzinvestoren über einen Einstieg bei der Norddeutschen Landesbank hinziehen, droht diese zum Stützungsfall für den Haftungsfonds zu werden.

          In der Sparkassen-Finanzgruppe herrscht nervöse Spannung, wenn es um die Lage der Norddeutschen Landesbank geht. Einige Funktionäre halten sich schon Sonntage im Februar von Terminen frei - sie rechnen zu diesem Zeitpunkt mit Krisensitzungen rechnen. Denn die Situation der Norddeutschen Landesbank in Hannover spitzt sich zu.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Derzeit verhandeln die Nord LB und ihre Träger, allen voran das Land Niedersachsen, mit bis zu drei Finanzinvestoren über eine Beteiligung. Cerberus, Centerbridge und Apollo aber gelten als kühle Rechner - und die Zeit läuft für sie. Die Bankenaufsicht drängt, die NordLB muss im ersten Quartal eine Kapitallücke von dem Vernehmen nach mindestens 3,5 Milliarden Euro füllen.

          Wird die NordLB zum Stützungsfall?

          Die EU-Kommission verlangt, dass ein Teil der Kapitalzufuhr in das öffentlich-rechtliche Institut von neuen Eignern kommt. Die Commerzbank hat abgewunken, auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat sich zurückgezogen. Nur noch die drei Finanzinvestoren sind im Rennen. Wer am Ende auch immer die Nase vorn hat: Sie werden wohl ihre Angebote an die Bedingung knüpfen, dass die Alteigner Bilanzrisiken der Nord LB abschirmen, etwa einen Teil der faulen Schiffskredite von zuletzt rund 7,3 Milliarden Euro. Sprich: Sie sollen für den Fall Garantien übernehmen, dass die Kredite platzen.

          Dafür muss sich die ganze deutsche Sparkassen-Finanzgruppe wappnen. Denn die Nord LB ist die viertgrößte deutsche Landesbank. Eine volle Risikoabschirmung wäre dort kaum ohne den Griff in die Haftungsfonds der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe zu leisten. Wird die NordLB also zum Stützungsfall?

          Buchwert der Beteiligungen bei null?

          Die Bank komplett untergehen zu lassen, scheint keine Option, denn gerade die Sparkassen im Nordosten haben in der Nord LB viele Geld angelegt. Denn ihre Einlagen sind höher als die Kredite, die sie vergeben können. Unterdessen reagieren die niedersächsischen Sparkassen, denen gut 26 Prozent der Landesbank gehören, offenbar auf schlechte Aussichten der Nord LB.

          Wie die „Börsen-Zeitung“ berichtet, wollen sie den Buchwert ihrer über den Sparkassenverband Niedersachsen gehaltenen Anteile in den Abschlüssen für das Jahr 2018 auf null abschreiben. Für die Institute bedeutet das eine hohe Belastung. Denn es geht offenbar um mehr als 400 Millionen Euro.

          Angst vor mehr Aufsicht

          Zwar dürften die Verluste nur bedingt in den Bilanzen sichtbar werden, denn sie könnten mit versteuerten stillen Reserven verrechnet werden, heißt es. Trotzdem geht offenbar die Angst um, dass einige Sparkassen anschließend unter eine stärkere Aufsicht des Regionalverbands gestellt werden oder Zusammenschlüsse prüfen müssen. Der Sparkassenverband Niedersachsen will sich dazu nicht äußern.

          Auch das Finanzministerium in Hannover will zur Bilanzierung einzelner Träger keine Stellung nehmen. „Das Land Niedersachsen und die Nord LB befinden sich derzeit in Gesprächen mit potentiellen Investoren und prüfen deren Angebote“, sagte ein Sprecher. Diese Verhandlungen liefen wie geplant. In einem der nächsten Schritte werde zu entscheiden sein, „mit welchem Anbieter man in die finalen Gespräche tritt, um zügig zu einem Ergebnis zu gelangen.“

          Zwar betonte er, dass das Land zuversichtlich sei, „sehr zeitnah“ eine Lösung präsentieren zu können. Das zuletzt verbreitete Ziel von Ende Januar wiederholte er aber nicht. Auch in Kreisen der Bank wurde nicht ausgeschlossen, dass es noch bis Februar dauert.

          Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) hatte im Dezember betont, dass es für Investoren zunächst nur um eine Minderheitsbeteiligung geht. Parallel wird über zwei Pakete aus faulen Schiffskrediten im Umfang von 6,5 Milliarden Euro verhandelt, die aus der Bank herausgelöst werden sollen. Damit wären die Risiken der Schiffsfinanzierung aber noch nicht komplett beseitigt. Zudem könnten Investoren auch für andere Geschäfte der NordLB mehr Sicherheiten verlangen.

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