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Krim-Krise : Europas Börsen auf Talfahrt

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Die russische Börse ist am Montag wegen der Krim-Krise in den Keller gestürzt. Bild: dpa

Die Krim-Krise hat Europas Börsen auf Talfahrt geschickt. Der deutsche Dax verlor zeitweise fast 3 Prozent, schwächster Wert im Leitindex ist Thyssen-Krupp.

          Sorgen um eine Eskalation in der Ukraine haben den deutschen Aktienmarkt und auch die Börsen in ganz Europa am Montag kräftig belastet. Zuletzt verlor der Dax 2,9 Prozent auf 9410,9 Punkte, nachdem er im frühen Handel mit einem Abschlag von mehr als 2,6 Prozent eröffnet hatte. Zuletzt war es im Januar an einem einzigen Tag so deutlich abwärts gegangen. Der breite F.A.Z.-Index verlor zur gleichen Zeit ebenfalls 1,9 Prozent auf 1975,9 Punkte. Für den Euro Stoxx 50  als Leitindex der Eurozone ging es um 2,7 Prozent auf 3064 Punkte abwärts.

          Die russische Börse ist entsprechend wegen der Krim-Krise in den Keller gestürzt .Die beiden Moskauer Aktienindizes Micex und RTS beschleunigten ihre Talfahrt und fielen am Morgen zeitweise um jeweils etwa zehn Prozent. Letzterer lag auf einem Viereinhalb-Jahres-Tief von 1129,47 Punkten. Der Rubel stürzte auf ein historisches Tief gegenüber Euro und Dollar. Ein Euro kostete erstmals mehr als 50 Rubel.

          „Die Anleger reagieren risikoscheu“

          Die Papiere des Gasförderers Gazprom fielen um bis zu zwölf Prozent auf ein Siebeneinhalb-Monats-Tief von 122,57 Rubel. Das ist der größte Tagesverlust seit den Turbulenzen nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Die Papiere der Sberbank, Russlands größtem Geldinstitut, brachen ebenfalls um rund zwölf Prozent ein und waren mit 80 Rubel so billig wie zuletzt im Juni 2012. Die Titel des Konkurrenten VTB büßten sogar 13 Prozent ein. Sie kosteten mit 0,04 Rubel so wenig wie zuletzt im Juli 2009.

          Um die Schockwellen für die Wirtschaft zu bremsen, hob die russische Zentralbank den Leitzins überraschend von 5,5 auf sieben Prozent an. „Die Entscheidung hat das Ziel, Inflationsrisiken und Risiken für die finanzielle Stabilität angesichts der zunehmend volatilen Märkte zu verhindern“, teilte die Notenbank mit, ohne die Ukraine ausdrücklich zu nennen. Der Kreml hat nach dem Umsturz in Kiew tausende Soldaten auf die ukrainische Halbinsel Krim verlegt. Russlands Präsident Wladimir Putin ließ sich am Wochenende vom Parlament grünes Licht für eine militärische Intervention geben. Im Westen sorgte Moskaus Vorgehen für große Beunruhigung und scharfe Kritik.

          Schwache Daten aus China drückten zusätzlich auf die Kurse. So trübte sich die Stimmung der chinesischen Industrieunternehmen im Februar weiter ein und auch der Einkaufsmanagerindex in China war im Februar auf den tiefsten Stand seit acht Monaten gefallen. „Die Anleger reagieren risikoscheu“, fasste ein Händler die Stimmung zusammen. Immerhin dürfte nach Einschätzung von Ökonomen eine Eskalation weltweit Folgen für die Wirtschaft haben. Aus europäischer und globaler Sicht verstärke sich damit die ohnehin vorhandene Unsicherheit, die derzeit immer noch eine erhebliche Bürde für einen stabilen globalen Aufschwung sei, hieß es. Die Ölpreise zogen an diesem Morgen bereits deutlich an, während der Euro weiter nachgab.

          Thyssen-Krupp größter Dax-Verlierer

          In DAX, M-Dax und Tec-Dax gab es nur negative Vorzeichen. Nicht eine Aktie notierte im Plus. Schwächster Wert im Leitindex war das Papier von ThyssenKrupp mit minus 3,57 Prozent. Heinrich Hiesinger, Chef des Industrie- und Stahlkonzerns hatte in einem Gespräch mit der „Rheinischen Post“ vor den Folgen einer Streichung der Ökostrom-Rabatte gewarnt. „Wenn wir die volle EEG-Umlage zahlen müssten, würde dies eine Belastung von 350 Millionen für uns bedeuten.“ Das sei mehr, als der Konzern in seinen europäischen Stahlwerken verdiene. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2012/13 verdiente der Bereich vor Zinsen und Steuern (Ebit) gerade einmal 62 Millionen Euro.

          Im M-Dax büßten Stada als Schlusslicht 8,19 Prozent ein. Ein Händler sagte, dass gerade der Pharmakonzern unter der sich zuspitzenden Lage in der Ukraine leiden dürfte. Immerhin würden etwa ein Fünftel der Umsätze von Stada in Russland generiert. Bei Bayer und Merck liege der Umsatzanteil deutlich niedriger. „Gesetzt den Fall, dass sich der Konflikt mit Russland verschärft, ist Stada auf jeden Fall der Wert, den man meiden sollte“, kommentierte er. Bayer gaben im Dax um um 3,13 Prozent nach.

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