https://www.faz.net/-gv6-7n5oc

Krim-Krise : Die Ukraine macht Anlegern Sorgen

Die ausstehenden Fremdwährungsschulden der privaten Unternehmen lägen bei etwa 100 Milliarden Dollar, die des öffentlichen Sektors bei mehr als 30 Milliarden Dollar. Mit der Währungsabwertung hätten öffentliche wie private Schuldner ein Problem, die in Dollar notierten Anleihen noch zurückzuzahlen. „Ob die Hilfen von IWF und EU ausreichen, ist noch nicht abzusehen“, sagt Meyer. Es sei aber zumindest nicht auszuschließen, dass es im Zuge der Restrukturierung der Schulden zu einem sogenannten Haircut komme, bei dem Gläubiger auf ihr Geld verzichten müssen. „Das könnte eine Belastung auch für Anleihen anderer Schwellenländer darstellen.“

Dritte Gefahr: Ansteckung von Schwellenländern

Insbesondere um Anleihen von solchen Schwellenländern, die ohnehin wackelig dastehen, sollten Anleger lieber einen Bogen machen, meint Anlageexpertin Hochberg: „Anleihen aus den ,fragilen Fünf‘ (Indien, Indonesien, Brasilien, Südafrika und Türkei) sollte man meiden. Hier sind psychologische Ansteckungseffekte der Krim-Krise zumindest nicht auszuschließen.“

Anders scheint es mit den Staatsanleihen Südeuropas zu sein. Prinzipiell könnte man zwar meinen, dass auch Anleihen der Euro-Krisenstaaten leiden, wenn Investoren sich jetzt alle Schuldnerstaaten besonders kritisch anschauen. Das Gegenteil war aber vergangene Woche der Fall, wie Ökonom Gern hervorhebt. Spanische und italienische Staatsanleihen profitierten sogar, ihre Kurse stiegen. „Wem Schwellenländeranleihen grundsätzlich zu riskant und deutsche Bundesanleihen zu teuer sind, der kann auf spanische und italienische Staatsanleihen ausweichen“, meint Anlageexpertin Hochberg. „Bei denen gibt es zumindest noch etwas Zinsen – und die Ansteckungsgefahr ist geringer als bei Schwellenländer-Anleihen.“

Vierte Gefahr: Einbruch des Handels mit Russland

Während die Ukraine selbst als Handelspartner für Europa nicht besonders ins Gewicht fällt, könnten Beeinträchtigungen der Wirtschaftsbeziehungen zu Russland erhebliche Folgen haben – über Öl und Gas hinaus. „Nur 0,5 Prozent aller deutschen Exporte gehen in die Ukraine, aber etwa 3,5 Prozent nach Russland“, sagt Ökonom Gern.

Für Opel etwa ist Russland der drittwichtigste Absatzmarkt, aber auch Maschinen oder etwa Sportschuhe werden von deutschen Unternehmen in Russland verkauft. Adidas etwa berichtete gerade, das Unternehmen erziele gut eine Milliarde Euro Umsatz in Russland. Am Donnerstag hatte die EU erste „weiche Sanktionen“ etwa für die künftige Visa-Vergabe beschlossen. Sie haben eher symbolischen Charakter. Gleichwohl drohte Russland mit Vergeltung.

Fazit: So können Anleger ihr Geld schützen

Als Rezept gegen die Risiken empfehlen die Anlageexperten nicht Gold oder Ackerland, auch nicht den Schweizer Franken, der schon viel zu teuer sei. Sie raten vielmehr klassisch zu einer breiten Streuung der Anlagen. Wer sein Risiko reduzieren wolle, könne sein Portfolio gleichwohl nach bestimmten Kriterien durchkämmen, meint Hochberg: Wie stark ist man in Unternehmen investiert, die sehr von Öl- und Gaspreisen abhängen oder viel Geschäft in Russland machen?

Unter den europäischen Banken sei die französische Société Générale am stärksten in Russland engagiert. Weitere Aktien, die unter einer Verschärfung der Krise leiden könnten, seien etwa BASF, Eon, Danone und Unicredit. Insgesamt warnen zwar die meisten Experten von der Deutschen Bank über die Helaba bis zur Commerzbank, dass man sehr genau auf Ansteckungsrisiken im heiß gelaufenen Aktienmarkt achten solle. Eine grundsätzlich negative Haltung gegenüber Aktien wird daraus aber noch nicht abgeleitet.

Weitere Themen

Topmeldungen

Das Symbol der Türkei, weißer Halbmond und Stern auf rotem Untergrund.

Syrien-Konflikt : Gut so, Wolfsburg!

In der Türkei können VW und andere auch später noch Werke bauen – aber erst, wenn dort wieder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit gelten.
Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.