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Kredite : Große Unterschiede bei variablen Krediten

  • Aktualisiert am

Wichtige Frage beim Bauen: Fester oder variabler Zinssatz? Bild: AP

Die wenigsten deutschen Hypothekenschuldner entscheiden sich für Kredite mit variablen Zinssätzen. Im Ausland ist dies häufig anders. Der „flexible“ Kredit hat Vor- und Nachteile.

          3 Min.

          Bei Immobilienkrediten mit variablem Zins sind die Preisunterschiede auffallend groß. Die billigsten Angebote führen in der derzeitigen Phase niedriger Kapitalmarktzinsen zu variablen Sätzen von 3 Prozent. Einige Banken bieten dagegen Konditionen, die schon jetzt zu einer Belastung von 7 Prozent führten. Steigen die Zinsen, wird es noch teurer.

          Die prohibitiv hohen Sätze einiger Anbieter sind ein Grund dafür, daß die variable Finanzierung nur selten genutzt wird, obwohl sie wegen der flexiblen Tilgungsmöglichkeiten zumindest für einen Teil der Immobilieneigentümer sinnvoll wäre.

          Nur ein Prozent Aufschlag

          In Deutschland vereinbaren die meisten Hausbauer Kredite mit einer festen Verzinsung über die gesamte Laufzeit. Das hat den Vorteil, daß Kreditnehmer wissen, wieviel sie jeden Monat an die Bank überweisen müssen. Daneben gibt es aber auch Kredite mit einer variablen Verzinsung. Dabei nimmt die Belastung für den Kreditnehmer zu, wenn die Zinsen auf dem Kapitalmarkt steigen. Fallen die Zinsen, muß er weniger bezahlen. Experten schätzen den Anteil der variablen Kredite, die zum Beispiel in Großbritannien sehr weit verbreitet sind, hierzulande auf weniger als 1 Prozent.

          Maßstab für die variablen Kredite sind der Dreimonats- oder der Sechsmonats-Euribor. Das sind Sätze, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen und die täglich berechnet und veröffentlicht werden. Sie liegen derzeit bei 2,09 und 2,14 Prozent. Der Kreditnehmer verpflichtet sich, diesen Satz zu zahlen - zuzüglich eines Aufschlages, der je nach Bank sehr unterschiedlich ist. Bei den günstigsten Angeboten beträgt er lediglich 1 Prozentpunkt.

          So zum Beispiel bei dem von Interhyp über das Internet vermittelten Angebot der Evangelischen Darlehensgenossenschaft. Die teuersten Filialbanken wie die Frankfurter Sparkasse oder die Dortmunder Volksbank fordern dagegen mehr als 4 Prozentpunkte. Hinzu kommt meist eine Bearbeitungsgebühr von 0,5 bis 1 Prozent der Darlehenssumme.

          Stabiler Euribor bei ruhiger EZB

          Die derzeitige Zinserwartung der Experten spricht allerdings auf den ersten Blick nicht für eine variable Verzinsung. Die meisten Analysten der Banken erwarten, daß zunächst in Amerika und infolgedessen auch in Europa die Zinsen auf den Kapitalmärkten steigen werden. Das würde dafür sprechen, sich die derzeit vermeintlich günstigen Konditionen für eine lange Laufzeit festschreiben zu lassen.

          Der Abschluß eines variablen verzinsten Kredits kann sich aber dennoch lohnen. Der erwartete Zinsanstieg dürfte zunächst nur die langfristigen Zinsen betreffen. Da die europäische Wirtschaft weniger stark wächst als die amerikanische, dürfte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins noch längere Zeit unverändert bei 2 Prozent belassen. Trifft dies zu, werden sich auch die Euribor-Sätze zunächst kaum erhöhen.

          Mögliche Verluste

          In dieser Phase profitieren Kreditnehmer, die einen variablen Zins vereinbaren, von der im Vergleich zu langfristigen Krediten derzeit geringeren Belastung. Während die günstigsten variablen Konditionen derzeit zu einem Zins von 3 Prozent führen, fordern Hypothekenbanken bei einer zehnjährigen Zinsbindung im Durchschnitt 5 Prozent. Das gesparte Geld kann für zusätzliche Tilgung genutzt werden, es kann allerdings auch wieder verlorengehen.

          Bei einem ungünstigen Verlauf würden Kreditnehmer mit dem variablen Zins sogar draufzahlen, wenn die kurzfristigen Zinsen in einigen Jahren über das Niveau steigen, auf dem langfristige Verbindlichkeiten jetzt schon sind. Die variablen Kreditverträge sind zwar kurzfristig kündbar. Aber bei einer derartigen Zinsentwicklung würden sich auch die Bedingungen für Kredite mit langfristiger Zinsbindung verschlechtern, die Zinsen wären höher als bei einem Vertrag, der schon heute abgeschlossen wird.

          Kreditportfolio

          Um das Risiko steigender Zinsen zu begrenzen, können Anhänger des variablen Hypothekenzinses auch Produkte wählen, die einen Höchstzins vorsehen. Solche Kredite sind ebenfalls an die Euribor-Sätze gekoppelt. Bei einer ungünstigen Marktentwicklung steigt der Zinssatz aber nur auf maximal 6,50 Prozent (Interhyp und Dr. Klein) beziehungsweise 7 Prozent (MKIB). Diese Begrenzung gilt für eine Dauer von 10 Jahren. Dafür zahlen die Kreditnehmer eine einmalige Gebühr in der Größenordnung von 1,5 Prozent.

          Das mit variablen Verträgen verbundene Zinsänderungsrisiko ist den deutschen Hauseigentümern aus guten Gründen unheimlich. "Stark steigende Zinsen können bei großen Kreditsummen die Belastung rasch ins unerträgliche wachsen lassen", erläutert der Finanzberater Max Herbst. Mit einer Zinsbindung für einen langen Zeitraum könnten die meisten Anleger ruhiger schlafen, auch wenn der eine oder andere Euro verlorengehe.

          Auch für vorsichtige Hauseigentümer kann ein variabler Zins aber sinnvoll sein: wenn er als Beimischung für einen Teil der Kreditsumme vereinbart wird. Der größere Teil des Kredits wird mit fester Zinsbindung vereinbart, ein kleinerer Teil mit variablem Zins. Unvorhergesehene Einnahmen können so in voller Höhe für die Tilgung verwendet werden.

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