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Kredite für Freiberufler : Benachteiligung aus Bequemlichkeit und Unkenntnis

  • -Aktualisiert am

Die Schufa will Selbständige unterstützen Bild: dpa

Freiberufler und Selbständige haben es schwer bei den Banken: Weil sie keine Einkommensnachweise haben, bekommen sie keine Kredite. Die Schufa und die ersten Banken schließen jedoch die Lücken.

          Die meisten Verbraucher können sich derzeit vor Werbebriefen kaum retten: Barkredite sofort, und diese zu traumhaft niedrigen Zinssätzen. Doch auch wenn die Werbebotschaft zunächst etwas anderes suggeriert - für eine Gruppe, hat Laura Walz* erlebt, gelten die Angebote offenbar nicht: für die der Selbständigen und Freiberufler. Die PR-Beraterin, die eine kleine Agentur betreibt und über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen verfügt, wollte von einem Bekannten ein Auto kaufen und brauchte dafür 15.000 Euro. „Ich habe zig Anfragen ausgefüllt“, ärgert sie sich noch heute, „ohne Erfolg.“

          Alleine steht Walz dabei mit ihren Erfahrungen offenbar nicht. Fast täglich, berichtet Stefanie Pallasch, Projektleiterin Finanzdienstleistungen bei der Stiftung Warentest, erreichen sie Beschwerden und Anfragen von Verbrauchern, deren Kreditanfragen allein deswegen negativ beschieden wurden, weil sie keinen Gehaltszettel vorlegen konnten. „Nach Sicherheiten wird dabei oftmals nicht einmal gefragt“, sagt Pallasch.

          Gleiche Anforderungen - auf dem Papier

          Diese Einschätzung teilt Dirk Wenzel, Inhaber der Online-Kreditvermittlung Euro-Finanz-Dienst: Für Selbständige und Freiberufler, hat er festgestellt, sei es wesentlich schwerer, Angebote zu finden. Denn allzuoft lautet die Aussage der Banken wie die der Norisbank, die derzeit mit Easy-Credit zwar besonders heftig die Werbetrommel rührt, aber einschränkt: „Keine Freiberufler.“

          Warum das so ist, dazu mag sich im Bankenbereich niemand so recht äußern. Weder der Bundesverband deutscher Banken noch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sehen sich zu einer Aussage in der Lage. Und wenn einzelne Kreditinstitute überhaupt Stellung nehmen, klingt das meist so wie bei der Dresdner Bank: „Für Kredite an Freiberufler bestehen grundsätzlich die gleichen Anforderungen an Bonität und Sicherheitsstellung wie für andere Kunden.“

          Die Realität jedoch, weiß der Duisburger Steuerberater Lutger von Holt, sieht anders aus. Nicht nur bei Konsumentenkrediten, auch bei der Immobilienfinanzierung und im Geschäftsbereich sieht er die Situation für Selbständige problematisch. Und wer dann noch bestimmten Risikobranchen angehört, wie Gesundheit, IT oder Handel, „der muß dann schon 60.000 Euro Sicherheiten bieten, um einen Kontokorrentkredit von 50.000 Euro zu bekommen“, meint Holt ironisch.

          Kredite für Freiberufler sind arbeitsintensiver

          Erklärt wird die Zurückhaltung der Banken, die nach Meinung einiger Verbraucherschützer schon fast an Diskriminierung grenzt, zumeist mit einem Verweis auf „Basel II“ und den damit verbundenen Anforderungen an Kapitaldienstfähigkeit und Sicherheiten. Das Risiko sei einfach höher, lautet meist die pauschale Aussage der Kreditinstitute. Ob das allerdings stimme, so Holt, „darf zumindest bezweifelt werden“. Schließlich wisse heute auch niemand, der festangestellt ist, ob er seinen Job auch morgen noch habe.

          Achim Tiffe vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) in Hamburg wird noch deutlicher. Derzeit, erläutert er, sei ihm keine neutrale Studie bekannt, die belege, daß fehlende Gehaltsabrechnungen tatsächlich ein höheres Ausfallrisiko bedeuteten. Dagegen höre er im Alltag immer wieder Geschichten, die das Gegenteil zeigten. So hatte sich ein Kleinunternehmer jahrelang vergebens um einen Kredit zur Finanzierung eines Eigenheims bemüht; einem seiner Angestellten dagegen sei dies im ersten Anlauf gelungen. Völlig weltfremd sei dies, empörte sich der Unternehmer gegenüber Tiffe. Denn erstens liefen seine Geschäfte seit Jahren prächtig, zweitens würde er im Falle eines Falles zuerst seine Angestellten entlassen und nicht sich selbst.

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