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Gesundheit : Krankenversicherer mit geringem Preisanstieg

Bevormundung oder Prävention: Wie weit sollten sich Krankenversicherer in die Lebensführung einmischen? Bild: dpa

Die Branche rühmt sich niedrigerer Beitragssteigerungen als bei den gesetzlichen Krankenkassen. Doch die Lage an den Kapitalmärkten ist weiterhin ungünstig. Die Zukunftsaussichten sind trüber. Was sollten die Gesellschaften tun?

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          Die private und die gesetzliche Krankenversicherung stehen zueinander im Wettbewerb um Kunden. Ein wichtiges Argument für die Verbraucher ist die Frage, wie sich ihre Kosten entwickeln werden. Die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen stehen dabei weniger im Fokus als bei den privaten Versicherern, weil der Beitragssatz weitgehend stabil ist, wenn er nicht aufgrund steigender Leistungen oder schwindender Einzahler von der Politik erhöht werden muss. Die Krankenversicherer dagegen machen immer wieder mit deutlichen Beitragsanpassungen von zum Teil 30 oder 40 Prozent von sich reden.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Deshalb lässt sich der PKV-Verband immer wieder ausrechnen, welche Beitragssteigerungen beide Systeme über einen längeren Zeitraum erfahren haben. Nach der jüngsten Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV stiegen die Beiträge der Privatversicherer seit 2009 jährlich um 2,3 Prozent. Die Krankenkassen dagegen hätten Steigerungen von jährlich 3,8 Prozent verzeichnet.

          Weil Jahre mit sehr hohen durchschnittlichen Beitragsanpassungen aus der Statistik herausfielen, steigerte sich der Abstand zwischen beiden Systemen. In den zehn Jahren nach 2007 lag die Steigerung der Krankenversicherer bei 3 Prozent und der Krankenkassen bei 3,2 Prozent. Auf das Jahrzehnt gerechnet entspricht das einer Steigerung der Privaten um 25,3 Prozent und der Gesetzlichen um 45,6 Prozent.

          Der Grund für die Steigerung für die gesetzlichen Krankenkassen, der 90 Prozent der Deutschen angehören, ist der Anstieg beitragspflichtiger Einkommen, unter anderem durch die gute Beschäftigungslage. Die Krankenversicherer haben in der betrachteten Zeit mit der Herausforderung stetig fallender Zinsen zu tun gehabt. Doch wie es in der Zukunft weiter geht, ist ungewiss. Der jährlichen Branchenuntersuchung des Analysten Carsten Zielke zufolge sind die Aussichten sehr gemischt.

          Bei 12 der untersuchten 38 Krankenversicherer sei aufgrund ihrer finanziellen Lage fraglich, ob sie stabile Beiträge erreichen können. Weitere 12 stufte Zielke als neutral ein, nur 14 kamen in die Kategorie „stabil“. „Die Luft wird dünner“, sagte Zielke am Freitag Journalisten. Die Solvenzquoten verschlechterten sich. Zudem setzten die Unternehmen in der Geldanlage zu stark auf festverzinsliche Wertpapiere mit geringen Renditen.

          „Die Kapitalanlagen werden nicht dazu genutzt, Prämien abzufedern“, sagte Zielke. Mit einer Aktienquote von 4,8 Prozent und einer Beteiligungsquote von 4 Prozent erreichten die Krankenversicherer deutlich geringere Quoten von Anlagen mit potentiell höheren Renditen als Schaden- und Unfallversicherer. Diese liegen nach Zahlen des Branchenverbands GDV für Aktien bei 7,7 Prozent und für Beteiligungen bei 15,2 Prozent.

          Überdies kritisierte der Analyst, dass Krankenversicherer zu wenig für die Prävention ihrer Kunden täten und Potential für Einsparungen liegen ließen. Die Branche sei nicht im Zeitalter angekommen, in dem Kunden begleitet werden, damit sie gar nicht erst krank werden, sagte Zielke. Nur acht Unternehmen böten solche Programme an, nur eines überzeugend.

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