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American Way of Life : Hinfallen, aufstehen, weitermachen

Wer in Amerika ankommt, sollte die „Can-do“- Mentalität verinnerlichen. Bild: plainpicture/Mohamad Itani

Amerikaner geben niemals auf, wenn sie ein Ziel erreichen wollen. Mit Verlierern will keiner etwas zu tun haben. Dennoch ist der Neustart beschwerlich.

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          Travis Kalanick stand nicht immer ganz oben. Der Fahrdienst Uber, den er mitgegründet hat und als Vorstandsvorsitzender führt, ist heute das am höchsten bewertete Start-up-Unternehmen der Welt. Aber seine Karriere begann mit einem Reinfall, denn sein erstes Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Damit ist Kalanick in bester Gesellschaft. Einige der berühmtesten und erfolgreichsten amerikanischen Unternehmer haben in ihren frühen Jahren Bekanntschaft mit dem Insolvenzrichter gemacht, vom Autopionier Henry Ford über den Medienmogul Walt Disney bis zum Ketchupproduzenten Henry J. Heinz. Präsidentschaftsanwärter Donald Trump hat in seinem Firmenimperium eine Reihe von Pleiten erlebt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Hinfallen und wieder aufstehen, das gehört zum amerikanischen Mythos. „Dust Yourself Off and Try Again“, heißt es in den Vereinigten Staaten oft, also: Dreck abwischen und es wieder versuchen. Dahinter steckt der Optimismus, etwas schaffen zu können, wenn man nur nicht aufgibt - die legendäre „Can do“-Mentalität im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Hier wurde schließlich Elvis Presley  zum Superstar, der sich anfangs seiner Karriere noch anhören musste, er werde es als Sänger nie zu etwas bringen und solle lieber zu seinem alten Job als Lastwagenfahrer zurückkehren. Und Fred Astaire bekam einmal bescheinigt, er könne weder singen noch schauspielern und höchstens ein bisschen tanzen, bevor er zur Hollywood-Legende wurde.

          Scheitern wird in Amerika oft nur als eine Zwischenstation auf dem Weg zu großen Taten gesehen, ja vielleicht sogar als willkommene Vorstufe, die wertvolle Lektionen für den späteren Erfolg bereithält. Diese Einstellung ist zum Beispiel in der kalifornischen Technologieregion Silicon Valley weit verbreitet, die sich als Ort für Draufgängertum und Risikofreude versteht. Klappt es hier mit einer Idee nicht, versucht man eben etwas anderes und muss nicht unbedingt fürchten, von Investoren gemieden zu werden.

          Stigma des Scheiterns

          Und doch ist Scheitern auch in den Vereinigten Staaten keineswegs generell akzeptiert und frei von Stigma. „Scheitern ist erst im Nachhinein okay, wenn man Erfolg hat“, sagt zum Beispiel die 34 Jahre alte Patrice Washington, die heute als selbständige Finanzberaterin gut verdient, aber auf schwierige Zeiten zurückblickt. Sie hatte ein Immobilienunternehmen in Kalifornien, das im Zuge der Finanzkrise des vergangenen Jahrzehnts zusammenbrach und sie am Ende mit zwei Millionen Dollar Schulden dastehen ließ. „Mir haben damals einige Leute das Gefühl gegeben, dass sie mich verurteilen oder sogar verspotten.“

          Washington war mehrmals in ihrem Leben in Finanznöten. Mit 22 Jahren hatte sie 18.000 Dollar Kreditkartenschulden angehäuft, nicht einmal wegen extravaganter Einkäufe, sondern weil sie unterschätzt hatte, wie schnell sich Zinsen summieren können. Sie schwor sich, dass ihr das nie wieder passieren würde und begann, strikt mit ihrem Geld zu haushalten, bis sie schuldenfrei war. 2003 gründete sie zusammen mit ihrem heutigen Mann die Immobilienfirma. Zu der Zeit ließ sich im Häusermarkt viel Geld verdienen, und die Firma wuchs auf mehr als ein Dutzend Mitarbeiter an. 2007 kühlte sich das Geschäft aber ab, und die bald folgende Finanz- und Wirtschaftskrise brachte es fast ganz zum Erliegen. Zu allem Unglück musste Washington inmitten dieser Turbulenzen wegen Komplikationen in ihrer damaligen Schwangerschaft für mehrere Wochen ins Krankenhaus, und als sie schließlich mit ihrer neugeborenen Tochter nach Hause gehen konnte, wurden ihr 400.000 Dollar in Rechnung gestellt, weil ihre Versicherung nur zum Teil für die Behandlung aufkommen wollte. Washington und ihr Mann waren erst entschlossen, sich mit ihrer Firma in der Krisenzeit weiter durchzuschlagen, mussten aber am Ende doch kapitulieren. Sie versuchten dann, den resultierenden Schuldenberg abzubauen, sahen aber nach ein paar Jahren keinen anderen Ausweg, als Privatinsolvenz anzumelden.

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