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Korrespondenzbanken : Kampf gegen Geldwäsche bedroht Zahlungsverkehr

Ein Mitarbeiter der Bank Indonesia zählt Rupien im Firmensitz in Jakarta Bild: Reuters

Die Banken aus den Industrieländern verringern ihre Beziehungen zu Partnerinstituten im Ausland. Die Gefahren sind ihnen zu groß. Nun fürchten die Entwicklungsländer Isolation - mit weitreichenden Folgen.

          Es trifft auch die Marktführer: Die Bank Mandiri ist das größte Kreditinstitut in Indonesien, muss sich aber inzwischen fragen, mit welcher Partnerbank in den Industrieländern sie noch Geschäfte machen kann. Das Problem haben auch anderen Banken in der Karibik, in Osteuropa, in Asien und auch in Afrika. Die Banken aus den westlichen Ländern ziehen sich zurück, weil sie Angst haben, in den Vereinigten Staaten hohe Milliardenstrafen verhängt zu bekommen. Denn das kann passieren, wenn die Geschäftsbeziehung einer Partnerbank in einem Drittland mehr als zweifelhaft ist und ein Vergehen wegen Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung nachgewiesen werden kann. Auch der stärkere Austausch von Steuerdaten zwischen den Staaten mit dem Ziel der gemeinsamen Bekämpfung von Steuerhinterziehung zwingt die Banken westlicher Industrieländer, ihre Beziehungen zu den Partnerinstituten, den sogenannten Korrespondenzbanken, zu prüfen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So haben die Banken aus dem Euroraum die Beziehungen seit dem Jahr 2002 auf rund 12.500 halbiert. Die meisten Beziehungen weist in Deutschland die Commerzbank mit 5000 Korrespondenzbanken in rund 200 Ländern auf. Deutschlands zweitgrößte Bank versteht sich als wichtigster Außenhandelsfinanzierer der deutschen Wirtschaft, hat aber seit der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2008 die Zahl der Korrespondenzbanken um 2000 reduziert. Das war nicht nur der Fusion geschuldet, sondern auch den strengeren Vorgaben der internationalen Behörden im Kampf gegen Geldwäsche.

          Vor kurzem schlug Jürgen Fitschen, Ko-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Alarm: „Wir laufen Gefahr, dass der internationale Zahlungsverkehr irgendwann nicht mehr funktioniert.“ Ähnlich sah es die Bundesbank in einer Informationsveranstaltung für Banken. Sollte die Zahl der Korrespondenzbankbeziehungen weiter zurückgehen, könne dies den internationalen Zahlungsverkehr beeinträchtigen mit negativen Auswirkungen auf den Welthandel. Das Thema treibt nun auch die Regierungen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) um, die sich am Sonntag in der türkischen Hafenstadt Antalya treffen werden. Der Finanzstabilitätsrat, dem die Vertreter von Finanzministerien, Aufsichtsbehörden und Notenbanken aus den G-20-Ländern angehören, stellte nun auf Basis einer noch nicht veröffentlichten Weltbank-Umfrage fest, dass rund die Hälfte der befragten Behörden und Banken in den Schwellenländern in den vergangenen drei Jahren einen Rückgang der Beziehungen zu Banken im Ausland verzeichnet haben. Von den 20 Großbanken, die an der Umfrage teilgenommen haben, siebten drei Viertel ihr Netzwerk an Korrespondenzbanken aus. Eine Bank stellte sogar jede zweite Beziehung ein.

          Illegale Geldtransfers können Terrorfinanzierung Vorschub leisten

          Die Regeln, die von dem bei der OECD in Paris angesiedelten Arbeitskreis zur Geldwäschebekämpfung, der Financial Action Task Force (FATF), entwickelt werden, verunsichern die Banken. Fitschen rieb sich besonders an der Vorgabe, die Kunden der Korrespondenzbanken zu kennen. Diese Vorgabe sorgt unter dem Anglizismus „know your customer’s customer“ („Kenne die Kunden deiner Kunden“) für enorme Verunsicherung in den Banken der Industrieländer. Denn die meisten Institute fühlen sich dabei überfordert, für die Kunden der Korrespondenzbanken eine Garantie abgeben zu können. Auch in einem Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Zentralbanken, wird die Unsicherheit darüber, welche Prüfungen der Kundenbeziehungen ausreichend sind, als eine wesentliche Ursache für die rückläufigen Beziehungen zu Auslandsbanken genannt.

          Der Finanzstabilitätsrat fordert nun den FATF-Arbeitskreis auf, die Banken besser über die Anforderungen zu informieren. Vom internationalen Zahlungsverkehr abgetrennt zu werden, hat für viele Länder der Dritten Welt schwerwiegende Folgen. So sind die Überweisungen aus dem Ausland, in der Regel von dort arbeitenden Staatsbürgern, die wichtigste externe Finanzierungsquelle für die Karibikstaaten. Sie haben im vergangenen Jahr fast 10 Milliarden Dollar erreicht. Doch wenn die Überweisungen nicht mehr in den Banken der Industrieländer angenommen werden, kann das die Entwicklung vieler Schwellenländer gefährden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass sich illegale Wege etablieren, mit denen Gelder transferiert werden können. Das leistet aber der Geldwäsche und der Terrorfinanzierung Vorschub, die durch die strengen Vorgaben bekämpft werden sollen. Die Lösungsansätze zielen auf die Errichtung von Datenbanken und einen verbesserten Informationsaustausch.

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