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Konto leer : 6,6 Millionen Deutsche sind im Dispo

Gibt der Automat noch was her? Bild: dpa

Die einen sparen in der Pandemie so viel wie selten. Die anderen haben offenbar mit einem leeren Konto zu kämpfen. Die Zahl der Kontoüberziehungen ist jedenfalls einer Studie zufolge innerhalb eines Jahres um 17 Prozent gestiegen.

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          Während viele Deutsche, gerade ältere und Angehörige der oberen Einkommensgruppen, in der Pandemie besonders viel sparen, scheinen bei anderen die Mittel langsam knapp zu werden. Das jedenfalls legt eine repräsentative Umfrage unter 2500 Deutschen im Alter von mehr als 18 Jahren nahe, die der Kreditvermittler Smava am Mittwoch veröffentlicht hat. Demnach befinden sich aktuell 6,6 Millionen Deutsche im Dispo. Das seien 17 Prozent mehr als vor einem Jahr. Fast jeder zweite Disponutzer sei mit mehr als 1500 Euro im Minus.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bis das Konto ausgeglichen ist, fielen laut Stiftung Warentest im Schnitt 9,51 Prozent Dispozinsen an; die FMH-Finanzberatung kommt aktuell auf 9,17 Prozent. Trotz der Niedrigzinsphase sind die Dispozinsen der Banken in den vergangenen Jahren nur etwas gesunken; die Organisation Finanzwende hatte das zuletzt kritisiert.

          Zweistellige Zinssätze

          Das Verbraucherportal Biallo nennt einige Institute mit auffällig hohen Dispo-Zinsen. So verlange die Raiffeisenbank Plankstetten 13,75 Prozent, die Rosbacher Raiffeisenbank und die Union-Bank nähmen 13 Prozent, die Oberbank und die Raiffeisenbank Gilching nähmen 12,75 Prozent und die VR Bank Landsberg-Ammersee verlange 12,7 Prozent Dispozinsen.

          Wenn das Konto überzogen sei, könnten es 51,6 Prozent der Disponutzer nach eigenen Angaben innerhalb eines Monats wieder ausgleichen, heißt es in der Studie weiter. Rund jeder sechste Disponutzer brauche bis zu drei Monate, ähnlich viele brauchten mehr als zwölf Monate, um das Konto wieder auszugleichen. Wer längere Zeit einen Dispo in Anspruch nehme, für den sei ein Ratenkredit in der Regel günstiger, heißt es in der Studie weiter.

          Banken zurückhaltend

          Die Banken berichten nur sehr zurückhaltend darüber, wie stark bei ihnen jeweils die Dispositionskredite in Anspruch genommen werden. Bei vielen hieß es auf Anfrage, dazu sage man nichts. Die Hamburger Sparkasse berichtete von „nur geringen Schwankungen“ der Inanspruchnahme. Ein Sprecher der Commerzbank sagte, bei ihnen sei keine Veränderung festzustellen. Und ein Sprecher der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig sagte, bei Privat- wie bei Geschäftskunden würden bei ihnen die Kreditlinien im Vergleich zum Vorjahr sogar weniger in Anspruch genommen.

          Die Bundesbank hatte im vergangenen Jahr von einer deutlichen Zunahme des Geldvermögens berichtet, unter anderem bei Bargeld und Sichteinlagen, allerdings auch von einer höheren Verschuldung der privaten Haushalte. So betrug das Geldvermögen der Deutschen zum Ende des zweiten Quartals 2021 rund 7,325 Billionen Euro, ein Plus von 159 Milliarden Euro. Aber auch die Verbindlichkeiten hätten um 29 Milliarden auf 1,989 Billionen Euro zugelegt. Die Sparquote in Deutschland lag nach Schätzungen der DZ Bank mit mehr als 15 Prozent im Jahr 2021 abermals ungewöhnlich hoch.

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