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Börsen unter Druck : Konjunktursorgen belasten Finanzmärkte

Börsenhändler in New York: Die Stimmung der Anleger prägen immer stärker die Konjunktursorgen. Bild: dpa

Chinas Wirtschaft kühlt sich ab. Gleichzeitig verstärkt der Ukrainekrieg die Skepsis der Anleger. Davon profitiert die amerikanische Währung als sicherer Hafen.

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          Die Konjunktursorgen belasten die Aktienmärkte weiterhin. In einem international nervösen Börsen-Umfeld lag der Deutsche Aktienindex Dax am Montagvormittag mit bis zu 1,3 Prozent auf 13.491 Punkten im Minus. An den anderen Börsen in Europa sah es ähnlich trübe aus. Zuvor hatten die Aktienmärkte in Asien schon deutlich nachgegeben, was vor allem an der Abkühlung der chinesischen Wirtschaft gelegen hatte. Dort verlangsamte sich das Wachstum der Exporte.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In China schlage die Null-Covid-Politik mit ihren harten Pandemie-Beschränkungen durch, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. „Die Aussicht auf eine Entspannung bei den Lieferketten-Sorgen scheint weiter entfernt als noch vor ein paar Monaten.“ Gleichzeitig flüchteten die Anleger in den sicheren Hafen der amerikanischen Währung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, erhöhte sich um bis zu 0,4 Prozent auf 104,19 Punkten, das höchste Niveau seit fast 20 Jahren.

          Rendite auf Acht-Jahres-Hoch

          Der Euro büßte 0,3 Prozent auf 1,0516 Dollar an Wert ein. Am Anleihemarkt setzte sich die Verkaufswelle fort. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf das Acht-Jahres-Hoch von 1,163 Prozent. Die Spekulationen auf eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) nehmen weiter zu. „Die jüngsten Äußerungen führender Notenbanker lassen darauf schließen, dass immer mehr von ihnen Handlungsbedarf sähen“, sagte Volkswirt George Buckley von der Investmentbank Nomura. Zuletzt hatten die Notenbankchefs Finnlands und Österreichs hierfür plädiert.

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          Wie schlecht es um die Stimmung an der Börse bestellt ist, zeigt eine aktuelle Umfrage von der Investment-Beratungsfirma Sentix unter 1267 professionellen Investoren. Der Ukraine-Krieg und seine Folgen lassen Börsianer so skeptisch auf die Konjunktur im Euro-Raum blicken wie seit rund zwei Jahren nicht mehr. Das Sentix-Barometer fiel im Mai den dritten Monat in Folge und überdies stärker als erwartet. Es sackte um 4,6 auf minus 22,6 Punkte ab - der tiefste Wert seit Juni 2020 - laut Sentix ein klares Warnzeichen für eine Rezession. „Die ökonomische Dimension der Ukraine-Konfliktes wird immer prekärer“, so Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner.

          „Erhebliche Verwerfungen bei Aktien“

          Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Rückgang auf minus 20,8 Zählern gerechnet. Die befragten Anleger bewerteten sowohl die Lage als auch die Aussichten schlechter. Die Erwartungen sind dabei sogar auf das tiefste Niveau seit Dezember 2008 gesunken: „Damit ist klar, dass der Wirtschaftsabschwung nun eine Dimension annimmt, welche zu erheblichen Verwerfungen bei Aktien, aber auch zu einem Anstieg in der Risikovorsorge für Banken führen dürfte“, erklärte Sentix.

          Unter den deutschen Aktienwerten konnte Infineon ein überraschend großes Umsatzplus und angehobene Jahresziele nicht in Kursgewinne ummünzen. Die Titel des Chip-Herstellers fielen um 3 Prozent. Die moderate Erhöhung sei erwartet worden, schrieb Analyst Janardan Menon von der Investmentbank Jefferies. Außerdem deute die nicht nur bei Infineon steigende Verweildauer von Produkten in den Lagern auf einen Abschwung der Branchenkonjunktur im kommenden Jahr hin.

          Um zeitweise mehr als 13 Prozent stürzte der Aktienkurs von SMA Solar ab. Hier ergriffen die Anleger nach gutem Lauf die Flucht wegen eines skeptischen Analystenkommentars. Die Aktie wurde zuletzt als Profiteur der Energiekrise gesehen, dies hatte den Kurs auf ein Hoch seit November getrieben.

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