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Sparverhalten : Pyrrhus-Erfolg

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Der griechische König war Pyrrhos I. (318 bis 272 v. Chr.) wurde durch verlustreichen Siege in Schlachten bekannt, die am Ende zu seiner Niederlage führten. Bild: Marie-Lan Nguyen (2011), CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16918723

Die Deutschen haben 2021 begonnen Geld vom Girokonto zur Börse umzuschichten. Wieder einmal könnte es der falsche Moment sein.

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          Das Interesse der Deutschen an der Aktie hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Das zeigte sich schon in den Gesprächsthemen, selten deutlich aber wird es in den Zahlen, die die Deutsche Bank Research zum Sparverhalten veröffentlicht hat. Jahrelang hatten die Bürger Geld auf zinslosen Girokonten angehäuft und die guten Erträge des Aktienmarkts, so gut es ging, ignoriert.

          Erst als bei immer mehr Konten vor dem Zinssatz ein Minuszeichen stand, hat sich das geändert. Endlich, dürften jetzt einige sagen. Endlich haben sie es verstanden.

          Doch etwas kritischeren Geister dürfte mulmig werden. Rund neun Jahre lang brachten Aktien überdurchschnittliche Erträge, bevor sich jetzt Tausende von Privatanlegern, die sich zuvor noch nie mit dem Thema befasst hatten, Investmentfonds kauften, Fondssparpläne abschlossen oder noch schlimmer sich gleich auf einzelne Aktien stürzten.

          Denn wenn dies nach rund neun Jahren einer Hausse geschieht, riecht das erfahrungsgemäß sehr nach dem, was so ungerecht und despektierlich als Dienstmädchenhausse oder Hausfrauenrally bezeichnet wird, wobei es doch häufig die Männer sind, die unüberlegte Anlageentscheidungen treffen, so dass es wohl eher angezeigt wäre von einer Dienstboten- oder vielleicht einer Müllkutscher-Rally zu sprechen, auch wenn dies nicht weniger despektierlich ist.

          Das Besser als Uninformierten-Rally zu bezeichnende Phänomen ist fatal. Es dauert lange, bis die Betreffenden auf die Ertragschancen aufmerksam werden und so springen sie gleichsam im letzten Moment auf. Sie kaufen sehr teuer, erleiden für sie überraschend starke Verluste, springen oft im schlechtesten Moment wieder ab und kehren erst wieder, wenn sie abermals auf die hohen Ertragschancen aufmerksam geworden sind.

          Deswegen kann das Phänomen leider nicht aussterben. Denn der Grund liegt in der Uninformiertheit, die sich infolge der gemachten Erfahrungen nicht verringert.

          Für informierte Anleger ist es angesichts überbordender Bewertungen, einer restriktiven Geldpolitik und anderer Alarmzeichen ein weiteres Indiz, dass es womöglich gilt, sich vorsichtiger aufzustellen.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

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