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4,1 Prozent Inflation : Teurer leben

Tanken ist sehr viel teurer geworden. Bild: dpa

Preissteigerungen wie seit 28 Jahren nicht mehr: Die hohen Inflationsraten im Moment haben ganz handfeste Gründe.

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          Die Inflationsrate in Deutschland hat mit 4,1 Prozent den höchsten Stand seit 1993 erreicht: Viele Dinge des täglichen Lebens sind teurer geworden - besonders drastisch aber ist der Anstieg der Energiepreise.

          Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Den kleineren Teil bei der Verteuerung von Benzin und Heizöl auf Jahressicht macht der neue CO2-Preis für den Klimaschutz aus, er ist also politisch gewollt. Den weitaus größeren Teil aber macht der Preisanstieg des Rohöls aus. Für den wiederum ist zu großen Teilen das Wiederanziehen der Weltwirtschaft nach dem Lockdown verantwortlich, unterstützt von einer eher restriktiven Förderpolitik des Ölkartells Opec.

          Was heißt das für die Zukunft? Wie es mit dem Ölpreis weitergeht, weiß niemand ganz genau, wenn man ehrlich ist. Aber so weitersteigen wie seit den tiefsten Krisenmonaten im vorigen Jahr wird er nicht ewig. Vermutlich wird dieser Faktor der höheren Inflation im nächsten Jahr nachlassen, ebenso wie die Auswirkungen der Absenkung und Wiederanhebung der Mehrwertsteuer in Deutschland.

          Ob aus der vorübergehenden Inflation aber eine dauerhafte wird, das dürfte unter anderem davon abhängen, ob eine Lohn-Preis-Spirale in Gang kommt. Bis jetzt ist das nicht zu beobachten. Aber je länger die hohen, sogenannten „transitorischen“ Inflationsraten anhalten, desto weniger werden die Arbeitnehmer damit zufrieden sein, dass die Preise steigen, aber die Löhne nicht. Sie dürften irgendwann einen Inflationsausgleich fordern.

          Die Engpässe in manchen Lieferketten dagegen könnten länger anhalten als zunächst gedacht. Auch das könnte ein Faktor sein, der die Inflation länger hoch hält.

          Und auch, wenn es infolge der Pandemie zu einer Art De-Globalisierung kommt, wenn Unternehmen Teile der Produktion nach Haus holen oder als Folge der Pandemie in ihren Produktionsprozessen stärker auf Resilienz, also Krisen-Widerstandsfähigkeit, statt auf Effizienz, also Wirtschaftlichkeit achten sollten, könnte das alles noch höhere Kosten und Preise bedeuten. Die könnten über kurz oder lang auf die Verbraucher überwälzt werden.

          Noch ist also nicht ausgemacht, dass die höheren Inflationsraten nur Eintagsfliegen sind.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

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