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Kommentar : "Short-Selling" muss Volkssport werden

  • -Aktualisiert am

Ob nach oben oder unten - Hauptsache die Liquidität ist da Bild: dpa

"Leerverkäufer" haben einen schlechten Ruf. Dabei erfüllen sie eine sinnvolle Funktion.

          „Geier“ werden sie oft genannt, die „Short Seller“. Das sind eher spekulativ orientierte Investoren, die Aktien, Devisen oder andere handelbare Wertgegenstände leer verkaufen, um sie später günstiger zurück zu kaufen.

          Damit drücken sie natürlich die Kurse nach unten und sind folglich bei den entsprechenden Aktionären nicht so sonderlich beliebt. Gelegentlich kommen sogar Forderung auf, den Leerverkauf generell zu verbieten. Gerade nach den Attentaten in den USA wurde oft unterstellt, Short Seller hätten den Markt zu stark nach unten getrieben und damit die „Normalanleger“ geschädigt. Als ob nicht eine „allgemeine Verkaufspanik“ die eigentliche Ursache gewesen wäre.

          Verbot von Leerverkäufen ist naiv

          Nachträglich forderten Politiker wie der Demokrat John La Falce, der im Finanzausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses sitzt, ein generelles Verbot des „Shortsellings“. Aber auch der DVFA, ein deutscher Berufsverband von Analysten und anderen Kapitalmarktexperten, verschickte ein Rundschreiben, in dem darum gebeten wurde, keine Leerverkäufe mehr zu machen.

          Gerade aber sie als Professionelle sollten es eigentlich besser wissen. Denn der Leerverkauf ist für die verschiedenen Aktivitäten auf dem Kapitalmarkt ein ganz normaler Vorgang und als solcher völlig unverzichtbar. Wie sonst sollten die verschiedenen Händler auf dem Parkett oder an den Handelssystemen ihre Positionen an die jeweils aktuellen Gegebenheiten anpassen und etwa in fallenden Märkten ihr Geld verdienen? Wie sonst können sich Banken absichern, wenn sie ihren Anlegern Verkaufsoptionen oder andere Termingeschäfte anbieten? Denn die sind im Kern vielfach nichts anderes, als „verkappte“ Leerverkäufe.

          Spekulanten sorgen für unverzichtbare Liquidität

          Wer auch immer dafür plädiert, Leerverkäufe zu verbieten oder generell zu behindern - zum Beispiel mit der Einführung einer Tobin-Steuer -, der sollte die Konsequenzen bedenken. Denn die Aktivitäten dieser zum Teil kurzfristig orientierten Händler tragen maßgeblich zur Liquidität des Marktes bei. Geht die zurück, so steigen automatisch die Kosten der restlichen Marktteilnehmer. Sie sind unter Umständen gezwungen, länger auf den für sie idealen Kurs zu warten oder müssen sich sogar mit einer schlechteren Preisstellung zufrieden geben.

          Aber nicht nur das. Gerade die vergangenen Monate haben deutlich gezeigt, dass Märkte zu Übertreibungen neigen. Sowohl nach oben, als auch nach unten. Problematisch dürfte dabei mehr die Übertreibung nach oben sein. Sind Anleger erst einmal dem Kaufrausch verfallen und in einem längeren Aufwärtstrend an „nur noch“ steigende Kurse gewohnt, so sind sie kaum noch davon abzubringen. Selbst wenn die Bewertungen mittlerweile astronomische Höhen erreicht haben.

          Macht das "Short-Selling" zum Volkssport

          Gegen diese Form von „Geldgier“ können selbst professionelle „Short Seller“ nicht ankommen. Ihre „Macht“ ist begrenzt. Sie können nur bei den Werten aktiv werden, bei denen sie davon ausgehen können, den Markt gewissermaßen von der „Richtigkeit ihres Tuns“ zu überzeugen. Denn nur dann geht der Kurs nach unten und bringt ihnen Gewinn.

          In diesem Sinne wäre es nicht nur schädlich, Leerverkäufe einzuschränken. Sondern im Gegenteil. Mit Blick auf die geplatzte Kursblase im Allgemeinen, speziell aber bei Werten wie EM.TV, der Telekom oder etwa auch Infomatec müsste sich ein neuer Volkssport entwickeln. Nämlich die Jagd nach und das „Erlegen“ völlig unrealistisch bewerteter Aktien. Dann würde nämlich manche Kursblase gar nicht erst entstehen.

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