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Kommentar : Schnäppchenjäger, bleibt bitte zu Hause!

  • -Aktualisiert am

Die Kursverluste sind nicht mehr zum hingucken Bild: AP

Trotz Crashszenario gibt es sie noch: die Schnäppchenjäger. Doch gerade deren Existenz irritiert erfahrene Börsianer, die auf den finalen Ausverkauf warten.

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          Wie lange dauert es eigentlich, bis auch der letzte Börsianer begriffen hat: Dies ist nicht die richtige Zeit, um Aktien zu kaufen. Doch obwohl die Märkte seit einem Jahr immer wieder klare Signale in Form fallender Kurse aussenden, gibt es immer noch viele Besserwisser. Sie meinen, in fallende Kurse hinein kaufen zu müssen.

          Auch an diesem Mittwochmorgen machten sich etliche Anleger nach guten Vorgaben aus den USA wieder Hoffnung auf steigende Kurse. Um davon zu profitieren, begaben sie sich am Morgen auf Schnäppchenjagd. Für diese Selbstgefälligkeit wurden sie im Tagesverlauf, wie zuletzt schon so oft, aber teuer zur Kasse gebeten. Denn es kam anders als gedacht und die Kurse rutschten massiv nach unten.

          Beharrlichkeit der Bullen unverständlich

          Dabei ist es nur schwer verständlich, dass es noch immer so viele Bullen unter den Börsianern gibt. Eigentlich hätte ein Jahr Baisse und ein Kursverlust von 82 Prozent beim Nemax 50 Index ausreichen müssen, um allen die Augen zu öffnen. Auch der letzte unverbesserliche Optimist hätte merken müssen: Hoppla, hier passiert etwas an den Märkten, was anders ist als in kleinen Verschnaufpausen während der Haussejahre. Jeder hätte erkennen können, dass sich zwei Dinge verändert haben: Erstens spielen Bewertungen wieder eine Rolle und zweitens müssen erstmals seit langem die Gewinnschätzungen wieder nach unten anstatt nach oben korrigiert werden. Diese Korrekturen bei den Gewinnprognosen fallen teilweise so markant aus, dass sich die Bewertungen trotz fallender Kurse nicht immer verbilligt haben. Solange das so ist, kann für die Märkte auch noch keine Entwarnung gegeben werden. Erst bei absehbar wieder steigenden Gewinnen, dürften die Börsen wieder nachhaltig durchatmen können.

          Befreit aufatmen würden viele erfahrene Börsianer außerdem, wenn die Schnäppchenjäger zu Hause bleiben würden. Denn solange es die gibt, wird es auch den vielfach herbeigesehnten finalen Ausverkauf nicht geben. Zur Marktbereinigung ist der aber unerlässlich. Dass er diesmal nicht kommt, daran haben auch die Banken, Fondsgesellschaften und Vermögensberater eine „Mitschuld“. Ihre Erziehungsmethode bestand darin, den Anlegern einzuhämmern, dass Aktien langfristig immer steigen. Da dies im letzten Jahrzehnt auch immer richtig war, glauben die Anleger daran und haben es verinnerlicht.

          Panik würde den Märkten gut tun

          Im Grunde genommen ist diese These auch richtig, doch wenn sie von zu vielen beherzigt wird, erwächst daraus ein Problem. Nämlich das Problem, dass keine Panik mehr aufkommt. Auch bei Kursverlusten von über 80 Prozent denkt man sich, langfristig werden die Aktien schon wieder steigen. Das kann zwar gut sein. Die Frage ist nur, von welchen Zeitpunkt an und von welchem Niveau aus es wieder aufwärts geht. Behalten alle die Nerven, kann sich dieser Prozess hinziehen. Nach einem umsatzstarken Ausverkaufstag wäre die Luft dagegen vermutlich wieder rein. Wer also nach dem richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg sucht, sollte beobachten, wann auch der letzte Schnäppchensammler seinen Jagdinstinkt verloren hat.

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