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Kommentar : Prokon kann man nicht verbieten

  • -Aktualisiert am

Nach der Prokon-Pleite sollen riskante Wertpapiere für Privatanleger verboten werden. Aber das funktioniert nicht.

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          So ticken sie, die Politiker: Mit Prokon haben Anleger Geld verloren – und schon taucht die Idee auf, Privatleuten riskante Finanzprodukte zu verbieten. Da zeigt sich der deutsche Irrglaube, mit einem Gesetz sei alles geregelt und mit einem Verbot werde alles gut.

          Aber die Idee führt schnell ins Absurde. Schon wenn man anfängt, einen Moment darüber nachzudenken: Was sind überhaupt „riskante Finanzprodukte“? Prokon hat so genannte „Genussscheine“ ausgegeben, die galten anscheinend bisher nicht als übermäßig riskant. Sollen Kleinanleger künftig nur noch Dax-Aktien kaufen dürfen? Nicht mal das würde helfen, schließlich war Arcandor einst im Dax notiert und ging trotzdem in die Insolvenz. So wird das nichts. Mit plumpen Produktverboten ist den Anlegern nicht geholfen.

          Die nächste Idee: Die Finanzaufsicht soll demnächst beurteilen, ob Wertpapiere ihren Preis wert sind. Das kann sie nicht, weil es niemand kann. Die Aufsicht hat schon die Wertprobleme amerikanischer Hypothekenkredite ignoriert.

          Bestenfalls könnte man Wertpapier-Anbieter zu zusätzlicher Transparenz verpflichten. Aber die müssten Anleger erst mal nutzen. Die wenigsten lesen Wertpapierprospekte von 120 Seiten Länge und mehr.

          Verbote und Auflagen machen es eher noch schlimmer. Das zeigt die Erfahrung mit anderen Wertpapieren, etwa den geschlossenen Immobilienfonds. Damit hatten viele Privatanleger Verluste erlitten, also wurden Investitionen in geschlossene Immobilienfonds erschwert. Jetzt investieren die Anleger eben nicht mehr in geschlossene Immobilienfonds, sondern in Anleihen auf Immobilienprojekte. Da haben die Anleger noch weniger Mitspracherecht.

          Das Grundproblem bleibt: Wenn hohe Zinsen locken, schlagen die Leute Warnungen in den Wind. Aber diese Erkenntnis ist gefährlich. Wahrscheinlich kommt bald jemand auf die Idee, hohe Zinsen zu verbieten.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

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