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Europäische Zentralbank : Ziel und Wirklichkeit

Als die Notenbank gegründet wurde, sah man den Kampf gegen eine hohe Inflation als zentrale Aufgabe. Bild: Reuters

Ein leichtes Abweichen vom Inflationsziel nach unten scheint nicht unbedingt dramatische Auswirkungen zu haben. Mit der Größenordnung von 2 Prozent jedenfalls ist die EZB in guter Gesellschaft.

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          Die Debatte ist eröffnet: Welches Inflationsziel soll die Europäische Zentralbank in Zukunft verfolgen? Als die Notenbank gegründet wurde, sah man den Kampf gegen eine hohe Inflation als zentrale Aufgabe. Das Ziel der „Preisstabilität“ wurde damals übersetzt als Inflation „unter 2 Prozent“, und es galt als ehrgeiziges Unterfangen.

          2003 wurde das Ziel konkretisiert auf „unter, aber nahe 2 Prozent“. Mittlerweile jedoch befasst die Notenbank sich permanent mit sehr niedrigen, statt sehr hohen Inflationsraten. Die Frage, wie die Geldpolitik auf ein starkes Abweichen vom Ziel nach unten reagieren soll, hat deshalb über die Jahre an Bedeutung gewonnen. Sicherlich gibt es Gefahren für die Wirtschaft, wenn die Preise über längere Zeit fallen und „Deflation“ herrscht.

          Ein leichtes Abweichen der Inflation vom Inflationsziel nach unten aber scheint nicht unbedingt dramatische Auswirkungen zu haben, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen. Das alles wird man jetzt im Rahmen der EZB-Strategieüberprüfung noch einmal diskutieren müssen. Mit der Größenordnung von 2 Prozent jedenfalls ist die EZB in guter Gesellschaft – etwa 60 Notenbanken der Welt bewegen sich in dieser Klasse.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

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