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Kommentar : Gutes Geld für gute Arbeit

  • -Aktualisiert am

Honorarberatung gilt als das Non-plus-ultra. Doch Durchschnittsinvestoren diesseits der sechsstelligen Vermögen, werden nur schwer fündig.

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          Manche Weisheiten oder Meinungen gelten als politisch derart korrekt, dass niemand sich traut, selbige öffentlich anzuzweifeln - weswegen man stillschweigend gegen sie verstößt. So bekunden die meisten im Bekanntenkreis, dass das Essen bei den amerikanischen Burger-Brat-Ketten unsäglich und ungesund sei - weswegen sie verschämt beiseite gucken oder Ausreden suchen, wenn man sie dort frittentilgenderweise antrifft (“Die Kinder wollten unbedingt“).

          Ein solches Mantra, das eher auf Lippenbekenntnissen als auf Taten beruht, ist die in der Finanzbranche weitverbreitete Meinung, dass Honorarberatung für den Kunden das beste, transparenteste und fairste Verfahren sei, das es überhaupt gebe. Keine Frage, diese Meinung ist gerechtfertigt, doch wehe dem Kunden, der sich auf die Suche nach einer Honorarberatung macht.

          Bei vielen großen Instituten gibt man sich nicht einmal den Anschein, dass man es versuche, und noch schlimmer: Vielen Kunden dürfte es überhaupt nicht klar sein, was und wie viel sie an Gebühren über den Tisch des Bankhauses schieben. Wüssten die Versicherungskunden, wie hoch die Abschlussprovision des netten Herrn ist, der ihnen des Abends eine kleine Police über den Wohnzimmertisch schiebt, würden sie vermutlich unterm Kopfkissen sparen.

          Aber ergeht es dem aufgeklärten Kunden auf der Suche nach einem Honorarberater wirklich besser? Solange man Durchschnittsinvestor mit einem investierbaren Vermögen jenseits der Sechsstelligkeit ist, findet sich leicht ein Honorarberater. Doch wehe, es reicht nur zu einem bescheidenen Sümmchen unterhalb der sechs Nullen. Zu teuer, nicht lukrativ, zu aufwendig - der hilfesuchende Durchschnittskunde wird auf die Standardware der großen Institute verwiesen, und zu deren Haltung zur Honorarberatung siehe oben. Er muss also mit der Ware der provisionsgetriebenen Beratung vorliebnehmen. Keine Frage, Honorarberatung ist politisch korrekt. Man muss sie sich eben nur leisten können, die politische Korrektheit.

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