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Nur einhundert Kontrolleure : Die zahnlose Schweizer Bankenaufsicht

  • -Aktualisiert am

Die neue Schweizer Eintausend-Franken-Note Bild: dpa

Die Schwäche der Finanzmarktaufsicht der Eidgenossen ist politisch gewollt. Man will den Banken nicht weh tun. Die Schweiz bleibt ein Paradies für die Kreditinstitute.

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          Vor zehn Jahren wurde die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) ins Leben gerufen. Dass diese just inmitten der globalen Finanzkrise ihre Arbeit aufnahm, war Zufall. Das Parlament in Bern hatte schon vorher erkannt, dass es sinnvoll ist, die bis dahin getrennte Aufsicht über Banken und Versicherungen in einer Hand zu bündeln und in eine weitgehende politische Unabhängigkeit zu entlassen. Die Finma hat eine Branche zu überwachen, die wegen ihrer großen Bedeutung ein hohes Risikopotential für das kleine Land birgt. Wie groß diese Risiken sein können, führte der tiefe Fall der UBS in der Finanzkrise eindrucksvoll vor Augen: Die Schweizerische Nationalbank und der Bund mussten der Großbank mit mehr als 60 Milliarden Franken unter die Arme greifen.

          Seit diesem für viele Schweizer bis heute traumatischen Ereignis sind die Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen deutlich verschärft worden. Dafür gibt es Lob vom Internationalen Währungsfonds: Schweizer Finanzinstitute seien gut kapitalisiert und auch für schwere Schocks gewappnet. Weniger freundlich fällt das Urteil zur Finanzaufsicht aus: Diese sei zwar gestärkt worden, weise aber weiterhin beträchtliche Defizite auf. Dazu zählt der IWF die ungewöhnliche Praxis, die Banken in Verdachtsfällen nicht selbst, sondern von privaten Wirtschaftsprüfungsunternehmen wie PwC oder KPMG unter die Lupe nehmen zu lassen. Dabei handelt es sich oft um dieselben Adressen, die auch – gut bezahlt – die Jahresabschlüsse der betroffenen Finanzhäuser prüfen und andere Beratungsdienste leisten. Das provoziert Interessenkonflikte.

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