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Stahlunternehmen in Japan : Gefälschte Zertifikate - Dividende weg

Kobe-Steel-Manager Naoto Umehara während der Pressekonferenz an diesem Montag in Tokio. Bild: Reuters

Jahrelang hat der Stahlkocher Kobe seine Kunden betrogen. Die Aktionäre spüren nun als erste die Folgen dieses Versagens.

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          Die Aktionäre des japanischen Stahlkochers Kobe Steel sind die ersten, die unter den jahrelangen Fälschungen von Qualitätszertifikaten leiden. Dass Unternehmen strich an diesem Montag die Dividendenzahlung für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres und zugleich die Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Nach zwei Verlustjahren hatte Kobe Steel zuvor einen Gewinn von 35 Milliarden Yen für dieses Geschäftsjahr prognostiziert.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Aufgrund der nicht absehbaren Finanzrisiken in Folge der jahrelangen Fälschungen verzichtet der drittgrößte Stahlhersteller Japans nun auf eine Prognose des Nettoergebnisses. Kobe Steel setzte zugleich den Ausblick für das Betriebsergebnis um 5 Milliarden Yen auf 75 Milliarden Yen (570 Millionen Euro) herab. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen eine Belastung von mindestens 10 Milliarden Yen als Folge höherer Kosten, geringerer Produktion und entgangener Verkäufe. Mögliche Schadensersatzansprüche von Kunden oder Strafzahlungen kann das Unternehmen derzeit nicht abschätzen, so dass es auf eine Ergebnisprognose verzichtete.

          Kobe Steel hatte eingestanden, über viele Jahre Zertifikate über die Qualität seiner Metalle gefälscht zu haben. In vielen Fällen dienten die Fälschungen dazu, die sehr strengen Qualitätsanforderungen der Kunden zu erreichen. In manchen Fällen wurden aber offenbar auch die strengen Qualitätsanforderungen des japanischen Industriestandards verletzt. Vergangene Woche entzog die japanische Organisation für Qualitätssicherung Kobe Steel für eine Reihe von Kupferröhren das Qualitätssiegel „Japan Industrial Standards“. Betroffen von den Fälschungen sind mehr als 500 Kunden. Bei rund vier Fünftel der betroffenen Kunden soll es nach den bisherigen Untersuchungen des Stahlherstellers keine Sicherheitsbedenken geben. Dennoch sind Schadensersatzansprüche und Rückrufe von Produkten zu erwarten. Kobe Steel drohen auch mögliche Strafen. Das amerikanische Justizministerium hat schon Dokumente über Produkte angefordert, die Kobe Steel in den Vereinigten Staaten verkauft hat.

          Der Aktienkurs des Unternehmens sank seit Bekanntwerden des Skandals schon um mehr als 40 Prozent gesunken. Zugleich sinkt der Preis für Anleihen von Kobe Stil. Nach japanischen Medienberichten hat das Unternehmen bei den drei Großbanken des Landes schon um zusätzliche Kredite in Höhe von 50 Milliarden Yen angefragt, um Sorgen über eine finanzielle Schieflage zu zerstreuen. Für Kobe Steel kommt der Skandal zu einem unglücklichen Zeitpunkt: Das Unternehmen schickte sich gerade an, nach zwei Verlustjahren endlich wieder einen Gewinn zu erwirtschaften. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres steigerte Japans drittgrößter Stahlkocher den Umsatz um 11,3 Prozent auf 907 Milliarden Yen. Der Nettoüberschuss lag mit 39,3 Milliarden Yen fast zehnmal so hoch wie vor einem Jahr.

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