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Kampf um Rohstoffe : Das brisante Paradoxon des Kobalts

Rund 60 Prozent der globalen Kobalt-Förderung finden in der Demokratischen Republik Kongo statt, dem früheren Zaire, einer extremen Krisenregion. Und der bei weitem größte Anteil der Weiterverarbeitung in Raffinerien findet in China statt – unter Umständen, die alles andere als umweltfreundlich sind.

Bild: F.A.Z.

Die Förderung und Verarbeitung von Kobalt ist unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten heikel. „Häufig erfüllen diese Länder nicht unsere Sozial-, Umwelt- und Menschenrechtsstandards“, räumt Matthias Wachter ein, Rohstoff-Fachmann des BDI. Im Kongo ist die Förderung mit Menschenrechtsverletzungen verbunden, es gibt Kinderarbeit, eine hohe Gesundheitsbelastung für die Arbeiter und eine starke Verquickung mit der Finanzierung von bewaffneten Konflikten und Warlords. „Die deutsche Industrie versucht, mit ihren langfristigen Lieferverträgen auch hohe humanitäre und ökologische Standards zu vereinbaren“, sagt Wachter. „Aber das macht es nicht leichter, wenn Länder wie China den Bergbauunternehmen das Kobalt auch ohne Bedingungen abnehmen wollen.“

Kobalt nur ein Nebenprodukt

Auch BMW sagt, dass sie mit ihren Lieferverträgen nicht nur einen Rahmen für die Preise, sondern auch soziale und ökologische Standards vorgeben wollen. Aber dass solche Vorgaben einen Vertragsabschluss gegen die Konkurrenz aus China nicht eben leichter machen.

Oft ist die Kobalt-Gewinnung in Ländern wie dem Kongo dabei ein Nebenprodukt der industriellen Förderung anderer Metalle, wie Kupfer oder Nickel. In anderen Fällen gibt es aber auch noch eher primitiven Tagebau und Kleinbergbau, häufig im Nebenerwerb. Laut Rohstoffagentur macht die Gewinnung von Kobalt als Nebenprodukt des industriellen Kupferbergbaus im Kongo etwa 80 Prozent aus. 20 Prozent entfielen auf den sogenannten „artisanalen“ (handwerklichen) Kobaltbergbau, der eine wichtige Lebensgrundlage für die Bevölkerung im Ostkongo darstelle – bei allen Schwierigkeiten.

Kobalt wird bei der Suche nach Kupfer oft als Nebenprodukt gefördert.
Kobalt wird bei der Suche nach Kupfer oft als Nebenprodukt gefördert. : Bild: David Lewis

Ein westlicher Konzern, der noch eine Mine im Kongo betreibt, ist Glencore mit Sitz in der Schweiz. Früher gab es mehr westliche Konzerne in der Kobalt-Förderung, viele haben sich aber im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zurückgezogen. In Deutschland hat 1955 in Rottweil die letzte alte Kobaltmine geschlossen. Manche Unternehmen denken schon wieder darüber nach, sich an Minengesellschaften zu beteiligen – aber Lieferverträge wären einfacher. Teuer sind die aber auch: „Aus dem Nachfragermarkt ist ein Anbietermarkt geworden“, sagt Wachter. Die Macht haben jetzt die Lieferanten – selbst Weltkonzerne wie Volkswagen kommen nicht leicht dagegen an.

Asien im Vorteil

Vor allem die Volksrepublik China ist stets ein wichtiger Konkurrent bei Gesprächen über Kobaltlieferungen. Der größte Teil der Weltförderung geht schon nach Asien zur Weiterverarbeitung. Ein Teil davon kommt danach auf den Weltmarkt für die globale Produktion – der andere Teil wird in China, Korea und Japan vor allem für die Herstellung von Batteriezellen verbraucht. Mit dem Rohstoff sichert Asien sich also gleichsam die Grundlagen dieser Industrie.

Das alles zeigt, dass es mit der Umweltfreundlichkeit nicht immer so einfach ist. Deutschland will die als umweltfreundlich gepriesenen Elektroautos. Aber die sozialen und ökologischen Schwierigkeiten, die mit der Batterieherstellung verbunden sind, werden in den Kongo und nach China exportiert.

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