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Klimaschutz : Auch die Bank von Japan wird grüner

Dicke Luft in Kawasaki: Japans Volkswirtschaft ist stark industrialisiert. Bild: dpa

Die Zentralbank der drittgrößten Volkswirtschaft wird Investitionen von Unternehmen gegen den Klimawandel fördern. Doch in Japan gibt es einen wichtigen Unterschied zu den Öko-Aktivitäten anderer Notenbanken.

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          Die Bank von Japan will im Umweltschutz aktiv werden und Finanzmittel zur Verfügung stellen, um Investitionen privater Unternehmen gegen den Klimawandel zu fördern. Das hat der geldpolitische Rat der Zentralbank am Freitag beschlossen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Bank begründet die neue Maßnahme damit, dass der Klimawandel mittel- bis langfristig einen sehr großen Einfluss auf die wirtschaftliche Aktivität und die Preise ausüben könne. In der Ankündigung heißt es: Finanzielle Unterstützung der Bank für Maßnahmen gegen den Klimawandel trage dazu bei, die Gesamtwirtschaft langfristig zu stabilisieren. Die Zentralbank behielt zugleich den negativen Leitzins bei. Sie verlängerte spezielle Hilfsprogramme, um die Finanzlage von Unternehmen während der Covid-Pandemie zu stützen, um sechs Monate bis März 2022.

          Mit dem Bekenntnis zum Umweltschutz folgt die japanische Zentralbank der japanischen Regierung unter Ministerpräsident Yoshihide Suga, der die Klimaneutralität des Landes bis zum Jahr 2050 als Ziel vorgegeben hat. „Das Parlament und die Regierung sind vorrangig dafür verantwortlich, dieses Ziel zu erreichen“, sagte Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda in Tokio vor Journalisten. Mit dem neuen Finanzierungsinstrument könne die Zentralbank aber flexibel auf Veränderungen im externen Umfeld bezüglich des Klimawandels reagieren.

          Jedoch keine grüne Geldpolitik

          Zugleich nähert die Bank sich den Bestrebungen unter anderem in der Europäischen Zentralbank und der Bank von England an, die Geldpolitik neben der Preisstabilität durch Ankäufe „grüner Anleihen“ auch für die Umweltpolitik einzusetzen. Ausdrücklich betonten die japanischen Geldpolitiker dagegen, dass sie die Marktneutralität der Geldpolitik beachten wollen. Die Zentralbank baut den Umweltschutz deshalb nicht in die traditionellen Mittel ihrer Geldpolitik ein. Sie will vielmehr Banken Finanzmittel zur Verfügung stellen, damit diese Investitionen oder Kredite gegen den Klimawandel finanzieren können. Kuroda zeigte sich skeptisch gegenüber einem gezielten Ankauf grüner Anleihen.

          Der Umfang und die Bedingungen des Öko-Programms sind bislang nicht bekannt. Die Bank von Japan will mit der grünen Finanzhilfe noch in diesem Jahr beginnen und nach der Sitzung im Juli mehr Details bekannt geben. Das neue umweltpolitische Programm wird ein Finanzierungsprogramm ersetzen, mit dem die Zentralbank die Grundlagen für wirtschaftliches Wachstum in Japan stärken wollte. Dieses Vorgängerprogramm hatte die Zentralbank vor elf Jahren „zeitweilig“ aufgelegt, um die Produktivität und die Nachfrage in Japan zu stützen. Zuletzt hatte die Bank in diesem Programm 5,3 Billionen Yen (40 Milliarden Euro) mittelfristig an 62 japanische Kreditinstitute ausgeliehen.

          Zuletzt kaufte die Bank keine Aktienpapiere mehr

          Geldpolitisch blieb die japanische Zentralbank vorsichtig und ihrem expansiven Kurs treu. Gestützt auf den Export erwartet die Bank eine Erholung der Wirtschaft von der Covid-Pandemie, sieht Japan aber nach wie vor in einer schwierigen Lage. Der kurzfristige Leitzins bleibt so bei minus 0,1 Prozent und der für die Zehnjahresrendite angestrebte Satz bei null Prozent.

          Ausdrücklich betonte die Bank, dass sie im Fall einer Verschlechterung die Geldpolitik weiter lockern könne. Nur auf den ersten Blick wirkt das als Gegensatz zu anderen Notenbanken wie etwa der amerikanischen Federal Reserve, die langsam den Ausstieg aus den Pandemie-bedingten Sondermaßnahmen einleiten. Doch auch die Bank svon Japan hatte sich schon im März etwa mehr Flexibilität beim Ankauf von börsengehandelten Aktienfonds eingeräumt. Im Mai hatte die Bank zum ersten Mal seit 2013 einen ganzen Monat lang keine Aktienpapiere angekauft.

          Wirtschaftliche Hoffnungen richten sich in Japan darauf, dass die Corona-Schutzimpfungskampagne Fahrt aufnimmt. Zuletzt wurden mehr als 1 Million Dosen am Tag geimpft. Seit dieser Woche können alle Einwohner mit 18 oder mehr Lebensjahren sich impfen lassen. Damit könnte sich in kurzer Zeit der private Konsum erholen.

          Kuroda hält es für möglich, dass Unternehmen dann Preissteigerungen bei Vorprodukten an die Kunden weiterreichen könnten. Das sei in Japan aber nicht so leicht möglich wie in Europa oder in den Vereinigten Staaten, sagte der Notenbankgouverneur und erinnerte daran, dass Japan auch vor der Pandemie das Inflationsziel von 2 Prozent nicht erreicht habe. Derzeit liegt die Inflationsrate in Japan nahe null Prozent.

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