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Klimaschutz als Anlagetrend : Rendite mit gutem Gewissen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Klimaschutz mausert sich zum Anlagetrend. Saubere Energie wird zum Milliardengeschäft, der Markt entwickelt sich rasant. „Die Antwort auf den Klimawandel heißt Handel.“

          3 Min.

          „Die Antwort auf den Klimawandel heißt Handel.“ Mindestens 20 Millionen Euro will Dieter Rentsch mit diesem Slogan bis März bei Privatanlegern einsammeln. Der Chef der Fondsgesellschaft Aquila Capital zielt nicht nur auf Umweltfreunde. Sein bestes Argument sind Renditeprognosen von 12 bis 15 Prozent. Aus einem Mindesteinsatz von 15.000 Euro soll der „KlimaschutzInvest“-Fonds in sechs Jahren knapp 30.000 Euro machen. Steuerfrei. Das schaffen sonst nur Multimillionäre mit Spezialfonds, oder dubiose Geschäftemacher werben mit solchen Behauptungen. In beide Kategorien gehört der Hamburger Geschäftsmann mit seinem geschlossenen Fonds nicht.

          Sein Unternehmen orientiert sich an amerikanischen Universitäten, deren Fonds seit Jahren zweistellige Renditen mit alternativen Anlagen erzielen, etwa Wald. Die Grundidee basiert auf den Mechanismen des Kyoto-Protokolls, das 167 Länder unterzeichnet haben, aber nicht die Vereinigten Staaten. Das Kyoto-Abkommen ist interessant für Anleger, weil es Anreize zum Geldverdienen bietet. Einer davon ist, zu verhindern, daß schädliche Gase überhaupt in die Luft gelangen. Da setzt Rentsch an. Er finanziert in Entwicklungsländern umweltfreundliche Projekte und erhält dafür Gutschriften, die Klimaschutzcredits.

          Junger Klimamarkt entwickelt sich rasant

          Wenn der Fonds etwa verhindert, daß aus einer Mülldeponie in Indien weiter Methan entweicht, wird dies durch Credits belohnt. Der Clou hierbei: Weil Methan 20 Mal schädlicher ist als Kohlendioxyd (CO2), werden auch 20 Mal mehr Gutschriften ausgestellt. Diese verkauft der Fonds für gutes Geld in den Industrieländern - etwa an Unternehmen, die mehr Kohlendioxyd in die Luft blasen, als sie dürfen. Der Handel mit Klimascheinen wird um so stärker zunehmen, je mehr Treibhausgase unerlaubt in die Atmosphäre gelangen. Denn dann müssen die Verschmutzer zum Ausgleich Emissionsrechte kaufen. Bereits heute würden Zertifikate von mehr als 200 Milliarden Euro gehandelt, sagt Rentsch. Er glaubt, daß Klimaschutzrechte künftig knapp bleiben werden.

          Dann darf aber nicht wieder so eine Panne wie im Mai passieren. Da löste die Europäische Union einen Crash am CO2-Zertifikate-Markt aus, weil sie Emissionsdaten zu früh und unvollständig veröffentlichte. Investoren verkauften panikartig, die Preise der CO2-Zertifikate brachen ein. Dumm gelaufen, doch Anleger, die mit Rentsch 15 Prozent im Jahr verdienen wollen, müssen sich solcher Risiken bewußt sein - gerade im Klimamarkt, der jung ist, sich aber rasant entwickelt. Immer mehr Geld fließt hier hinein (siehe Grafik).

          Heiße Sommer und gewaltige Unwetter wirken

          Nicht erst die aktuelle Klimaschutzkonferenz in Nairobi und der aufrüttelnde Dokumentarfilm des ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore haben das Thema nachhaltiges Wirtschaften in die Köpfe gebracht. Auch heiße Sommer und gewaltige Unwetter haben gewirkt. In Deutschland fließt immer mehr Geld in Nachhaltigkeitsfonds. Ihr Volumen hat sich seit 2000 auf etwa 12 Milliarden Euro verzehnfacht, schätzt Thomas Bauer vom Informationsdienst Eco-Reporter.

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