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Klagen gegen Skandalkonzern : DWS erhärtet Vorwürfe gegen Wirecard

Asoka Wöhrmann, Chef der Fondsgesellschaft DWS Bild: Wolfgang Eilmes

Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank hatte sich blamiert, weil sie kräftig in den mittlerweile insolventen Bezahldienstleister investierte. Auf der DWS-Hauptversammlung schießt das Management unter Chef Asoka Wöhrmann nun in alle Richtungen – und enthüllt Details.

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          Kritische Fragen zu dem außergewöhnlich großen Engagement bei dem Skandalkonzern Wirecard musste sich der Vorstand der Fondsgesellschaft DWS auf deren Hauptversammlung am Mittwoch gefallen lassen. Noch lange nachdem mehrere Zeitungsberichte den Verdacht von Bilanzfälschungen bei dem inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister aufgeworfen hatten, hatten einige Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochtergesellschaft ungewöhnlich viele Aktien des Unternehmens gekauft – wodurch die DWS zeitweise zum größten Einzelaktionär wurde. Auf 600 Millionen Euro bezifferte DWS-Vorstandschef Asoka Wöhrmann gerade in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den Schaden, den sämtliche Fonds durch den plötzlichen Kursverfall erlitten hätten, und den er nun einklagen will.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Klagen hat die DWS zunächst gegen die früheren Manager von Wirecard eingereicht. Auf der Hauptversammlung machte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl von Rohr nun aber auch deutlich, dass zudem Ansprüche gegen den Wirtschaftsprüfer EY geprüft würden. Um mögliche Interessenkonflikte zu verhindern, beschloss die Hauptversammlung, dass die DWS zunächst weiterhin von KPMG geprüft werden solle und machte damit einen vor zwei Jahre beschlossenen Wechsel zu EY rückgängig.

          Die Frage eines Aktionärs, ob auch Haftungsansprüche gegen die Finanzaufsicht Bafin oder den deutschen Staat geprüft würden, verneinte der für die Investmentstrategie zuständige Vorstand Stefan Kreuzkamp nicht. Stattdessen sagte er: „Die DWS unternimmt alle erfolgversprechenden Maßnahmen, um Ersatz für die Verluste zu erhalten, die ihren Fonds in Folge des Wirecard-Betrugs entstanden sind. In diesem Zusammenhang prüfen wir auch die Geltendmachung von Schadensersatzforderungen gegenüber anderen beteiligten Parteien.“

          Gespräche mit Braun kurz nach Sonderbericht

          Kreuzkamp gab darüber hinaus weitere Details bekannt, warum sich die DWS von dem früheren Vorstandschef von Wirecard, Markus Braun, sowie dem Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann getäuscht fühle. Der endgültige Niedergang von Wirecard begann mit der Veröffentlichung eines Prüfungsberichts von KPMG am 27. April, in dem viele Vorwürfe wegen Bilanzbetrugs nicht entkräftet werden konnten.  „Am 30. April 2020 fand das erste Gespräch unseres Aktienportfoliomanagements mit dem Wirecard-Management nach Veröffentlichung des KPMG-Sonderberichts statt“, berichtete Kreuzkamp nun den Aktionären. Darin zeigte sich der CEO Markus Braun uneingeschränkt zuversichtlich, dass der finale KPMG-Bericht positiv ausfallen wird und EY dies in der Jahresabschlussprüfung bestätigen wird.“ Diese Wahrnehmung habe sich am 6. Mai nach einem Telefonat mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Eichelmann bestätigt.

          Keine personellen Konsequenzen

          Dessen ungeachtet hatten die Fondsmanager der DWS ihre Aktienbestände am Tag des KPMG-Berichts deutlich zurückgefahren. Bis Ende April sei der Bestand laut Kreuzkamp um 60 Prozent reduziert worden. Es dauerte allerdings bis zum 18. Juni, bis in den Fonds der DWS die Gewichtung des damals noch im Dax gelisteten Zahlungsdienstleisters der Gewichtung im Index entsprach – bis dahin war die DWS also weiter übergewichtet in Wirecard.

          Personelle Konsequenzen für die Fondsmanager – vor allem der DWS-Star Tim Albrecht war für das Übergewicht in Wirecard verantwortlich – hatten sowohl Wöhrmann als auch von Rohr schon in Interviews mit der F.A.Z. für unnötig beschieden. Davon war auch auf der Hauptversammlung keine Rede.

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