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Kinobranche : Cinemaxx zieht Senator nach unten

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Senator hat keinen Oscar verdient Bild: dpa

Hatte Senator Entertainment schon im Dezember 2000 eine Sonderabschreibung auf die Cinemxx-Beteiligung angekündigt, so radiert diese den Jahresüberschuss beinahe aus.

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          Sind die Kinocenter in den vergangenen Jahren selbst in relativ kleinen Städten nur so aus dem Boden geschossen, so scheint sich das für die Erbauer und Betreiber immer mehr zu rächen.

          So verzeichnete der Marktführer Cinemaxx im Jahr 2000 nicht nur einen operativen Verlust in Höhe von knapp zwölf Millionen Euro, sondern das Ergebnis wird zusätzlich negativ belastet durch „außerordentliche Maßnahmen“ in Höhe von knapp 15 Millionen Euro. Diese Zahlen werden einmal begründet mit schlechten Besucherzahlen im Jahr 2000 und mit der Notwendigkeit eines Restrukturierungs- und Kostenoptimierungsprogrammes. Daneben möchte sich das Unternehmen nach Worten des Vorstandes Hans-Joachim Flebbe künftig „auf das Inlandsgeschäft und die Festigung der Marktführerschaft in Deutschland“ konzentrieren“. Gleichzeitig sollen für das Auslandsgeschäft strategische Partner gefunden werden.

          Cinemaxx-Verluste belasten Senator Entertainment

          Diese Zahlen haben eine unmittelbare Auswirkung auf das Nemax 50 Unternehmen Senator Entertainment. So frisst die 25-prozentige Beteiligung an Cinemaxx in Form der anteiligen Verlustübernahme und Abschreibungen in Höhe von 26,17 Millionen Mark beinahe den gesamten Gewinn des Jahres 2000 auf: Der Jahresüberschuss beläuft sich gerade noch auf 2,3 Millionen Mark.

          Die Branche habe nicht nur zu stark auf Expansion gesetzt und zu viele Kinos gebaut, sondern gleichzeitig auch den „Kino-Nachholbedarf“ überschätzt, sagen Experten. Statistisch gesehen gingen die Deutschen weniger ins Kino als die europäischen Nachbarn. Das glaubten die Kinobetreiber ausnutzen zu können und begannen immer mehr Kinos zu bauen. Allerdings scheinen sie die Rechnung ohne die Kunden gemacht zu haben. So benötige ein Großkino im Schnitt 300 Besucher pro Sitzplatz und Jahr, um die Gewinnzone zu erreichen. Tatsächlich liege diese Zahl aber nur bei etwa 180. Dazu komme längerfristig der demographische Faktor. Mit der Alterung der Gesellschaft sinkt der Anteil der 20- bis 40jährigen, die Zielgruppe wird immer kleiner.

          Die Aktienmärkte scheinen die Probleme schon länger erkannt zu haben. So befinden sich die Aktien der Cinemaxx AG seit Anfang des Jahres 1999 in einem Abwärtstrend und verloren knapp 87 Prozent ihres Wertes auf zuletzt 4,7 Euro. Aber auch Senator Entertainment blieb nicht verschont. Konnte sich die Aktie bis Januar 2000 noch auf ein Hoch von 34,4 Euro hochhangeln, so kam sie im Jahr 2001 völlig unter die Räder und verlor 86 Prozent auf zuletzt 4,83 Euro.

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